Monate: Mai 2018

Angeboren oder erworben? Oder doch die Epigenetik…

„Du siehst ja aus wie deine Mutter…nur die Augen hast du von deinem Vater…“ Diese Sätze begegnen Ihnen wie mir ja in den verschiedensten Variationen. Ist ja auch sehr vielfältig, der Mensch mit seinen guten und schlechten Eigenschaften. Aber wieviel Steuerung kommt denn alleine durch die Gene und wie viele unserer Eigenschaften sind doch erst durch den Einfluss des Lebens nach der Geburt ausgeprägt worden? Und warum? Darüber diskutieren seit Jahrhunderten die Gelehrten. Jetzt kommt etwas Neues hinzu. Seit einigen Jahren wird immer klarer, dass es sogenannte „epigenetische“ Phänomene gibt, die insbesondere auch für die Entwicklung von Krankheiten relevant sind. Ich versuche, Ihnen das in wenigen Worten zu erklären: Manche Gene sind da, aber ihre Wirkung wird durch eine Art Schutzhülle förmlich „ausgeschaltet“. Umweltfaktoren (also bestimmte Substanzen oder Ereignisse in unserem Leben) können nun die Schutzhülle entfernen und dadurch die Gene „anschalten“. Meist ist diese Entwicklung ungünstig, da der Körper die Gene nicht umsonst eingesperrt hat. Erwarten Sie also keine plötzlichen Model-Maße oder Einstein-Ideen, wenn  die Gene „freigelassen“ werden. In der Regel entsteht dann um …

Das neue Europäische Datenschutzgesetz – in eigener Sache

Morgen tritt das neue europäische Datenschutzgesetz („Datenschutz-Grundverordnung“) in Kraft. Es verpflichtet alle Firmen, wie auch Online-Plattformen, und eben auch Praxen, zu strengerem Datenschutz personenbezogener Daten. Bei Versäumnissen drohen Strafen bis 20.000.000 Euro. An sich eine gute Sache! Finde ich. Vor allem, wenn man auf die Datenschutzpraktiken der großen Datenschutz-Kraken wie Facebook und Google sieht. Aber: Es offenbart die Ziellosigkeit in einem staatlich gelenkten „Gesundheitswesen“ einmal mehr! Natürlich sind gerade Gesundheitsdaten besonders schützenswert. Und das tun wir ja auch. Aber das, was von einem deutschen Gesundheitswesen über die Köpfe der Praxen hinweg mit großem Engagement vorangetrieben wurde, nämlich das Gesundheitswesen auch auf Datenebene effektiver zu machen (Stichwort „elektronische Gesundheitskarte“, aber auch Labor- oder Röntgendatenübertragung ) soll jetzt bei den einzelnen Praxen vor Ort auf Datenschutz abgesichert werden. Unter der Androhung von existenzvernichtenden Strafen. Und natürlich ohne Ersatz des Mehraufwandes seitens der Krankenkassen, die in den Jahren zuvor die online-Initiativen erst vorangetrieben haben. Ein krankes System. Kein Wunder,  dass sich immer weniger Ärzte in die ambulante Patientenversorgung trauen. Na. Vielleicht kommen wir ja irgendwann wieder zurück zu …

Was ich von „Superfood“ halte….

Superfood ist in aller Munde, und inzwischen auch in jedem Haushalt angekommen. Die Umsätze steigen. Aber hält diese Wundernahrung  auch, was versprochen wird? Zunächst eine Begriffsklärung. Superfood ist kein geschützter Begriff. Man versteht darunter aber natürliche Nahrungsmittel, die eine optimale Zusammensetzung an Nährstoffen haben. Und teilweise sogar günstige medizinische Effekte aufweisen. Das bekannteste sind die Chia-Samen. Und! Ja! Es stimmt. Die Zusammensetzung an Nährstoffe ist beeindruckend. In Chiasamen etwa viel an den guten Omega 3-Fettsäuren, viele Vitamine, Spurenelemente, Zink! Und es wurden auch tatsächlich in ein einigen wissenschaftlichen Studien positive Effekte auf den Blutdruck und Stoffwechselfaktoren nachgewiesen. Deshalb spricht erst einmal nichts dagegen. Was ich aber schon kritisch sehe: Der Kilo-Preis für Chiasamen ist in den letzten Jahren auf das zehnfache angestiegen. Deshalb können sich die Menschen in den Anbauländern das kaum mehr leisten. Dort war dieses Naturprodukt aber ein wichtiger Bestandteil in der ansonsten kargen Nahrung. Und – den Transport über viele Tausend Kilometer halte ich für ethisch fragwürdig. Warum keine einheimischen Leinsamen mit fast den gleichen Nährwerten?!    

Dr. med. Gerald Hofner

Tipp der Woche: Schnuller abgewöhnen mit der „Schnullertankstelle“

Ihr Kind kommt auch nicht so einfach vom Schnuller los? Und die „harte“ Variante liegt Ihnen nicht, den Schnuller einfach zu entziehen? Ein häufig erfolgreiches Vorgehen ist die „Schnullertankstelle“. Hier wird der Schnuller mit einem kurzen Band zum Beispiel an einem Küchenstuhl fixiert. Damit verliert Ihr Kind den Schnuller nicht sofort, muss allerdings zum Schnullen immer in die Küche laufen. Das wird er nicht sehr lange machen. Wichtig: Das Band muss sehr kurz sein, dass kein Risiko des Erdrosselns damit besteht. Ein kurzes Band ist auch effektiver, was das Ziel der „Schnullertankstelle“ betrifft.

Heuschnupfen und Asthma – wo ist der Zusammenhang?

Aktuell toben wieder die Pollen. Es leiden die 20% der Menschen, die Pollenallergiker sind. In diesem Zusammenhang ein paar Hinweise, wie Heuschnupfen und Asthma (eigentlich „Bronchialasthma“) zusammenhängen. Beide Erkrankungen gehören, neben der Neurodermitis,  zu den sogenannten atopischen Erkrankungen. Diese sind durch genetische Faktoren begünstigt und frühkindlich (wahrscheinlich schon vor der Geburt) geprägt. Das bedeutet, die Neigung zu diesen Erkrankungen ist kaum mehr zu beeinflussen. Die Allergie-Symptome sind dann „nur noch“ die Auswirkung. Über den Einfluss von schützenden Faktoren haben wir schon mehrfach berichtet, insbesondere um Zusammenhang mit der Bauernhofhypothese. Sie können das hier und hier nachlesen. Nicht jeder Allergiker wird auch Asthmatiker. Aber etwa jeder zweite hat zumindest vorübergehend auch asthmatische Symptome. Die frühere Vorstellung vom „Etagenwechsel“, das heißt, dass der Heuschnupfen (von der Nase aus) irgendwann zum Asthma (in die Bronchien) hinabsteigt, ist wissenschaftlich nicht mehr zu halten. Die Veranlagung zu Asthma muss unabhängig von den Allergien betrachtet werden. Hier kommen noch andere Faktoren hinzu, die das Auftreten der Symptome begünstigen. Und die Therapie: neben der symptomorientierten Therapie zur Beschwerdelinderung bleibt als einzige Heilungsmöglichkeit …