Alle Artikel in: Kindererziehung

Werd so alt wie ich

Unsere Aufgabe – unsere Kinder verstehen!

Der derzeitige Stand des Wissens ist nur der neueste Stand des Irrtums! Das gilt für alle Bereiche der Wissenschaft und der Forschung, auch für die Medizin. Ein Hirnforscher bringt nun ganz neue Aspekte zum Thema Autismus in die Diskussion. Henry Markram ist Vater eines autistischen Sohnes, Kai, und ein international berühmter, hochdekorierter Hirnforscher. Erlebnisse mit seinem Sohn und die Fragen, die er sich als betroffener Vater stellte, brachten ihn dazu, über Autismus zu forschen. Seine Ergebnisse ließen ihn an etlichen Erklärungen und Empfehlungen zweifeln. Markram bezweifelt, dass Autisten sich in andere Menschen nicht einfühlen können. Er fragte sich beispielsweise immer mehr, ob der Rückzug in die eigne Welt, die Autisten ja oft zeigen, Symptom oder nicht eher Reaktion sind. Ist das Problem autistischer Menschen gar nicht, dass sie Dinge schlechter wahrnehmen können als Nichtautisten, sondern dass sie sie zu gut wahrnehmen? Er prägte den Begriff Intense World Syndrome. Durch die Verstärkung ist das, was Gesunden Freude bereitet, für Autisten Qual. Die Stimme einer Person: extrem laut, ein Stoff: wie Schmirgelpapier auf der Haut. Autisten, so …

Kollegen

Völlig überfordert!

Linus war völlig überfordert durch das, was er da erlebte: Er war damals 5 Jahre und lag seit 3 Tagen krank im Bett. Linus Mama war zu Hause geblieben und hatte das Kind gepflegt. Linus ging es schon besser und er spielte mit Mama Obstgarten. Am Nachmittag kam Linus´ Vater mit 4 (!!) dicken Plastiktüten. Er stellte sie auf den Tisch und präsentierte stolz den Inhalt. Es waren 4 Tüten voll mit den verschiedensten Süssigkeiten, denn Linus sollte sich schließlich heraussuchen können, was er wollte und da durfte nichts fehlen, was er hätte wollen können! Linus suchte sich nichts heraus; im Gegenteil begann er zu schreien und zu quengeln, es würde die Lieblingssüssigkeit fehlen! Dies ist kein völlig überzeichneter Textbeginn, sondern eine wahre Begebenheit! Meinen Hinweis in der damaligen Situation, dass ein Kind durch so ein Vorgehen völlig überfordert sei, etwas auszuwählen, dass es Geschenke bald gar nicht mehr wertschätzen oder sich noch darüber freuen könne, konnte der Vater nicht wirklich nachvollziehen. Die Anmerkung, dass Materielles auch wesentlich weniger wichtig ist, als dem Kind Zeit …

Regeln im Kleinkindesalter

Erste Regeln für Kleinkinder – die drei, ohne die es nicht geht

Es ist ja nicht neu (und wurde im Kinderarztblog ja auch schon mehrfach thematisiert): Kinder sollten Regeln lernen, aber nicht zu viele. Und auch nur, wenn diese gut zum viel wichtigeren Lernen am Vorbild der Eltern passen. Manche Regeln sind dennoch sinnvoll. Die drei wichtigsten für das Alter ab 1 bis 3 Jahre sind für mich die folgenden. Sie erleichtern das Leben der Eltern, nehmen etwas von Stress und Chaos aus der Familie und sind langfristig sinnvoll, außerdem nicht zu aufwändig durchzusetzen: Es wird nichts herunter geworfen! warum? weil Dinge kaputt gehen, weil zerbrechliche Dinge ansonsten immer wieder verräumt werden müssen, weil dann mehr Ruhe herrscht, etwa auch am Esstisch. Erziehungstipp: klare Reaktion der Eltern, etwa das Umsetzen des Kindes vom Lieblingssitzplatz auf den Boden, kein Lachen der Anwesenden. Mit Essen wird nicht gespielt! warum? Neben der ethischen Betrachtung,dass Essen etwas Wertvolles ist, führt Spielen mit dem Essen zu Verschmutzung von Kleidung und Innenräumen. Außerdem sollten zur Vermeidung von Essstörungen Nahrungsmittel generell von Spielzeug abgegrenzt werden. Erziehungstipp: Überzähliges Essen entfernen, sobald vom Essverhalten auf Spielverhalten …

Relax

Kinder sind nicht fertig, sondern auf dem Weg

Lisa ist 8 Jahre alt. Wie fast jeden Morgen gibt es heute wieder Ermahnungen von ihrer Mutter. Lisa hat wieder ihr Sportzeug vergessen einzupacken und Lisa hat wieder vergessen, ihre Zähne zu putzen. Dabei üben die Eltern die zuverlässige, selbständige Erledigung dieser kleinen Aufgaben mit Lisa nun doch schon seit so langer Zeit. Lisas Bruder Felix ist drei Jahre. Er übt, sich selbst anzuziehen und will das gut machen. Mama muss am Montagmorgen rasch zur Arbeit und als es nicht schnell genug geht, zieht sie ihn noch vollends an. Felix schreit protestierend. Auf dem Weg zum Kindergarten muss er ganz genau einen Schmetterling betrachten, der auf einer Blume sitzt. Mama mahnt zur Eile. Mittags macht Lisa mit Mama die Hausaufgaben. Warum geht das nur nicht schneller? Die Matheaufgaben sind nun doch schon so oft erklärt worden. Und warum ist das Zimmer wieder nicht aufgeräumt, wo das doch schon so oft besprochen wurde. Kennen Sie das auch? Wie nehmen Kinder Zeit im Alltag wahr? Wie denken wir bei der Kindererziehung, welche Zeiträume erwarten wir im Hinblick …

Stress 2

Die Schulaufgabe

Kinder müssen in der Schule zum Teil Enormes leisten, zum Teil wird unserer Meinung nach auch zu viel von Ihnen verlangt. Und das wirkt sich negativ auf die Entwicklung der Kinder aus. Ein aktuelles Beispiel, das mich den Kopf schütteln ließ: Hannes ist in der 4. Klasse. Er ist ein wirklich guter Schüler. Hannes kommt zu uns in die Praxis wegen starker, immer wiederkehrender Bauchschmerzen. Es wird nach der Untersuchung rasch klar, dass wir eher im psychosomatischen Bereich die Ursachen suchen müssen. Letztlich kommt die Schulanforderung ins Spiel. Wir vereinbaren, dem genauer nachzugehen. Hannes zeigt mir beim zweiten Besuch in der Praxis die Liste der Anforderungen der letzten HSU Probe über das Thema Europa und Deutschland, die er schreiben muss. Auf einer halben DIN A 4 Seite steht in sehr vielen Stichpunkten mit kleiner Schrift, was die Schüler in der Probe wissen müssen. Ich bin völlig konsterniert ob des Umfangs und der Detailliertheit des Stoffes! Alle Länder des Euroraumes müssen gewusst werden mit Hauptstädten, Sehenswürdigkeiten, Währungen, Länderkennzeichen – aber auch die Geschichte der EU oder …

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Tipp der Woche – Essen und TV sehen?

Um Kindern, die vermeintlich „schlechte Esser“ sind, das Essen interessanter zu machen, stellen ihnen manche Eltern Videos oder den TV zum Essen an. Durch den Einsatz von Tablet-PCs ist dies  auch am Esstisch leicht möglich. Aber….. Tun Sie das nicht! Wenn Kinder im Gehirn einmal Essen mit Videos oder TV verbunden haben, dann wird dies auch in Zukunft so bleiben. Das bedeutet dann etwa, dass später kaum mehr TV gesehen werden kann, ohne sich etwas zu Essen zu holen. Ein ganz klares Übergewichtsrisiko! Außerdem kommen Sie von der Unsitte nicht mehr so leicht weg. Gemeinsame Mahlzeiten sind ein wichtiger Bestandteil des geregelten Alltags und eine optimale Möglichkeit der Kommunikation – aber eben nur, wenn nicht der TV läuft. Wahrscheinlich sind die Kinder keine krankhaft schlechten Esser, sondern regulieren ihren Appetit nur anders, als die Eltern das (warum auch immer) gerne sehen würden. Vielleicht liegen ja auch die Eltern falsch.

Fieber 2

Kinderbetreuung im Krankheitsfall

Viele Eltern fürchten es: das Kind wird krank, aber Mama und Papa müssen auf die Arbeit. Und nun? Wer betreut das Kind? Die Not und manchmal auch die Angst um den Arbeitsplatz sind hier groß! Das hören wir sehr oft in der Sprechstunde. Ja, Eltern haben Anspruch auf 10 Kinderkrankentage im Jahr, zumindest wenn sie gesetzlich versichert sind. Aber 10 Tage sind in einer Infektsaison schnell aufgebraucht – ebenso wie die Geduld mancher Vorgesetzter, die zum Teil erheblichen Druck auf die Eltern ausüben. Deshalb geben immer wieder Eltern wider besseres Wissen aus Angst und mit schlechtem Gewissen die Kinder krank in die Kita oder die Schule. Viele Familien können leider nicht auf Großeltern zurückgreifen, weil diese entweder viel zu weit weg wohnen oder selbst noch berufstätig, krank oder nicht belastbar sind. Das System der Sicherstellung einer Kinderbetreuung im Krankheitsfall ist in der BRD hinter anderen Ländern zurück. Es fußt auf der heutzutage einfach nicht mehr gegebenen Annahme, dass es im Hintergrund schon noch Betreuungspersonen gibt, die im Falle der Erkrankung eines Kindes einspringen. Das ist …

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Mobbing in der Schule

Der Begriff „Mobbing“ wird heutzutage sehr häufig gebraucht, aber nicht immer ist die Verwendung treffend, was sich in vielerlei Hinsicht negativ auswirken kann. Einerseits gibt es leider viele Kinder, die tatsächlich gemobbt werden und unter den Folgen stark leiden. Andererseits kommt es aber auch immer wieder vor – gerade weil der Begriff z.T. sehr inflationär eingesetzt wird – dass Kinder ungerechtfertigterweise des Mobbings bezichtigt werden und dann unter den Folgen der Sanktionen ebenfalls erheblich zu leiden haben. Aus diesem Grund ist zunächst eine kurze Begriffsklärung notwendig. Streitigkeiten, Konflikte oder auch aggressive Auseinandersetzungen kommen in den besten Freundschaften vor und sollten möglichst unter den Kindern selbst – falls notwendig unter Einbeziehung der an vielen Schulen dafür ausgebildeten Streitschlichter – gelöst werden. Im Unterschied dazu ist Mobbing ein Verhalten, das auf die soziale Ausgrenzung der gemobbten Person abzielt und über einen längeren Zeitraum und in regelmäßigen Abständen auftritt. Bei den Mobbing-Opfern entsteht dadurch ein sehr hoher Leidensdruck. Das Problem ist, dass häufig erst die veränderten Verhaltensweisen die einzige Möglichkeit für Außenstehende wie Eltern oder Lehrer darstellen, Mobbing …

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Der Einfluss der Erziehung wird vollkommen überschätzt

Eltern können nicht so viel falsch machen. Das ist kurz und knapp die – entlastende -Zusammenfassung, wenn man umfangreiche Studien zu Erziehung und zur Genetik, die sich mit dem Einfluss der Eltern auf die Kinder auseinandersetzen, im Gesamtüberblick ansieht und zusammenfasst. Eine unendliche Vielzahl an Erziehungsratgebern überschwemmt den Markt. Oft auch profitierend von der unnötigen Angst der Eltern, „etwas falsch“ zu machen, eine Sichtweise, die viele Eltern enorm stresst! Viele, oft sehr widersprüchliche Aussagen sind da zu lesen.Soll man nun beispielsweise streng oder doch sehr locker erziehen? Nicht wenige Erziehungsratgeber wurden ja auch längst widerlegt, zum Beispiel ist Autismus eben keine Folge falscher Erziehung. Vorausgesetzt, ein Kind bekommt Geborgenheit und es erlebt keine körperliche oder seelische Misshandlung, ist nun aber der Einfluss der Erziehung oder eines Erziehungsstils tatsächlich geringer als gemeinhin angenommen. Wichtiger scheint zu sein, welches Verhalten die Eltern den Kindern in verschiedenen Situationen (z.B. bei Konflikten) vorleben. Es gibt Daten, die nahelegen, dass Kinder vom Umfeld außerhalb der Familie sogar stärker geprägt werden. Die Gene spielen eine erhebliche Rolle. Knapp die Hälfte aller …

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Warnung – keine Schlafmittel zur elterlichen Entlastung

Es ist ein zunehmender und höchstbedenklicher Trend, vor dem sogar jüngst das bayerische Gesundheitsministerium warnte: (Klein-)Kinder, die nicht durchschlafen, bekommen Schlafmittel verabreicht, weil die Eltern mürbe und erschöpft sind („Ich muss mal wieder schlafen, ich bin am Ende!“). Und endlich gibt es eine ruhige Nacht. Endlich Ruhe im Kinderzimmer. Die Eltern sind am nächsten Tag bester Dinge – und weil es so gut funktioniert hat, könnte man das Ganze vielleicht gleich nochmal probieren?!? Au weia! Wir Kinderärzte raten dringendst ab! Wir kennen das Problem gut, von unseren Patienten wie auch aus eigener Erfahrung. Säuglinge und Kleinkinder sind anstrengend – gerade auch nachts. Aber das Risiko schwerer gesundheitlicher Probleme durch Schlafmittel ist sehr hoch, nein: viel zu hoch! Atemstillstände, Abhängigkeit, Leber- und Nierenschäden sind beispielsweise zu nennen. Auch früher – z.B. in der Antike oder im Mittelalter – gab es schon Bemühungen, den Nachtschlaf von Kindern zu verbessern. Es wurde zum Beispiel Alkohol oder Mohn als Schlafmittel eingesetzt. Natürlich sind dies ebenfalls höchst gefährliche Maßnahmen, die nicht angewendet werden dürfen. Im Zentrum dieser Diskussion steht die …