Monate: April 2015

Schule

Über den Umgang mit Strafarbeit und Co

Irgendwann passiert es wohl allen Eltern einmal: Das Kind kommt nach Hause und berichtet, dass es in der Schule eine Strafarbeit aufgebrummt oder gar einen Verweis bekommen hat, weil es sich nicht an die Regeln gehalten hat. Doch was antwortet man dann auf die bange Frage „Bist du jetzt böse auf mich?“ Zunächst ist man vielleicht versucht, loszuschimpfen. Dies ist – bei genauerer Betrachtung – aber eigentlich gar nicht nötig, denn die Strafe ist ja bereits ausgesprochen, das „Vergehen“ somit geahndet. Besser ist es, mit dem Kind das Gespräch darüber zu suchen, was vorgefallen ist und zu erklären, warum sein Verhalten nicht in Ordnung war. Dabei sollte man durchaus deutlich machen, dass man dann eben auch die negativen Konsequenzen dafür tragen muss. Geschieht dies auf einer sachlichen, konstruktiven Ebene, wird es die Beziehung zwischen Eltern und Kind nicht belasten. Nur so kann man erreichen, dass sich das Kind auch in Zukunft offen mit den Eltern sprechen traut, was eine wichtige Basis für eine vertrauensvolle Beziehung ist. Schwieriger wird die Sache allerdings, wenn sich das Kind …

Smarties-Kuchen

Einkaufsfalle Kinderlebensmittel

Ob beim Großeinkauf am Wochenende oder wenn man nur schnell ein paar Kleinigkeiten besorgen muss: Das Einkaufen im Supermarkt wird mit Kindern immer mehr zum Spießrutenlauf. Die Süßigkeiten im Wartebereich an den Kassen sind ein sicherlich schon zur Genüge diskutiertes Ärgernis für Eltern. Mittlerweile kommt es aber auch schon vorher immer häufiger zu Quengelattacken, da einem aus den Regalen alle Arten von Lebensmitteln in bunten Verpackungen mit putzigen Tiergesichtern oder bekannten Zeichentrickfiguren entgegenlachen. Einerseits fühlen sich natürlich Kinder durch die optische Aufmachung auf gesprochen, was im besten Fall eine Diskussion über den Kauf und im schlechtesten einen Wutanfall bei Verweigerung dieses Wunsches nach sich zieht. Andererseits lassen sich aber auch viele Eltern täuschen von Aufdrucken, die die Lebensmittel als besonders geeignet für Kinder anpreisen. Dies führt häufig zu der irrigen Annahme, die Produkte seien besonders auf die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet. Hier soll anhand von drei Beispielen gezeigt werden, dass dies leider nicht der Realität entspricht. Bei Kindern sehr beliebt ist z.B. Wurst in verschiedenen Tierformen, die den Eindruck vermittelt, sie sei besonders für …

Taschengeld 2

Taschengeld

Immer mehr junge Menschen starten z.T. hochverschuldet ins Erwachsenenalter. Um dem entgegenzuwirken, finden z.B. in den Schulen Vorträge von Schuldnerberatern statt, um die Jugendlichen auf die Gefahren von horrenden Handyrechnungen, Krediten und Ratenzahlungen hinzuweisen. Ebenso wichtig ist es aber, dass Eltern Kindern ab dem Grundschulalter durch die Zahlung von Taschengeld die Möglichkeit geben, den sinnvollen und verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu üben, sodass den Kindern schon früh bewusst wird, dass Geld nicht in unbegrenzter Menge zur Verfügung steht. Es gibt jedoch einige Regeln, die im Hinblick auf die Zahlung des Taschengeldes zu beachten sind: • Es sollen regelmäßig gleiche Beträge ausgezahlt werden, damit die Kinder ihre Einnahmen und Ausgaben planen können. • Die Höhe soll altersangemessen sein (vgl. hierzu z.B. www.jugendamt.nuernberg.de/downloads/taschengeld.pdf). • Die Kinder sollen keine zusätzlichen Zahlungen oder einen Vorschuss erhalten, wenn sie ihr Geld ausgegeben haben. Nur so können sie lernen, dass man sich Geld einteilen muss und genau überlegen sollte, wofür man es ausgibt. Auch die Erfahrung, dass man für größere Anschaffungen länger sparen muss, können die Kinder nur so machen. • …

Abb. Seite 83 klein

Manchmal ist weniger Perfektion mehr…

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) hat die Vorstellungen der Menschen in der BRD zu Familie, Elterndasein und Partnerschaft untersucht und die Ergebnisse veröffentlicht. Die Kinderärzte berichten kurz dazu, da die Ergebnisse deutliche Parallelen zu vielem, was in der Kinderarztpraxis besprochen wird und was in diesem Blog auch schon geschrieben wurde, zeigen. Befragt wurden für diese Studie zwischen 2012 – 2014 5000 zufällig ausgewählte Personen zwischen 20 und 39 Jahren. Die Personen wurden mehrmals kontaktiert. Tatsächlich setzen sich viele junge Eltern sehr unter Druck mit den Erwartungen, die sie selbst an sich in der Elternrolle stellen. Ca. 25% meinen, dass Eltern ihre Bedürfnisse gänzlich denen der Kinder unterordnen sollten. 80% denken, dass es in der Erziehung vieles gibt, was man falsch machen kann. Das Elterndasein gilt als schwierig zu meisternde Angelegenheit. Diese Überzeugungen werden anscheinend von klein auf übernommen und irgendwann nicht mehr hinterfragt. Aufgrund der Vielfalt an Informationen fühlen sich zudem einige Eltern durch die von der Gesellschaft formulierten Anforderungen unter Druck gesetzt, was zur Folge hat, dass sie manchmal gegen ihre eigenen Überzeugungen handeln. …

Adipositas1

Übergewicht – es ist jedenfalls kein einzelnes Gen!!!

Es ist angeboren aber es sind nicht nur die Gene…! In der bisher größten genetischen Studie an mehr als 300.000 Probanden konnte ein internationales Forscherteam eine Vielzahl von genetischen Faktoren finden, die im Zusammenhang mit starkem Übergewicht stehen. Die direkte Vererbung eines spezifischen Gens war nicht zu finden. Dennoch ist die Neigung zu Übergewicht familiär. Wenn keine eindeutige genetische (Mendel´sche) Vererbung, was dann? Es wird nicht das Übergewicht vererbt, sondern nur die Neigung zu Übergewicht. Möglicherweise über das frühkindliche „biological programming“, also die Bahnung bestimmter Stoffwechselwege hin zu Übergewicht. Was schließen die Kinderärzte nun daraus? Um späteres Übergewicht vorzubeugen wäre ein sehr früher Beginn vorbeugender Lebensbedingungen nötig. Ernährung und Bewegung der Eltern muss bereits gesund sein um bei den Kindern dies zu ermöglichen. Die Kinderärzte sehen aber auch, dass Eltern bei den komplex gewordenen Lebensbedingungen nicht auf jede Einzelheit optimalen Verhaltens achten können. Ein gesunder und machbarer Mittelweg wäre für die Kinderärzte die Kombination von gesunder Kinderkost und Einüben von körperlicher Aktivität ab dem Laufalter. Dazu kommt der Auftrag an die Eltern, Vorbild zu sein: …

Arche

„Die Arche Noah“ oder „Verschiedenheit ist ein Gewinn“

Wir leben in Deutschland in einer hochtechnisierten und hochorgansierten Gesellschaft. Dies hat viele Vorteile. Aber das hat auch Nachteile. Eine hochorganisierte Gesellschaft tut sich nämlich schwerer damit, mit vom Mainstream abweichenden Varianten klar zu kommen. Und das erleben wir eben ganz besonders schon bei Kindern. Nicht alles, was gerade nicht in die Standardschublade passt, ist gleich unnormal. Beispiel: Es ist definitiv nicht automatisch unnormal, wenn ein Kind im vorherrschenden Schulsystem nicht optimal mitkommt. Oft passen der Lehrer und/oder das Schulsystem einfach nicht. Und in der Regel hat das Kind dafür andere Stärken Wir sehen hier auf der einen Seite eine Schwäche der Gesellschaft, zu Gunsten des einfach zu organisierenden Mainstreams auf andere Wege zu verzichten, die vielleicht ganz andere, bessere Sichtweisen und Lösungen hätten. Wir erleben aber gerade hier auch viele Sorgen der Eltern, denen häufig signalisiert wird ihr Kind sei auf irgendeine Weise unnormal, nur, weil es im Mainstream nicht so einfach organisierbar ist. Die Kinderärzte sehen es deshalb auch als ihre Aufgabe an, hier um Verständnis und Toleranz zu werben, und Gesellschaft (das …

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Der „Struwwelpeter“, ein kinderärztliches Lehrbuch – hätten Sie das gewusst?

Hätten Sie es gewusst? Der Autor des Struwwelpeter, Dr. med. Heinrich Hoffmann (1809-1894), war Arzt. Und zwar Psychiater. Er war einer der Wegbereiter der Jugendpsychiatrie und beschreibt in seinem Buch „Struwwelpeter“ genau das, nämlich kinder- und jugendpsychiatrische Krankheitsbilder. Da ist zum Beispiel der Zappelphilipp, der Prototyp des Kindes mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Syndrom). Oder der Hans-Guck-in-die-Luft, ein Junge mit Absencen, einer Form der Epilepsie, also eines Krampfleidens. Oder der bitterböse Friederich, der Tiere zum Scherz quält. Heute nennt man dieses Krankheitsbild „tiefgreifende Störung des Sozialverhaltens“. Oder der Suppen-Kaspar, der an Magersucht leidet, einer Erkrankung die natürlich nichts mit der Suppe zu tun hat, sondern mit dem Bild vom eigenen Körper. Natürlich wissen wir heute mehr über diese Erkrankungen. Dadurch wirkt das Buch grotesk. Außerdem sollte anhand von anderen Figuren im Buch auch ein autoritärer Erziehungsstil unterstützt werden. Dies wird von der heutigen Gesellschaft größtenteils abgelehnt, zu Recht, wie auch die Kinder@rzte meinen. Trotzdem, es ist ein historisches Buch. Wenn Sie es noch in einer Kiste auf dem Dachboden haben, gönnen Sie sich doch mal wieder einen „historischen“ …

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Schlechter Schlaf als Hinweis auf Schul-Mobbing?

Eigentlich banal. Aber nun haben wir es halt auch schriftlich und in wissenschaftlichen Zahlen. Schulkinder, die in der Schule Mobbing ausgesetzt sind, schlafen schlechter. Ihr Risiko für Albträume oder andere Schlafstörungen ist auf das 1,5-fache erhöht, so eine große Studie aus Großbritannien. Vorstellbar ist das natürlich, vor allem, da die Kinder die Erlebnisse in der Schule häufig nicht berichten und versuchen selbst zu verarbeiten. Darunter leidet dann eben auch der Schlaf. Was könnte darauf hinweisen? Vor allem, wenn die Schlafstörungen überwiegend während der Schulwochen auftreten, aber nicht in den Ferien. Die Empfehlung der Kinderärzte? Versuchen Sie bei Albträumen und anderen Schlafstörungen Ihrer Kinder eine größere, geheim gehaltene Schulbelastung auszuschließen. Ein Verhör sollte es aber nicht werden. Schon allein deshalb nicht, weil Schlafstörungen ja auch häufig ohne psychologische Ursache auftreten. Und weil gemobbte Kinder eh schon belastet sind und ein niedriges Selbstwertgefühl aufweisen. DrGH