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Diskutieren Sie mit: Der Spagat zwischen Beruf und Familie

Spagat

Die Kinderärzte erleben es nicht selten: Die Belastung durch den Versuch, das Leben mit Beruf und Familie sinnvoll zu vereinbaren, ist für Eltern eine enorme und bisweilen – unter den aktuellen Gesellschaftsbedingungen – nicht bewältigbare Herausforderung. Wir sehen nicht selten, dass Eltern an den Ansprüchen, die an sie herangetragen werden oder die sie selber meinen erfüllen zu müssen, scheitern. Und der enorme Druck kann erhebliche Schwierigkeiten nach sich ziehen.

Der Tag hat auch für die effektivsten Eltern nur 24h und auch die belastbarsten Menschen haben physische und psychische Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Dies müssen auch wir modernen Menschen uns eingestehen. Und es gibt uns nicht nur als Berufstätige und als Elternteil, sondern auch als Einzelperson mit allen Bedürfnissen, Stärken, Schwächen und mit der normalen menschlichen Begrenztheit. Dies wird oft sehr leicht vergessen. Ständige Überforderung der menschlichen Möglichkeiten führt in die Sackgasse, man nennt das dann z.B. Burnout. „Alles“ ist eben nicht möglich!
Für die Burnoutprophylaxe gibt es einige gute Ansätze: Beispielsweise Prioritäten zu setzen, Ziele und die generelle Lebensgestaltung zu überdenken (Was will ich? Wo will ich hin? Was ist mir wichtig?) und ggf. neu zu definieren oder zu verändern. Auch Entrümpeln ist eine gute Strategie – welche Anforderungen und Ansprüche will ich nicht mehr an mich heranlassen, muss ich gar nicht erfüllen und kann ich getrost über Bord werfen?

Klar, eine Familie muss ein existenzsicherndes Einkommen haben, der Beruf bietet Selbstbestätigung und ist ein Bereich, in dem man seine Fähigkeiten ausleben und einbringen kann und in dem wir etwas erreichen und bewegen können. Jeder wird andere, individuelle Vorstellungen davon haben, wie er das persönliche Leben, den Beruf und die Familie gestalten und vereinbaren will und wie er insgesamt leben will. Es gibt hier keine Patentlösung und nicht den einen richtigen Weg.

Aber: Jeder wird vor der Notwendigkeit einer Gewichtung stehen, denn in allen Bereichen 100% anzustreben kommt der Quadratur des Kreises gleich. Und die ist bis heute nicht gelungen. Vielleicht hilft es einigen, innerlich zurückzutreten, vom Ende her zu denken und zu fragen: Was wird mir für mein Leben am Ende wichtig gewesen und wichtig geblieben sein, was werde ich auch am Lebensende als sinngebend, notwendig, erfüllend und von bleibendem Wert einstufen. Wie gut, wenn man diese wichtigen Fragen in einem persönlichen Gespräch mit einer vertrauten Person besprechen und für sich Antworten oder auch einmal eine Kurskorrektur finden kann.

Nun noch die Bitte: diskutieren Sie doch mit, was ist Ihre Meinung, was sind Ihre Erfahrungen und Ihre Lösungsansätze? Wo sehen Sie Hilfsmöglichkeiten?

DrS

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von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

2 Kommentare

  1. Carnot sagt

    Dazu zwei Buchempfehlung einmal von Dörner: Die Logik des Mißlingens, und von Gigerenzer: Bauchentscheidungen. Familien mit Kindern sind in gewisser Weise komplexe Systeme, die organisiert werden müssen. Dabei geht es ganz klar um Priorisierung (wie so oft im Leben). Sie schreiben in Ihrem Beitrag richtigerweise den Ansatz vom Ende her zu denken. Oder, was wäre das Schlimmste, das eintreten könnte, wenn man etwas tut/ nicht tut. Das Alter der Erstgebärenden wird immer höher. Schwierig ist dabei immer auch die Entscheidung, wer tritt zurück, gerechte Arbeitsaufteilung, wenn beide Elternteile gut ausgebildet sind und berufliche Ambitionen hegen. Dazu: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/forsa-umfage-work-life-balance-13467504.html
    Die Arbeitgeber sind gefragt. Gute Kinderbetreuungseinrichtungen mit gut ausgebildeten Erzieherinnen/ Betreuerinnen sind gefragt. Der Erzieherinnen Lohn ist z.T. ein Hohn.
    Ich arbeite derzeit 50 %.

    • Danke für Ihre Anmerkungen. Sie haben recht, es gibt noch viel Raum für wünschenswerte und einfach notwendige (!) Verbesserungen für Kinder, ihre Eltern und Familien. Hier ist unsere Gesellschaft eindeutig gefragt.
      DS

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