Kindererziehung
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Im Restaurant

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Werden Sie mit mir Zeuge folgenden Ereignisses:
Eine vierköpfige Familie betritt das Restaurant und steuert auf einen freien Tisch zu. Die beiden Jungs, vielleicht 6 und 8 Jahre alt, sind wie die Eltern sichtbar schick angezogen. Nachdem sie sich gesetzt haben, lesen die Kinder Comics, die Eltern sehen sich etwas um. Dann werden die Speisekarten gebracht.
Der kleinere Junge wählt aus der Kinderkarte Spaghetti Bolognese. Der Große überlegt noch, als die Mutter schon erklärt, dass man Spaghetti auch zu Hause essen könne und Spinatspätzle doch eine gute Idee seien. Das ruft zwar großen Protest hervor, dennoch werden die Spinatspätzle bestellt, gleich für beide Kinder.
Der Ältere isst das Gericht langsam, aber nicht besonders gerne, und fragt dabei, was denn an diesem Wochenende geplant sei. Schließlich hätten die Eltern sonst ja nie Zeit wegen der Arbeit und die Fahrt in den Wochenendurlaub sei doch bestimmt, um überhaupt mal was gemeinsam zu machen. Die Eltern nennen aber kein bestimmtes Programm, man müsse sehen, ob man was Ruhiges, Erholsames fände. Die Mutter meint, das werde man am nächsten Morgen schon sehen und merkt an, dass sie nun erst einmal das von ihr gewählte Gericht genießen möchte, sie habe sich schließlich schon den ganzen Tag darauf gefreut. Der Jüngere verweigert indessen, die Spätzle zu essen und wird schließlich mit der Drohung, dass es sonst am Wochenende nichts Süßes gäbe, schließlich dazu gebracht, 3 Gabeln voll in den Mund zu stecken. Die Unterhaltung bricht schließlich ab.

Wie geht es Ihnen? Eigentlich tun einem alle Beteiligten leid, am meisten die beiden Jungs. Wie diese wahre Geschichte weiterging? Ich habe es nicht miterlebt. Ich hatte auch nicht bewusst gelauscht, aber die Unterhaltung war schlicht nicht zu überhören… Das Wochenende wird vielleicht noch irgendwie geglückt sein, vielleicht auch nicht, aber ich frage mich, was im Alltag dieser Familie abläuft zwischen den Eltern und den Kindern? Sicher würden auch Sie den Kindern mehr Freiheit wünschen und den Eltern mehr Zeit für ihre Kinder. Man würde auch mehr echte Beziehung, mehr Eingehen auf die berechtigten Wünsche der Kinder und vieles mehr wünschen. Viel Glück und alles Gute Euch vier Unbekannten!

Kategorie: Kindererziehung

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

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