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Multiresistente Keime – wie gefährlich sind sie im Alltag?

Die Kinderärzte berichten: Gefahr durch resistente Keime – immer häufiger lesen wir das in der Presse! Bekannt geworden ist in diesem Zusammenhang der MRSA (methicillinresistenter Staphylokokkus aureus), aber es gibt auch andere multiresistente Keime. Entstanden ist die Problematik durch den – leider zu häufigen, unsachgemäßen und unreflektierten – Einsatz von Antibiotika, nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Tierhaltung oder der Pflanzenzucht. Die Folge: Bakterien lernen mit Antibiotika zu leben, sie werden also resistent gegen Antibiotika. Verursachen solche resistenten Keime dann Infektionen, helfen die üblichen Antibiotika nicht mehr. Dies ist eine äußerst kritische, manchmal sogar lebensbedrohliche Lage. Für die nächsten Jahre erwarten Experten nicht, dass neue Antibiotika, die Abhilfe schaffen könnten, auf den Markt kommen. Die Situation wird sich in absehbarer Zeit eher verschlechtern.

Darum ist die Verschreibung eines Antibiotikums sehr verantwortungsvoll abzuwägen! Bei den ja meist viralen Infekten der oberen Luftwege sollten sie beispielsweise nicht eingesetzt werden. Und auch sonst gilt: Antibiotika nur einsetzen, wenn sie wirklich nötig sind!

Ein multiresistenter Keim kann eine Besiedelung hervorrufen, die betroffene Person erkrankt dabei nicht. Ist ein Patient nun mit einem resistenten Keim besiedelt, ist das Risiko der Ansteckung für die Angehörigen im häuslichen Milieu in der Regel nicht sehr hoch. Durch engen Körperkontakt kann es zu einer vorübergehenden Besiedlung von Familienmitgliedern kommen, welche für diese in der Regel keine Bedrohung darstellt. Die häuslichen „normalen Keime“ halten sozusagen die Stellung und können die resistenten Konkurrenten sogar verdrängen. In der BRD sind 1-2% der Bevölkerung besiedelt, in Gegenden mit Nutztierhaltung zum Teil wesentlich mehr. Der direkte Kontakt mit MRSA-besiedelten Personen und der indirekte Kontakt über gemeinsam benutzte Gegenstände, wie etwa Handtücher, sowie schlicht mangelnde Hygienemaßnahmen sind die Hauptübertragungswege für z.B. MRSA.

Ein multiresistenter Keim kann aber auch eine Infektion, also ein Eindringen des Keims in den Körper und das Auslösen einer Erkrankung, verursachen. Besonders gefährdet sind hier ganz allgemein schwer kranke Patienten, Patienten mit einer Immunsystemschwächung, Personen mit offenen Wunden, Hautläsionen, Diabetiker oder Dialysepatienten. In diesen Fällen ist eine Distanzierung zu einem z.B. mit MRSA besiedelten Patienten empfohlen, bis dieser saniert ist. Für Schwangere und ungeborene Kinder besteht zunächst wenig Gefahr. Ist die werdende Mutter besiedelt, ist eine Sanierung aber vor der Geburt anzustreben.

Und nicht vergessen: Besprechen Sie – falls Sie, in welcher Form auch immer, betroffen sind – die nötigen Maßnahmen mit Ihrem Arzt oder dem Gesundheitsamt.

DrS

3 Kommentare

  1. Carnot sagt

    Ein wesentlicher Punkt ist hierbei auch das Hygienemanagement z.B. auch in der Kinderarztpraxis (u.a. gründliche Händedesinfektion, Reinigungspläne, Desinfektionsmittelkontrolle etc). Welches Konzept verfolgen Sie in Ihrer Praxis z.B. in puncto Händedesinfektion?

    • Hygienische Maßnahmen sind generell essentiell – da stimmen wir Ihnen absolut zu.
      Wir haben ein festes, schriftlich festgelegtes und den entsprechenden Vorschriften folgendes Hygienemanagement in unserer Praxis. Die hygienische Händedesinfektion ist dabei selbstverständlicher Bestandteil, wie auch die anderen von Ihnen genannten Punkte. Außerdem werden die Mitarbeiter bzgl. der Hygiene geschult.
      DrS

  2. Pingback: Wieviel Dreck brauchen wir? Die Bauernhof-Hypothese | die Kinderärzte

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