Alle Artikel mit dem Schlagwort: ADHS

Trommler

Ist AD(H)S überhaupt eine Krankheit? Eine Gesellschaftskritik

Aufmerksamkeitsprobleme sind ein regelmäßiger Grund für eine Vorstellung beim Kinderarzt. Die Verdachtsdiagnose ist dann ADS oder ADHS, je nachdem, ob es sich um begleitende Hyperaktivität handelt oder nicht. Die Häufigkeit dieser „Störung“ wird mit rund 10% aller Kinder angegeben. Aber!!!!! Ist es denn überhaupt eine Störung? Ist es nicht viel mehr eine Persönlichkeitseigenschaft, die nur nicht besonders gut zu den Anforderungen in Schule und Gesellschaft passt? Und hat diese „Störung“ nicht sogar positive Seiten? Klar ist – diese „Störung“ bekommt erst durch den Bezug zu Schule und Gesellschaft den Wert einer Krankheit. Meist wird die Therapie angefragt durch das „Nicht-passen“ mit den schulischen Anforderungen, aber nicht wegen einer davon unabhängigen Symptomatik. Unser Schulsystem ist gut, aber es ist ein Mainstream-Schulsystem. Das heisst, es passt für viele ganz gut, aber die Kinder am oberen oder am unteren Ende des Mainstreams fallen häufig heraus. Darunter sind aber eben auch geniale Kinder, deren Kapazitäten erhebliches Potenzial aufweist! Warum wir dringend über individuell zugeschnittene Beschulung nachdenken sollten: wir können uns nicht leisten, diese Genies in den Bereich der Sonderschule …

Kinderarzt-mit-Herz_008

Stress, Angst und Lebensqualität ist am Herzen ablesbar!

Stress und Lebensqualität ist verhältnismäßig einfach messbar geworden, und zwar über die Variabilität der Herzfrequenz. Was ist Herzfrequenzvariabilität? Das Herz schlägt zwar regelmäßig, also z.B. 70x je Minute beim Erwachsenen, aber die Abstände zwischen den einzelnen Schlägen sind nicht exakt gleich. Diese Variabilität kann stärker ausgeprägt oder geringer ausgeprägt sein. Bei Stress, Angst und Anspannung sorgt die innere Regulation dafür dass das Herz exakter arbeitet. Damit verschwinden die Variabilitäten weitgehend. Gesünder ist allerdings eine möglichst ausgeprägte Variabilität der Herzfrequenz. Kinder und Jugendliche haben diese eh. Erwachsene, die sich diese noch lange erhalten, haben eine höhere Lebenserwartung, da dies mit geringerer Rate an kardialen Todesfällen verbunden ist. Und alle haben eine höhere Lebensqualität, wenn sie Stress vermeiden oder beherrschen lernen. Einsetzbar ist die Herzfrequenz-Variabilität übrigens auch zur Diagnostik bei: ADHS Adipositas (starkem Übergewicht) zur Diagnostik der Folgekrankheiten Wachstumsrückstand Magersucht und Essstörungen Und das kann man nun messen. Wie? Mit einem Langzeit-EKG, also der ambulanten Ableitung der Herzfrequenz vor allem auch während der Nachtstunden. Auch die Blog-Kinderärzte wollen das nun nutzen…vor allem mit der kinderkardiologischen Ausrichtung ihrer …

Bremsanlage Porsche

Bremsenversagen oder warum Kinder mit ADHS auch häufig Bluthochdruck haben….

Man versteht die Aufmerksamkeitsstörung ADHS immer besser. Es handelt sich um eine Störung im System der Gehirnregulation, vor allem im sogenannte Präfrontalhirn. Das ist der vorderste Abschnitt fast direkt hinter der Stirn.# Die Forscher haben nun viele Hinweise dass das Hauptproblem bei ADHS der fehlende Einfluss bremsender Strukturen ist. Und dieses fehlende Bremsen fehlt nun häufig nicht nur bei der Konzentration und der Kontrolle der Impulse, sondern auch ansonsten im Körper bei der Regulation anderer Funktionen. Eine Auswirkung dieses gemeinsamen Bremsen-Versagen kann nun auch ungebremster Blutdruck sein, also Bluthochdruck. Hinzu kommt, dass auch manche zur Therapie von ADHS eingesetzte Medikamente selbst den Bklutdruck erhöhen. Die Blog-Kinderärzte empfehlen deshalb, bei Kindern mit Verdacht auf ADHS und vor allem bei gesicherter Diagnose regelmäßig den Blutdruck zu messsen. DrGH

Arche

„Die Arche Noah“ oder „Verschiedenheit ist ein Gewinn“

Wir leben in Deutschland in einer hochtechnisierten und hochorgansierten Gesellschaft. Dies hat viele Vorteile. Aber das hat auch Nachteile. Eine hochorganisierte Gesellschaft tut sich nämlich schwerer damit, mit vom Mainstream abweichenden Varianten klar zu kommen. Und das erleben wir eben ganz besonders schon bei Kindern. Nicht alles, was gerade nicht in die Standardschublade passt, ist gleich unnormal. Beispiel: Es ist definitiv nicht automatisch unnormal, wenn ein Kind im vorherrschenden Schulsystem nicht optimal mitkommt. Oft passen der Lehrer und/oder das Schulsystem einfach nicht. Und in der Regel hat das Kind dafür andere Stärken Wir sehen hier auf der einen Seite eine Schwäche der Gesellschaft, zu Gunsten des einfach zu organisierenden Mainstreams auf andere Wege zu verzichten, die vielleicht ganz andere, bessere Sichtweisen und Lösungen hätten. Wir erleben aber gerade hier auch viele Sorgen der Eltern, denen häufig signalisiert wird ihr Kind sei auf irgendeine Weise unnormal, nur, weil es im Mainstream nicht so einfach organisierbar ist. Die Kinderärzte sehen es deshalb auch als ihre Aufgabe an, hier um Verständnis und Toleranz zu werben, und Gesellschaft (das …

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Der „Struwwelpeter“, ein kinderärztliches Lehrbuch – hätten Sie das gewusst?

Hätten Sie es gewusst? Der Autor des Struwwelpeter, Dr. med. Heinrich Hoffmann (1809-1894), war Arzt. Und zwar Psychiater. Er war einer der Wegbereiter der Jugendpsychiatrie und beschreibt in seinem Buch „Struwwelpeter“ genau das, nämlich kinder- und jugendpsychiatrische Krankheitsbilder. Da ist zum Beispiel der Zappelphilipp, der Prototyp des Kindes mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Syndrom). Oder der Hans-Guck-in-die-Luft, ein Junge mit Absencen, einer Form der Epilepsie, also eines Krampfleidens. Oder der bitterböse Friederich, der Tiere zum Scherz quält. Heute nennt man dieses Krankheitsbild „tiefgreifende Störung des Sozialverhaltens“. Oder der Suppen-Kaspar, der an Magersucht leidet, einer Erkrankung die natürlich nichts mit der Suppe zu tun hat, sondern mit dem Bild vom eigenen Körper. Natürlich wissen wir heute mehr über diese Erkrankungen. Dadurch wirkt das Buch grotesk. Außerdem sollte anhand von anderen Figuren im Buch auch ein autoritärer Erziehungsstil unterstützt werden. Dies wird von der heutigen Gesellschaft größtenteils abgelehnt, zu Recht, wie auch die Kinder@rzte meinen. Trotzdem, es ist ein historisches Buch. Wenn Sie es noch in einer Kiste auf dem Dachboden haben, gönnen Sie sich doch mal wieder einen „historischen“ …

Schule

ADHS und Einschulungsalter

Einer AOK-Studie zufolge wird ADHS häufiger diagnostizert bei Kindern, die früh eingeschult werden, seltener aber bei denen, die später in die Schule kommen. Diesen Ergebnissen zufolge hat das Kind, das früher eingeschult wird, damit auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Behandlung bis hin zur Verschreibung von Medikamenten zu erfahren. Je nach Bundesland und der entsprechenden Stichtagsregelung werden Kinder auch mit fünfeinhalb Jahren eingeschult. Damit ist aber vor dem Hintergrund der obigen Ergebnisse vor vorschnellen Diagnosen zu warnen! Bei Kindern im Alter von 5-6 Jahren ist in einem halben oder einem Jahr ein großes Ausmaß an Entwicklung zu erwarten. Der Spieltrieb und das Bewegungsbedürfnis sind hoch. Wenn das Kind in diesem Alter also im Unterricht aufsteht, herumläuft oder auf den Lehrer und seine Ermahnungen nicht entsprechend reagiert, liegt nicht unbedingt ADHS vor, sondern vielleicht ein altersentsprechender Spieltrieb. Die Kinderärzte meinen: Die Stichtagsregelung und die offiziellen Einschulungskriterien sind Fakt. Aber die Ergebnisse der oben dargestellten Studie lassen zumindest den Schluss zu, dass es für die meisten Kinder nicht gut ist, eine besonders frühe Einschulung zu erzwingen. Falls es …