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Bringen prophylaktische Blutentnahmen etwas?

Labor 2

Die Kinderärzte werden immer wieder von Eltern gefragt, ob es nicht sinnvoll sei, „mal zur Sicherheit“ oder „mal zur Kontrolle“ Blutwerte bei Ihrem Kind zu bestimmen.
Wir verstehen, dass alle Eltern das Beste für ihr Kind wollen und darum möglichst große Sicherheit gerade auch bezüglich der Gesundheit ihrer Lieblinge schaffen möchten.
Das Problem hierbei ist eines, das sogenannte Screeninguntersuchungen generell haben: Hinsichtlich welcher Erkrankungen ist es sinnvoll, gesunde und symptomlose Menschen zu untersuchen, um bei einigen wenigen frühzeitig die Entstehung einer Krankheit zu erkennen. Wie sehr darf man dafür Menschen belasten?
Ein gutes, sinnvolles Beispiel für Screeninguntersuchungen sind die Kindervorsorgeuntersuchungen, bei denen mittels körperlicher Untersuchung, Entwicklungsdiagnostik, Ultraschall und weniger Laboruntersuchungen, wie etwa einem Urintest, Erkrankungen und Entwicklungsstörungen frühzeitig festgestellt werden können. Fällt bei diesen Untersuchungen oder anhand dessen, was Eltern an Symptomen berichten, etwas auf, kann nachfolgend auch beispielsweise eine Blutuntersuchung angezeigt sein.
Ist nun aber ein Kind beschwerdefrei, bei gutem Allgemeinbefinden und normal belastbar, stellt sich die Frage nach dem Vorteil, der sich für das Kind durch eine Blutentnahme ergibt. Welche Untersuchung sollte der Arzt durchführen, er hat ja kein Symptom, das ihn leitet und die Bestimmung bestimmter Werte begründet? Das wäre in etwa so, wie wenn man blind mit der Schrotflinte in den Wald schießt und hofft, einen Hasen zu treffen, der aber vielleicht im Rücken des Jägers sitzt. Damit bieten also die normalen Blutwerte auch nur eine scheinbare Sicherheit, denn vielleicht gäbe es ja einen, den man zwar nicht bestimmt hat, der aber eine Auffälligkeit zeigen würde. Und der Arzt kann ja nicht alle denkbaren Werte bestimmen, ohne einen hinreichenden Grund dafür zu haben.
Die Kinderärzte raten daher von solchen unnötigen und nicht sinnvollen Blutentnahmen ab. Diesen Pieks kann man den Kindern guten Gewissens ersparen. Eltern sollten hier lieber auf ihr Gefühl hören, das ihnen sagt, dass es dem Kind gut geht, als auf Zahlen zu bauen (wie wir modernen Menschen das gerne tun), die aber auch einmal falsch liegen können.

Kategorie: Medizin

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

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