Alle Artikel mit dem Schlagwort: Entwicklungspsychologie

Arche

„Die Arche Noah“ oder „Verschiedenheit ist ein Gewinn“

Wir leben in Deutschland in einer hochtechnisierten und hochorgansierten Gesellschaft. Dies hat viele Vorteile. Aber das hat auch Nachteile. Eine hochorganisierte Gesellschaft tut sich nämlich schwerer damit, mit vom Mainstream abweichenden Varianten klar zu kommen. Und das erleben wir eben ganz besonders schon bei Kindern. Nicht alles, was gerade nicht in die Standardschublade passt, ist gleich unnormal. Beispiel: Es ist definitiv nicht automatisch unnormal, wenn ein Kind im vorherrschenden Schulsystem nicht optimal mitkommt. Oft passen der Lehrer und/oder das Schulsystem einfach nicht. Und in der Regel hat das Kind dafür andere Stärken Wir sehen hier auf der einen Seite eine Schwäche der Gesellschaft, zu Gunsten des einfach zu organisierenden Mainstreams auf andere Wege zu verzichten, die vielleicht ganz andere, bessere Sichtweisen und Lösungen hätten. Wir erleben aber gerade hier auch viele Sorgen der Eltern, denen häufig signalisiert wird ihr Kind sei auf irgendeine Weise unnormal, nur, weil es im Mainstream nicht so einfach organisierbar ist. Die Kinderärzte sehen es deshalb auch als ihre Aufgabe an, hier um Verständnis und Toleranz zu werben, und Gesellschaft (das …

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Der „Struwwelpeter“, ein kinderärztliches Lehrbuch – hätten Sie das gewusst?

Hätten Sie es gewusst? Der Autor des Struwwelpeter, Dr. med. Heinrich Hoffmann (1809-1894), war Arzt. Und zwar Psychiater. Er war einer der Wegbereiter der Jugendpsychiatrie und beschreibt in seinem Buch „Struwwelpeter“ genau das, nämlich kinder- und jugendpsychiatrische Krankheitsbilder. Da ist zum Beispiel der Zappelphilipp, der Prototyp des Kindes mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Syndrom). Oder der Hans-Guck-in-die-Luft, ein Junge mit Absencen, einer Form der Epilepsie, also eines Krampfleidens. Oder der bitterböse Friederich, der Tiere zum Scherz quält. Heute nennt man dieses Krankheitsbild „tiefgreifende Störung des Sozialverhaltens“. Oder der Suppen-Kaspar, der an Magersucht leidet, einer Erkrankung die natürlich nichts mit der Suppe zu tun hat, sondern mit dem Bild vom eigenen Körper. Natürlich wissen wir heute mehr über diese Erkrankungen. Dadurch wirkt das Buch grotesk. Außerdem sollte anhand von anderen Figuren im Buch auch ein autoritärer Erziehungsstil unterstützt werden. Dies wird von der heutigen Gesellschaft größtenteils abgelehnt, zu Recht, wie auch die Kinder@rzte meinen. Trotzdem, es ist ein historisches Buch. Wenn Sie es noch in einer Kiste auf dem Dachboden haben, gönnen Sie sich doch mal wieder einen „historischen“ …

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Oxytocin und Kuschel-Pflicht!!!

Es ist schon beeindruckend. Hautkontakt lässt das Hormon Oxytocin ausschütten. Und dieses kleine chemische Molekül löst dann wohlige Gefühle aus. Das hat in unterschiedlichen Situationen zwar unterschiedliche Folgen, immer lässt es uns aber Glück und Zusammengehörigkeit empfinden. Oxytocin wird in der mütterlichen wie in der kindlichen Hirnanhangsdrüse produziert und bei Hautkontakt, etwa beim Stillen, ausgeschüttet. Es gilt als eines der Stoffe, der den Mutterinstinkt auslöst. Und als Glückshormon. Die Eltern-Kind-Bindung wird dabei durch das Glücksgefühl vermittelt. Es entsteht sowohl bei der Mutter als auch beim Kind. Kinder können dadurch langfristig profitieren, durch positive Grundstimmung und damit durch ein unerschütterliches Urvertrauen. Aber auch im späteren Leben wird Oxytocin bei Körperkontakt ausgeschüttet. Etwa beim Sex, beim Kuscheln, bei engem Tanzen oder bei sonstigem engem Körperkontakt. Auch da ist ein wohliges Gefühl und eine positive Stimmung die Folge. Die Kinderärzte wünschen jedem Kind viel Haut-zu-Haut-Kontakt! Für Erwachsene sind die Kinderärzte zwar nicht zuständig, aber in einer Familie, in der Körpernähe selbstverständlich ist, profitieren ja auch die Kinder…. Es sollten nur mindestens 6 Minuten Kontakt sein. Quickies reichen also …

Aron Buchtipp

Das (hoch-) sensible Kind – ein Buchtipp

Die Kinderärzte meinen, dass das Thema „Hochsensibilität“ in der Medizin wie in der Pädagogik noch zu wenig beachtet wird, auch wenn es als HSP (highly sensitive personality) inzwischen auch unter Laien diskutiert wird. Was ist Hochsensibilität? Sind hochsensible Menschen „Weicheier“? Gibt sich das wieder? „Hochsensibilität“ bedeutet zunächst nur, dass das Nervensystem Reize aus der Umwelt oder aus dem eigenen Körper verstärkt registriert. Das ist eine Persönlichkeitseigenschaft. Diese bleibt so bestehen, auch wenn sie durch Lernprozesse und Anpassungen in bestimmten Grenzen verändert werden kann. Darin liegt nun ein Risiko aber auch eine Chance: als Risiko gilt, dass die verstärkte Wahrnehmung zu einer Überforderung führen kann. Zu viele Reize können nicht mehr ausreichend verarbeitet werden. Ein Beispiel hierfür wäre das Kind, das sich bei zu viel Stimmengewirr oder bei sich schnell verändernden Bildern (z.B. schnelle Computerspiele) unwohl fühlt oder zurück zieht Von medizinischer Bedeutung ist außerdem, dass normale Körperfunktionen, wie etwa die Darmaktivität oder der Herzschlag, als bedrohlich wahrgenommen werden, obwohl kein eigentliches Risiko vorliegt. Allerdings bestehen auch Chancen. Viel wahrzunehmen ist ja auch eine Fähigkeit. Die …

Flaggen Sprachen bearb

Zweisprachig aufwachsen? Wer profitiert?

Deutschland ist durch die verstärkte Migration internationaler geworden. Damit wachsen auch immer mehr Kinder zwei- oder sogar mehrsprachig auf. Aber auch deutsche Familien versuchen gelegentlich ihre Kinder bewusst zweisprachig aufwachsen zu lassen. Aber geht das so einfach? Natürlich zweisprachig aufwachsende Kinder (also zum Beispiel unter der Muttersprache der Eltern zuhause und unter Deutsch im Kindergarten, oder unter unterschiedlichen Muttersprachen der beiden Elternteile) haben in der Regel keine Probleme beide Sprachen wie eine Muttersprache zu erlernen. Abhängig von den angeborenen sprachlichen Fähigkeiten kann es kleinere Defizite im Wortschatz geben, aber dies ist kaum relevant und wird spätestens durch die Schulbildung aufgeholt. Wichtig ist nur, dass jede Person, die mit dem Kind spricht, nur eine Sprache nutzt (1 und 1-Regel). Anders verhält es sich wenn Familien mit deutscher Muttersprache bewusst ihre eigenen Fremdsprachenkenntnisse (so sie überhaupt wenigstens C1-Niveau haben) einsetzen. Der Gedanke besticht natürlich, den natürlichen Entwicklungstrieb im Sprachentwicklungsalter des Kindes zu nutzen und mit spielerischem Aufwand gleich eine zweite Sprache zu etablieren. Unsere Erfahrung zeigt, dass das allerdings selten gut gelingt und häufig zu Sprachentwicklungsstörungen führt. …

5 Fakten, damit Co-Sleeping nicht zum K.O.-Sleeping wird…

Das gemeinsame Schlafen der Eltern mit dem eigenen Kind (oder sogar mit mehreren Kindern) in einem Bett wird inzwischen neudeutsch als Co-Sleeping bezeichnet. Es war über Jahrtausende üblich und ist auch heute noch in manchen weniger industrialisierten Kulturen die Regel. In unserer mitteleuropäischen Kultur wurde es mit zunehmendem Wohlstand und mit dem Trend zur Individualisierung im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte zunehmend verlassen – zugunsten einer räumlichen Trennung der Schlafzimmer. Jetzt erlebt es unter dem neuen Namen „Co-Sleeping“ eine Renaissance unter Familienmenschen. Was gibt es medizinisch oder entwicklungspsychologisch zum Co-Sleeping zu sagen? Ist das nun gut oder schlecht? Wissenschaftlich erforscht ist das nicht. Es gibt aber 5 bekannte Faktoren die Co-Sleeper mit in ihr Schlafzimmer nehmen sollten: Kinder bis zum Alter von 1,5 Jahren haben im Elternbett ein deutlich erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod. DieKinderärzte warnen deshalb vor Co-Sleeping in diesem Alter. Kinder wie Erwachsene schütten bei engem Körperkontakt das Bindungs- (und Wohlfühl-) Hormon Oxytocin aus, was wahrscheinlich auch langfristig günstig wirksam sein dürfte. Das spricht für ein Co-Sleeping. Eine gesunde Schlafumgebung sollte nicht …