Alle Artikel in: Medizin

Artikel zu kindermedizinischen Themen.

Notarzt

Herztodesfälle beim Sport junger Menschen (und ihre Vorbeugung)

Herztodesfälle (der plötzliche Herztod) bei jungen Menschen sind dramatische Seltenheiten. Umso mehr fallen sie uns in unserer täglichen Routine auf. Umso mehr schüren sie Angst. Sie treten zu einem großen Anteil bei ungewöhnlichen Belastungen auf, häufig deshalb beim Sport. Die Ursachen sind vielfältig. Es können angeborene Fehlbildungen des Herzens (vor allem der Herzkranzgefäße) oder eine angeborene Neigung zu bösartigen Herzrhythmusstörungen sein, aber auch erworbene Herzerkrankungen, wie die „Kardiomyopathie“ (eine Störung der Herzmuskulatur) oder eine Virusinfektion. Die meisten dieser Störungen kann man mit wenig aufwändiger Diagnostik feststellen bzw. ausschließen. In der Regel reichen ein EKG und ein Herzultraschall, in Einzelfällen braucht es weitergehende Diagnostik. Welche Vorbeugung kann ich Ihnen als Kinderkardiologe und Sportmediziner deshalb empfehlen? Bei ambitionierten Sportlern (am besten allerdings bei allen Menschen) sollte die oben erwähnte Diagnostik durchgeführt werden. Dies tue ich regelmäßig zum Beispiel bei jugendlichen Leistungsfußballern im Auftrag des FIFA Medical Centers Regensburg. Außerdem sollten Symptome der eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit oder andere Auffälligkeiten von Herz, Brustkorb oder Kreislauf immer Anlass sein, den Arzt zu befragen. Und drittens sollte Sport nach bakteriellen und …

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Heuschnupfen bei Kindern über 12 Jahren – eine Riesenschweinerei im Gesundheitswesen

Ich muss mir mal kurz Luft machen! Und das, weil es gerade in der Heuschnupfenzeit wieder aktuell ist. Um was es hier geht, wissen viele Eltern von Kindern über 12 Jahren mit regelmäßiger Medikamenteneinnahme. Und zwar von Medikamenten, die rezeptfrei sind.  Dazu gehören etwa Medikamente für die üblichen akuten Infektionen (Fieber- und Schmerzmittel, Mittel gegen Durchfall, Nasenspray, etc.), aber vor allem auch antiallergische Medikamente zum Einnehmen (z.B. Cetirizin) oder Tropfen für Nase oder Augen bei Heuschnupfen. Diese werden nämlich über 12 Jahren nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt. Obwohl Kinder mit Heuschnupfensymptomatik tatsächlich phasenweise ohne Therapie nicht schulfähig sind. Und obwohl sie zumindest bis 16 nicht selbst verdienen können. Um welche Summen geht es? Für einen Heuschnupfen-Allergiker kommen da in der Zeit der Gräserblüte gerne 100€ zusammen. Und weil Heuschnupfen gentisch veranlagt ist, sind viele Familien gleich mit mehreren Mitgliedern betroffen, bei drei Kindern sind das mal locker 300€. Dass nicht jedes 4,50€-Fiebermittel bezahlt werden muss, kann ich akzeptieren. Aber nicht, dass eine ganz klar chronische Erkrankung eines Kindes mit erheblicher Beeinträchtigung des Alltags nicht …

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Tipp der Woche – dieses Mal auf dem Trampolin!

Trampolin ist für Kinder eigentlich der perfekte Sport. Macht Spaß, fördert Koordination und Körperbeherrschung und kräftigt. Wenn da nicht das Risiko für Überlastungsbeschwerden wäre. Immer, wenn das Trampolin nach längerer Pause wieder in Betrieb genommen wird, gibt es groooooßen Nachholbedarf. Also auch nach dem Winter. Es wird gesprungen, was der Stundenplan hergibt. Und das macht selbst den Zuschauern Spaß. Leider führt das nicht selten  zu Rücken- und Gelenksschmerzen. Sogenannten Überlastungsbeschwerden. In der Regel heilen diese aber mit ein wenig Pause wieder ab. Merke also: Auch Trampolinspringen nach längerer Pause braucht eine Gewöhnung. Am Anfang also besser nicht mehr als 15 Minuten am Tag. Das kann man dann aber meist bald steigern. Und bitte die Unfallverhütungsempfehlungen der Hersteller beachten!

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Das Geschäft mit der Angst

Viele Eltern haben Angst um ihre Kinder – gerade in den ersten Jahren. Atmet das Kleine nachts, hat es vielleicht Atempausen oder droht gar der plötzliche Kindstod? Hier geht es um eine Urangst, die in allen Menschen steckt, der Angst um das eigene Kind. Und diese Angst nutzen nun geschäftstüchtige Firmen aus. Was gibt es da alles für Überwachungsgeräte, die Sicherheit versprechen. Matratzen, die die Atmung überwachen, Socken mit entsprechender Elektronik zur Überwachung von Vitalparametern, usw. Nur stellt sich die Frage, ob die Geräte – außer für den Umsatz der Hersteller – tatsächlich einen Nutzen haben? Nein! Bis heute gibt es nämlich keinen Nachweis, dass solche Geräte einen plötzlichen Kindstod tatsächlich verhindern können. Zudem stressen die vielen Fehlalarme die Eltern in nicht geringem Ausmaß und bieten insgesamt eine nur scheinbare Sicherheit in der modernen zahlengläubigen Welt. Wir Eltern können es drehen und wenden wir wir wollen: es gibt keine vollständige Sicherheit im Leben – auch nicht für Kinder. Natürlich können und sollten wir vermeiden, was schadet, sei es bzgl. des plötzlichen Kindstodes oder bezüglich von …

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Warum wir versuchen, im Kleinkindesalter auf Antibiotika zu verzichten…

Dass der Mensch eine natürliche Darmflora hat, ist seit vielen Jahrzehnten bekannt. Dass diese aber eine wichtige Bedeutung für das Immunsystem hat, erhellte sich erst in den letzten Jahren etwas. Die Darmflora, also die natürlichen und guten Bakterien, die einen großen Teil  unseres Darminhalts ausmacht, ist wichtig für die Abwehrleistung unseres Immunsystems, aber genauso auch für die Vermeidung von Allergien. So ist inzwischen gut belegt, dass eine Störung der Darmflora (etwa durch Antibiotika) in den ersten Lebensjahren langfristig Allergien begünstigen kann. Aus Sicht der Darmflora sollte deshalb idealerweise auf Antibiotika verzichtet werden. Wir wägen deshalb ab: Ist Antibiotikum zwingend nötig (was durchaus auch einmal sein kann) oder würde es nur „zur Sicherheit“ gegeben werden? Zweiteres ist aus unserer Sicht abzulehnen, denn bei guter Überwachung sehen wir da kein echtes Risiko.

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Blöde Dellwarzen!

Lara, 5 Jahre, hat seit einigen Wochen „komische Pickelchen“ an verschiedenen Körperstellen und besucht darum unsere Sprechstunde. Das Mädchen war bisher bis auf ein paar unkomplizierte grippale Infekte gesund, allerdings hatte Lara schon immer recht trockene Haut. Die Diagnose bei Lara ist schnell gestellt: Das Mädchen hat einige Dellwarzen! Möglicherweise hat Lara sich mit den Dellwarzen im Schwimmbad angesteckt. Ihre Freundin, mit der sie immer am Dienstag gemeinsam Schwimmen geht, hatte nämlich auch einige der lästige Warzen. Dellwarzen sind eine Viruserkrankung. Die kleinen Hauterhabenheiten haben eine zentrale Delle – daher der Name. Wenn die Warzen aufweichen oder gedrückt werden, kann eine weißliche Masse austreten, die virenhaltig ist. Die im Schwimmbad aufgeweichte Haut kann dann schnell angesteckt werden. Die Dellwarzen, die nach einer bis mehreren Wochen dann auftreten, können von selbst verschwinden, das kann aber bis zu einem Jahr oder länger dauern. Leider können sich die Hauterscheinungen ausbreiten, wenn die Kinder sie zum Beispiel aufkratzen. Besonders Kinder mit trockener Haut oder Neurodermitis neigen dazu. Hier bietet die regelmäßige, reichhaltige Hautpflege durch die Stärkung der Hautbarriere einen …

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Fakten zum Schlafwandeln

Es ist morgens um 3 Uhr. Felix Mutter wacht von einem Tapsen auf. Der 5-Jährige läuft in der Wohnung herum – aber er schläft! Sie bringt ihn schließlich wieder ins Bett. Am nächsten Morgen glaubt Felix nicht, was seine Mutter ihm da erzählt. Er erinnert sich an nichts mehr – wie alle Schlafwandler. Was geschieht beim Schlafwandeln? In der ersten Tiefschlafphase kommt es zu einer Aufwachstörung. Auf einen unbedeutenden Reiz wie ein Geräusch oder den Druck der Blase hin werden die Gehirnareale aktiviert, die Bewegungsabläufe wie z.B. das Laufen steuern. Aber das Kind schläft weiter und kontrolliert den Vorgang nicht. Der Schlafwandler spürt oft nichts, erkennt die Eltern nicht und reagiert nach dem Aufwecken oft aggressiv. Was zum Schlafwandeln führt, ist noch nicht vollständig bekannt. Es gibt jedenfalls eine genetische Komponenete und hängt mit der Hirnreifung zusammen. Dennoch haben die Betroffenen keine psychische oder neurologische Krankheit. Bis zu 20% der Kinder und Jugendlichen schlafwandeln, wobei sich diese Schlafstörung oft nach der Pubertät verliert. Eine Abklärung ist aber nur bei Kindern anzuraten, die mehrmals pro Woche …

Tipp

Nesselsucht – es fühlt sich an wie tausend Mückenstiche!

Simon, 6 Jahre, kommt zu einem Notfalltermin in die Praxis – und ist völlig beschwerdefrei. Er und seine Mutter berichten aber völlig glaubhaft, dass Simon, bevor er mit seiner Mutter zur Praxis aufgebrochen war, ausgesehen habe, als sei er in die Brennnesseln gefallen. Die Haut habe furchtbar gejuckt – wie tausend Mückenstiche. Mit dem Handybild und Simons Schilderung wird klar: Simon hat eine Nesselsucht. Er und seine Mutter erfahren, dass diese Erkrankung oft ohne Allergie entsteht und zum Beispiel als Reaktion auf einen Infekt auftreten kann. Auch bestimmte Medikamente, Kälte, Wärme, Druck oder Süß- und Konservierungs- sowie Farbstoffe können Auslöser für die Hautquaddeln sein. Meist ist die Nesselsucht bei den Kindern nach einigen Tagen oder Wochen wieder abgeklungen, kann aber auch wieder einmal auftreten. Die chronische, länger als 6- 8 Wochen auftretende Nesselsucht ist sehr viel seltener. Hier ist eine Abklärung nötig. Dennoch kann ein Auslöser nicht immer gefunden werden. Simon hatte über zwei Wochen hinweg immer wieder Syptome. Das Medikament, das wir verschrieben hatten, ein sogenanntes Antihistaminikum, half ihm jedoch über die Zeit hinweg. …

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Spielen im Freien beugt Sehfehler vor!

In einer vielbeachteten chinesischen Studie konnte nachgewiesen werden, dass das Spielen im Freien neben vielen anderen Vorteilen auch vor Kurzsichtigkeit schützt. Ursache dafür ist offensichtlich die höhere Lichtintensität. Denn auch bei grauem Himmel kommt im Freien immer noch viel mehr Licht an die Augen als bei gewöhnlicher elektrischer Beleuchtung im Inneren eines Hauses. Andere Vorteile des Spielens im Freien sind ja bekannt: die Kinder bekommen draußen mehr Bewegung (die wiederum fit hält und sich günstig auf Normalgewicht auswirkt) und auch eine bessere Stimmung. Licht ist ja auch für das psychische Wohlbefinden wichtig und das gerade in der dunklen Jahreshälfte. Unser Tipp: Gerade auch in der dunklen Jahreszeit viel raus! Und dafür notfalls die Hausaufgaben mal später machen, wenn es eh schon dunkel ist. Quelle: He, Mingguang et al.

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Was ist Ihre Meinung?

Aktuell läuft eine Debatte über das frühzeitige, routinemäßige Screening Schwangerer hinsichtlich eines Down-Syndroms beim Ungeborenen und ob dieser Test von den Krankenkassen bezahlt werden soll. Durch eine Blutentnahme bei der Mutter kann eine Trisomie des Kindes festgestellt werden. Viele Fragen wirft dieses Thema auf, für den einzelnen, aber auch für die gesamte Gesellschaft und das Gesundheitssystem. Der positive Test führt zu Wissen. Das Ergebnis eröffnet aber keine Behandlungsoption, sondern nur die Möglichkeit zu einer Entscheidung bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs. Der Test gibt auch keine Aussagen über Komplikationen oder tatsächlich vorliegende Erkrankungen wie etwa Herzfehler. Auf der einen Seite: Kinder mit Erkrankungen oder Behinderungen stellen Eltern vor große Herausforderungen. Kinder mit Trisomie 21 fordern viel Betreuung, Zeit und Aufwand. Die Kinder haben ein höheres Risiko für bestimmte Krankheiten. Keine Frage. Und ja: Über die Entscheidungen betroffener Schwangerer bzw. Eltern sollten Außenstehende nicht urteilen. Auf der anderen Seite sehen wir in der Praxis viele Kinder mit Downsyndrom – Kinder, die ihr Leben lieben wie jedes andere Kind auch. Kinder, die genauso Lebensqualität empfinden wie jeder andere Mensch und …