Ernährung, Kindererziehung
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Was für eine Sauerei!

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Maxi ist 12 Monate alt. Sie sitzt auf dem Schoß ihres Vaters und blättert gerade ein kleines Bilderbuch durch. Maxi ist heute zur Vorsorgeuntersuchung U6 gekommen und die Eltern besprechen mit dem Kinderarzt verschiedene Themen vom Schuhkauf bis zur Schlafsituation. Am meisten brennt ihnen aber das Thema Essen auf den Nägeln.
Maxi will nicht essen, sie lässt sich nur widerwillig füttern und akzeptiert fast nur Brei. Einmal hat Maxi kleine Brotstückchen mit Frischkäse bekommen, die fand sie gut! Das Kind ist aber wunderbar gediehen, die Körpermaße sind völlig altersgerecht. Nach etwas Nachfragen kommt schließlich heraus, das Maxi ausschließlich gefüttert wird, aber nicht selbst essen darf, weil die Eltern – das sagen sie auch ehrlich – die entstehende Sauerei fürchten. Ja, das mit der Sauerei ist wahr. Ein Kind kann nicht von Anfang an essen wie ein kleiner Erwachsener. Aber wenn ein Kind nicht selbst essen darf, wird es die angebotenen Nahrungsmittel schlechter akzeptieren und es kann auch gar nicht lernen, selbst zu essen. Das Essen muss von den Kindern im wahrsten Sinne des Wortes begriffen werden, die Kinder sollen mit den Händen essen dürfen. Das Kind muss das Essen untersuchen dürfen, mit allen Sinnen und auch die Erfahrung der Selbstwirksamkeit machen. Es muss erleben können, dass es selbst essen darf. Dann wird es auch schneller in der Lage sein, das Thema „Essen“ technisch besser zu bewerkstelligen, einen Löffel zu gebrauchen und das Essen einfach auch zu genießen. Denn Essen soll ja für die Kinder etwas Schönes, ja Lustvolles sein.
Maxis Eltern sind erst einmal baff. Aber dann sagt der Vater: „Da müssen wir ganz schnell umdenken, ab heute darfst Du eine Sauerei machen!“ Maxi schmeißt das Buch runter und lacht. Bestimmt lacht sie auch bald, wenn es Essen gibt!!

Kategorie: Ernährung, Kindererziehung

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

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