Erziehung
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Lügen bei Kleinkindern

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Sicher kennen Sie das auch: Die Schokolade ist angeknabbert, der Mund noch ganz verschmiert und das Kind behauptet steif und fest, dass es erstens schon gaaaaanz lange nichts Süßes gegessen und zweitens sowieso schon die Zähne geputzt hat. Kinder, auch Kleinkinder, lügen. Viele Eltern erschrecken, was ist falsch gelaufen? Die Kinderärzte antworten: Keine Sorge, es ist nichts falsch gelaufen – das ist normal.

Kleinkinder können außerdem zwischen Wahrheit und Fantasie nicht unterscheiden. Sie erfinden Geschichten oder übertreiben maßlos. Das ist durchaus auch ohne Lügen der Fall. Seien Sie sich dessen bewusst, wenn das Kind das nächste Mal mit einer unglaubwürdigen Geschichte ankommt.

Kinder lügen mit 4 Jahren im Durchschnitt alle 2 Stunden, mit 6 Jahren alle 1 1/2 Stunden. Aber sehen Sie das nicht zu negativ. Es handelt sich beim Lügen-Lernen um einen wichtigen Entwicklungsschritt: Das Kind kann sich in einen anderen Menschen einfühlen, wenn es lügen kann. Das Kind erfasst, dass andere eventuell nicht wissen, was es selbst weiß – und diesen Umstand lernt es auszunutzen! Entwicklungspsychologen sagen sogar, dass Kinder umso früher lügen, je intelligenter sie sind. Eltern sollten bedenken, dass ein Kind immer einen Grund hat für das, was es tut. Auch wenn es sich dieses Grundes selbst nicht bewusst ist. Das kann beim Lügen die Suche nach Anerkennung, Angst vor Strafe oder ein erhoffter Vorteil sein.

Als Erwachsener bemerkt man die Lüge ja schnell, so dass Sie mit einem Satz wie „Das kann ich so nicht glauben!“ den kleinen Schwindler schnell entlarven können. Hinterfragen Sie auch einmal, ob Sie zu streng sind, wenn Angst vor einer Strafe das Motiv für die Lüge war und ob das Kind nicht auch von uns Erwachsenen gelernt hat, denn auch wir lügen ja nicht so selten… Und vermitteln Sie dem Kind auch, dass es mit allem zu Ihnen kommen kann und die Lüge gar nicht notwendig war. Und – wie eingangs erwähnt – Lügen ist einfach auch normal!

DrS

Kategorie: Erziehung

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

2 Kommentare

    • Danke für die Rückmeldung.

      Viele Eltern erschrecken, wenn die Kinder ihre Vorstellungen und Ideale nicht erfüllen und lügen. Die Eltern fragen sich, was nun falsch lief. Und hier darf man beruhigen und sagen, daß eben nichts schief gelaufen ist, sondern Lügen bei (Klein)kindern in ganz normalen Verhältnissen etc. einfach regelhaft auftritt. Siehe auch die erwähnten Daten zur Häufigkeit der Schwindeleien im Tagesablauf.
      So ist der Beitrag gemeint und die Aussage, daß Lügen normal ist.
      Zumal die Kurzen ca. in den ersten 6 Jahren zwischen Phantasie und Realität einfach noch nicht unterscheiden können und die vermeintliche Lüge manchmal gar keine absichtliche Lüge war.

      Ein ganz anderer Aspekt ist, daß die Eltern den Kindern vermitteln, daß die Lüge nicht gewünscht ist und nicht akzeptiert wird – und auch gar nicht notwendig ist, z.B. weil die Kinder ja mit allem zu ihren Eltern kommen können sollten.
      DrS

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