Erziehung, Familie
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Wenn Kinder nicht verlieren können…

Um es vorweg zu nehmen: Es geht um Perfektionismus.

Dass große Motivation auch einmal zu Enttäuschungen führen kann, ist allen Eltern klar. Zum Beispiel wenn ein Jugendfußballspiel verloren geht. Darüber darf man sich dann schon auch mal ärgern, vor allem, wenn viel trainiert wurde dafür und große Hoffnungen in den kleinen Köpfen saßen.

Was ist aber mit Kindern, die nie verlieren können? Egal, ob es um ein Brettspiel geht, um eine Wette oder um den Fensterplatz im Bus?

Häufig ist das Ausdruck von Perfektionismus. Es steht der unbewusste Gedanke dahinter: „Nur, wenn alles so perfekt ist, wie ich mir das vorstelle, läuft es gut.“ Oder sogar: „Nur, wenn alles so perfekt ist, wie ich mir das gesetzt habe, ist mein Leben etwas wert.“ Deshalb „müssen“ Sie um jeden Preis gewinnen, immer, weil es den Wert ihres Lebens bestimmt. Kennen Sie das bei Ihrem Kind? Dann müssen Sie dringend etwas gegen den Perfektionismus tun.

Was da psychologisch passiert: Perfektion gibt es in der Welt nicht. Nachdem das „perfekte“ Ergebnis also nie zu erzielen ist, laufen „perfekte“ Kinder immer ihren Zielen hinterher. Bei stillen Kindern führt das zu Verlust an Selbstbewusstsein („Ich schaffe meine Ziele ja eh nicht“), bei extrovertierteren zu Aggression. Beide Typen können niemals richtig genießen und kommen selten zur Ruhe.

Was können Sie dagegen tun?

  • Zuerst einmal dürfen Sie prüfen, wo Sie in der Erziehung selbst Perfektionismus fördern. Es ist eine der schwierigsten Gradwanderungen, Kinder zu Motivation und Leistung anzuhalten, zum Beispiel in der Schule, ohne gleichzeitig die fatalen Folgen des Perfektionismus zu erzeugen. Ich persönlich bin überzeugt, dass unsere Leistungsgesellschaft eh schon genug Leistung fordert.
  • Die Anstrengung loben, nicht das Ergebnis.
  • Die Ziele der Kinder auf ein realistisches Maß beschneiden – nicht die Träume, die jeder haben darf, aber die Ziele.
  • Die Stärken der Kinder suchen und betonen.
  • Die Schwächen sachlich ansprechen und akzeptieren: „Mathe ist halt nicht deine Stärke. Macht nix, dafür bist du in Sprachen gut.“ Kein Mensch kann in allen Bereich top sein. Superman gibt es nicht.

Übrigens – meistens kommen die entspannten Kinder auch viel weiter im Leben, als „perfekte“.

Einen Filmtipp dazu finden Sie hier.

Kategorie: Erziehung, Familie

von

Dr. med. Gerald Hofner

Dr. Gerald Hofner war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberarzt der Universitätskinderklinik Erlangen-Nürnberg, bevor er seit 2003 in der von ihm gegründeten Praxis für Kinder und Jugendliche in Neudrossenfeld und Bayreuth tätig wurde. Sein Fokus liegt auf der Schwerpunktversorgung für Kinderkardiologie, Kinderpneumologie und Jugendsportmedizin, sowie auf der Prävention. Ihm ist dabei wichtig, die Erkenntnisse der Wissenschaft verständlich zu den Patienten und ihren Familien zu bringen. Als Vater von zwei Töchtern weiß er um die Probleme von Familie.

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