Alle Artikel in: Entwicklung

Themen rund um die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen

Die Vorhaut…

Wie oft werden wir in der Sprechstunde nach dem Umgang mit der Vorhaut bei kleinen Jungs gefragt! Soll sie nun zurückgezogen werden, was muss man tun, verpasst man etwas? Die Vorhaut ist bei fast allen Neugeborenen recht eng. Aber das ist ja normal und eben nicht behandlungsbedürftig. Die Vorhaut weitet sich über die Jahre von alleine – und sie muss immer noch nicht zurückgezogen werden. Im Gegenteil – man produziert Einrisse, Entzündungen und Vernarbungen und so entsteht ja erst eine Phimose! Der Kinderarzt wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen sowieso die Weite der Vorhaut routinemäßig überprüfen. In Skandinavien lassen die Ärzte den Jungs und ihrer Vorhaut übrigens bis zur Pubertät Zeit! Wann muss man nun einschreiten? Meist gar nicht. Wenn sich allerdings die Vorhaut bei der Blasenentleerung richtig aufbläst zu einem Ballon, dauernd Vorhautentzündungen auftreten oder die Jungs Schmerzen bei einer Erektion haben, kann der Zeitpunkt zum Einschreiten gekommen sein. Meist reicht allerdings eine Salbenbehandlung aus und es braucht gar keine Beschneidung. Aber das kann man ja mit dem Kinderarzt besprechen. Darum: Weniger ist mehr! Finger …

Achte auf Deine Nüsse!

Hodenerkrankungen sind nicht so selten. Bei den Jugendvorsorgen ist es deshalb fester Bestandteil: Wir leiten die Jugendlichen dazu an, ihre Hoden regelmäßig – am besten wöchentlich – selbst zu untersuchen. Dazu geben wir auch Infomaterial mit, das der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ( BVKJ ) erstellt hat. Der Flyer wirbt mit dem Satz „Achte auf Deine Nüsse!“. Meist sind die Väter hier leider kein so gutes Vorbild. Sie wissen nämlich leider meist nicht über die Notwendigkeit der Selbstuntersuchung der Hoden Bescheid. Generell ist das Gesundheitsvorsorgeverhalten ja bei Männern auch schlechter als bei Frauen. Neben dem BVKJ wirbt auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie mit Slogans wie „Nimm die Eier in die Hand!“ für den Hodenselbstcheck. Die Jungs und Männer sollten den Hoden am besten in warmer Umgebung, z.B. unter der Dusche, untersuchen. Der Check erfolgt in 3 Schritten: – Zunächst im Spiegel schauen, ob eine Schwellung auffällt und ob alles wie immer aussieht. – Kurz checken, ob Größe und Gewicht wie immer gleich geblieben ist: mit der offenen Hand von unten den Hodensack betasten …

Nie mit vollem Bauch ins Wasser?

Wer hätte das nicht bereits als ganz kleines Kind beigebracht bekommen: Geh nie mit vollem Bauch ins Wasser! Aber was ist da dran? Tatsächlich spricht nichts für ein erhöhtes Ertrinkungsrisiko nach dem Essen. So schreibt es auch das amerikanische rote Kreuz. Da Kinder Wasser schlucken und sich dann vielleicht übergeben könnten, hält die DLRG noch an der Empfehlung fest. Wasser drückt beim Schwimmen auf den Bauch, so dass man sich voller fühlt. Also sollte man vielleicht eine Speise wählen, die nicht zu schwer im Magen liegt. Wichtiger ist jedoch, nie mit ganz leerem Magen ins Wasser zu gehen, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Man muss also Kinder nach dem Eis oder einem Snack nicht bremsen, das Plantschen darf unbesorgt weiter gehen!

Tipp der Woche – Essen und TV sehen?

Um Kindern, die vermeintlich „schlechte Esser“ sind, das Essen interessanter zu machen, stellen ihnen manche Eltern Videos oder den TV zum Essen an. Durch den Einsatz von Tablet-PCs ist dies  auch am Esstisch leicht möglich. Aber….. Tun Sie das nicht! Wenn Kinder im Gehirn einmal Essen mit Videos oder TV verbunden haben, dann wird dies auch in Zukunft so bleiben. Das bedeutet dann etwa, dass später kaum mehr TV gesehen werden kann, ohne sich etwas zu Essen zu holen. Ein ganz klares Übergewichtsrisiko! Außerdem kommen Sie von der Unsitte nicht mehr so leicht weg. Gemeinsame Mahlzeiten sind ein wichtiger Bestandteil des geregelten Alltags und eine optimale Möglichkeit der Kommunikation – aber eben nur, wenn nicht der TV läuft. Wahrscheinlich sind die Kinder keine krankhaft schlechten Esser, sondern regulieren ihren Appetit nur anders, als die Eltern das (warum auch immer) gerne sehen würden. Vielleicht liegen ja auch die Eltern falsch.

Vorsicht E-Zigarette!

Sind E-Zigaretten wirklich eine quasi gesunde Alternative zur herkömmlichen Zigarette? Nein! Im Gegensatz zur Tabakzigarette werden bei den E-Zigaretten Liquids, also Flüssigkeiten in kleinen Kartuschen, verdampft. Diese Flüssigkeiten enthalten Stoffe wie Propylenglykol, Aromen und Nikotin. Amerikanische Forscher berichten nun, dass die E-Zigarette den Atemwegen von Kindern und Jugendlichen langfristig schaden können. Bei Jugendlichen entsteht, wenn sie selbst qualmen, oft eine chronische Bronchitis – alles andere als eine harmlose Erkrankung! Nach derzeitigem Wissen sind die E-Zigaretten zwar weniger schädlich als die Tabakzigaretten. Als unbedenklich sind sie damit aber nicht einzustufen. Insofern raten wir Kinderärzte von der E-Zigarette genauso ab wie von der Tabakzigarette!

„Nein, meine Suppe ess ich nicht…“

Während Suppen – anders als beim Suppenkasper – bei Kindern häufig durchaus beliebt sind, haben viele Eltern das Problem, dass die lieben Kleinen bei Brokkoli, Spinat und Co. den Aufstand proben. Sicherlich kennen auch Sie einen der unzähligen Ratgeber, die empfehlen, die Kinder das ungeliebte Gemüse schnippeln zu lassen und es dann optisch ansprechend (z.B. in Form eines fröhlich lachenden Gesichtes) anzurichten. Dann – so die Verfasser – könnten die Kinder das gesunde Grünzeug doch gar nicht mehr ablehnen. Aber mal ehrlich: Würden Sie etwas, was Ihnen partout nicht schmeckt, lustvoll genießen, nur weil es hübsch angerichtet ist? Eben… Da Kinder aus evolutionären Gründen von Beginn an auf die süße Geschmacksrichtung „eingestellt“ sind (giftige Pflanzen haben häufig einen bitteren Geschmack), ist es verständlich, dass sie Gemüsesorten, die sie als bitter empfinden, zunächst ablehnen. Hier hilft es nichts, die Kinder zu zwingen, ungeliebte Nahrungsmittel zu essen. Im Gegenteil: Durch Zwang kann es zur Ausbildung von Geschmacksaversionen kommen, d.h. die Kinder ekeln sich regelrecht vor den Speisen. Diese wieder aufzulösen ist extrem schwierig. Besser ist es, ungeliebte …

Beikost – wann, wie, was jetzt…..?

Bei der Frage der Beikost hat uns die Forschung jahrzehntelang gefoppt und immer wieder im Kreis geführt. Während sich in den 1980er Jahren noch gar niemand um die Beikost gekümmert hat, kam langsam der Verdacht auf, die sich häufenden Allergien könnten mit der frühen Beikost zu tun haben. Ergo seit dem Ende des letzten Jahrtausends wurde befohlen: Stillen und auf keinen Fall Beikost im ersten halben Jahr! (Die Idee war, dass die Allergie-Proteine in der Nahrung Allergien begünstigen, wenn sie zu früh angeboten werden). Keine 15 Jahre später änderte sich nun diese Einschätzung deutlich. Denn neuere Studien haben gezeigt, dass die Beikost durchaus sogar geeignet ist, Allergien zu verhindern. Und zwar gerade die besonders stark allergischen Allergien. Ergo – die neue Empfehlung: Stillen und Beikost ab dem Alter von 4 Monaten. Und zwar auch diejenige Beikost, die besonders mit späteren Allergien im Zusammenhang steht. (Die Idee ist nun, dass die Allergie-Proteine in der Nahrung vom Körper auch langfristig akzeptiert werden können, wenn sie ihm nur früh genug angeboten werden…). Mein Fazit: Stillen (das ist glücklicherweise …

Tipp der Woche

Was tun mit Kindern, die motorisch und auch ansonsten 1a entwickelt sind, aber dennoch keine Lust haben zu krabbeln, und sich nur robbend durch die Zimmer bewegen? Oft liegt es am glatten Boden. Um krabbeln zu lernen, müssen die Knie eine Reibung auf rauem Untergrund spüren. Das gibt Stabilität beim Krabbeln. Am einfachsten hilft dann ein Teppich. Teppichreste hat fast jeder auf dem Dachboden oder bei der Oma. Ansonsten gäbe es ja die Restestube. Auf die Optik müssen Sie nicht achten. Sie brauchen ihn ja nur für ein paar Wochen.

Vorsicht – unnötige Diät

Nicht selten werden wir in der Sprechstunde damit konfrontiert, dass Kinder verschiedenste Diäten einhalten sollen. Die Eltern geben oft vermutete Unverträglichkeiten oder Allergien als Grund an. Der Verband der auf Magen-Darm-Krankheiten spezialisierten Kinderärzte hat nun vor einem „Diäten-Hype“ ausdrücklich gewarnt. Eine Diät sollte nur dann als notwendig erachtet und durchgeführt werden, wenn wirklich eine fundiert gestellte Diagnose, wie etwa eine Zöliakie (eine Unverträglichkeit des Gliadins) dazu zwingt. Ganz im Gegenteil können unnötige Diäten sogar zu erheblichen Störungen führen. Eine nicht notwendige milchfreie Ernährung kann beispielsweise Kalziummangel verursachen. Immer wieder leiden Kinder unter wiederkehrenden Bauchschmerzen oder Blähungen. Es ist dann durchaus notwendig, organische Erkrankungen seriös abzuklären. Oft haben diese Beschwerden aber gar keine organische Ursache. Die psychosomatischen Beschwerden sind natürlich genauso ernst zu nehmen wie die organischen – jedoch anders zu behandeln. Wenn die Bauchschmerzen letztendlich etwa auf die Trennung der Eltern zurückzuführen ist, muss das Kind vielleicht psychologisch unterstützt werden, mit dieser Belastungssituation umzugehen. Eine Diät wird hier wenig ausrichten. Wobei die vermehrte Zuwendung durchaus einen Placeboeffekt haben kann. Hier sollte man dann aber dennoch …

Tipp der Woche: Blutdruckmessen auch bei Kindern

Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen gibt es, und zwar meist ohne Symptome. Und er kann sich auch erst über die Jahre entwickeln. Unser Tipp: Messen Sie wenigstens einmal im Jahr (etwa immer zum Schulanfang) den Blutdruck. Gemessen wird immer am gleichen Arm (am besten rechts) und zwar nach 10 Minuten Ruhen im Sitzen oder Liegen. Die Manschette muss dazu etwa in Höhe der Brustwarzen anliegen. Die Normalwerte sind abhängig von der Körpergröße, liegen aber immer unter 130/85 mmHg.