Kindererziehung, Prävention
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Bauchlage bei Säuglingen

Die Empfehlung ist eindeutig – Säuglinge sollten wegen des reduzierten Risikos bezüglich des plötzlichen Kindstodes im Schlaf grundsätzlich in Rückenlage gelagert werden. Wie ist das aber im Wachzustand?
Die kleine Nele ist 3 Monate alt. Im Rahmen der U4 untersucht der Kinderarzt das Kind und sieht einen abgeflachten Hinterkopf. In Bauchlage schafft Nele es kaum, den Kopf zu heben. Die Eltern berichten dann auf Nachfrage, dass Nele im Wachzustand fast nicht in Bauchlage gebracht wird. Das Kind mag es nicht und fängt rasch an zu weinen. Darum vermeiden Neles Eltern sogar inzwischen aktiv die Bauchlage!
Der Kinderarzt rät hier einzugreifen. Wenn sie wach ist, muss Nele die Bauchlage üben, am besten mehrere Male täglich. Mit der Zeit sollte Nele die Bauchlage zunehmend länger tolerieren, am besten mit entsprechender Beschäftigung und Ablenkung durch die Eltern. Ob sie das Kind mit einem Spielzeug beschäftigen oder mit einem Lied, einem Fingerspiel oder mit dem Geschwisterchen, das das Kuscheltier bringt, die Laune heben – wichtig ist nur, dass Nele immer längere Zeiten aushält. Irgendwann wird sie entdecken, dass die Bauchlage auch Vorteile hat und sie akzeptieren. Dann haben Neles Eltern ihr Ziel erreicht.
In den USA nennen es die Kinderärzte die „belly-time“, die Bauchzeit. Und ja, auch bei uns ist sie im Wachzustand für die Kinder enorm wichtig.
Nele kommt 6 Wochen später wieder und ihre Eltern haben inzwischen viel erreicht. Sie liegt in Bauchlage da und stützt sich ab. Sie hebt nun auch den Kopf und lächelt ihre Eltern dabei an. Die Mühe der Eltern hat sich gelohnt.

Kategorie: Kindererziehung, Prävention

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

4 Kommentare

  1. Julia Grösch sagt

    Ich hoffe sehr, dass immer mehr Kinderärzte sich mit den Beobachtungen von Dr. Emmi Pikler befassen. Es ist mir ein absolutes Rätsel woher die Idee kommt, Kinder müßten als erstes auf dem Bauch liegen, um den Nacken und den Rücken zu kräftigen. Warum dürfen sie nicht das tun, was natürlicherweise da ist – nämlich auf dem Rücken liegen, ihre Hände entdecken und zusammen bringen, ihre Füße entdecken und zu den Händen bringen – und dabei natürlicherweise ihre Bauchmuskulatur und die Beweglichkeit im ganzen Rumpf stärken? Aus diese Position kommen Babys in die Seitenlage und von da aus drehen sie sich irgendwann ganz von selbst auf den Bauch. Man muss das so wenig trainieren mit Babys, wie man mit ihnen trainieren kann zu krabbeln. Es kommt von selbst. Noch dazu sind Babys in der Rückenlage zufriedene Babys, weil sie sich mit Händen und Füßen beschäftigen können, Spielsachen greifen und fallen lassen können und insgesamt viel mehr Bewegungsfreiheit haben. Babys auf dem Bauch liegen wie festgenagelt, sie können nichts machen außer den Kopf heben. Probieren Sie es mal aus! Beste Grüße!

    • Dr. Stefan Schwarz

      Danke für Ihre Hinweise. Beides ist wichtig, die Rückenlage ist natürlich auch in Ordnung und bringt verschiedene, von Ihnen erwähnte Möglichkeiten. Aber die Bauchlage darf dennoch nicht vernachlässigt werden! Die negativen Folgen von zu wenig oder keiner Bauchlage sehen wir oft in der Sprechstunde. Das rechte Mass und die Abwechslung ist – wie bei allem – wichtig!

    • Dr. Stefan Schwarz

      Der plötzliche Kindstod ist bis heute nicht umfassend oder endgültig erklärt. Höchstwahrscheinlich sind die echten SIDS-Fälle nicht immer nur auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Es gibt verschiedene bekannte Risikofaktoren, das kommt in dem Artikel ja auch zur Sprache. Es werden viele Ursachen diskutiert und erforscht. Und sicher, hier hat der von Ihnen angesprochene Artikel recht, sind frühere Ergebnisse teilweise mit heutigem Wissen wieder in Frage zu stellen. Wie immer in der Wissenschaft.
      Soweit möglich empfehlen wir unseren Eltern, die bekannten Risikofaktoren zu meiden. Wenn sich ein Kind aber beispielsweise von selbst auf den Bauch dreht, sagen wir den Eltern, dass sie das tolerieren sollten bzw. müssen, alles andere wäre doch auch nicht realistisch.

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