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Dieselskandal, Feinstaub und kranke Kinder – und die Mitschuld der Politik

Als Kinderpneumologe bin ich kürzlich zum Thema Dieselskandal und Feinstaub von der HuffingtonPost interviewt worden. Die Essentials möchte ich Ihnen auch im Blog nicht vorenthalten – hier als kurze Zusammenfassung: Wir müssen bei den Autoabgasen die gasförmigen Substanzen und den Feinstaub unterscheiden. Gase können zwar kurzfristig sehr schädlich sein, werden aber in der Regel rascher neutralisiert bzw. abgeatmet. Risiken bestehen allerdings auch hier etwa für Asthmatiker, die in belasteter Luft häufiger Asthma-Anfälle erleiden. Die Gase reizen die Schleimhäute der Atemwege nämlich. Außerdem könne sie Kopfschmerzen und Krupphusten begünstigen. Aus Sicht des Kinderpneumologen  und -kardiologen ist der Feinstaub schlimmer als die Gase. Denn diese ultrafeine Partikel, die einen Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer haben, werden in der Lunge nicht mehr gefiltert und können in den Körper aufgenommen werden. Dort werden sie abgelagert und erhöhen das Krebsrisiko und/oder das Risiko für Arteriosklerose. Außerdem kann der Feinstaub in der kindlichen Lunge abgelagert werden, ähnlich wie Asbest. Dies geschieht bereits im Kindesalter, wenn der Aufenthaltsort in belasteter Luft ist, also eben vor allem an den Brennpunktstraßen der Großstädte. …

Bunt ist gesund. Oder lieber „functional food“?

„Functional Food“ ist die moderne Ernährung schlechthin? Also mit Vitaminen und Spurenelementen und anderen biologisch angeblich günstigen Substanzen angereicherte Nahrungsmittel? Kann man machen. Muss man aber nicht. Sie sind nicht nur teuer, sondern meist auch einseitig. Auch die Summe aus den besten Einzelvitaminen ergibt noch nicht das gesunde Ganze. Denn immer mehr wird klar, dass auch die Gerüststoffe des Gemüses, das Wasser des Obstes, und die genauen Trägersubstanzen der Vitamine wichtiger sind als bislang gedacht. Also kommen wir zurück zur Tradition und da ist alles ganz einfach eigentlich (auch wenn die Marketingexperten der Food-Erfinder das nicht gerne hören) – bunt ist gesund. Also ein bunter Mix aus vor allem Obst und Gemüse und Milchprodukten, auch Fisch und gelegentlich Fleisch. Und wer sich auch umweltbewusst und ethisch fair ernähren will, der holt sich immer das aus der Region, was diese in der Saison gerade bietet. Gerade jetzt in der Erntesaison ein wahres Vergnügen.

Mukoviszidose – ein neues Screening im Säuglingsalter

Jede Mutter und jeder Vater in Deutschland kennt das Neugeborenen-Screening, das allen Neugeborenen (nach den Kinder-Richtlinien, also gesetzlich) etwa am 2. Lebenstag angeboten wird. Dabei wird auf genetische und nicht-genetische Erkrankungen untersucht. Allen Erkrankungen ist gemeinsam, dass sie eine frühe Behandlung benötigen, dass es zu keinen oder möglichst geringen Schäden auf den sich rasch entwickelnden Körper der Neugeborenen kommt. Als 13. Erkrankung wurde seit 2017 die Mukoviszidose in das Screening eingeschlossen. Es handelt sich um eine genetische Erkrankung mit Störung verschiedener Organe. Hintergrund ist eine veränderte Zusammensetzung der Körperflüssigkeiten. Grob ausgedrückt sind diese zäher. Betroffen sind im Vordergrund die Lunge mit vermehrtem Risiko für Verschleimung und dadurch Lungenentzündungen und einem späteren Abbau der funktionierenden Lungenstrukturen, außerdem  der Darm mit einer Verdauungsstörung, die inneren Geschlechtsorgane und das Skelettsystem. Heilbar ist die Mukoviszidose zwar nicht, aber bei frühem Therapiebeginn sind die belastenden Folgekrankheiten zu verhindern oder zumindest zu beeinflussen. Ich meine deshalb, Sie sollten trotz der beängstigenden Aussichten auf einen positiven Befund am Screening teilnehmen, wenn Sie mit einem Neugeborenen rechnen. Auch wenn das Screening positiv ist, …

Die Passform der Schule

Nicht nur Schuhe haben das, auch Schule hat eine Passform. Sie muss passen für das Kind. Man kann nicht in jede Klasse jedes Kind integrieren. Jedenfalls nicht, ohne Schwierigkeiten zu erzeugen. Und dann wird die Bildung, der eigentliche Auftrag der Schule, blockiert. Und es gibt Stress. Klar ist Bildung wichtig. Ein besseres Investment können Sie nicht in Ihr Kind stecken. Hier kommt jeder eingezahlte Euro besser verzinst zurück als aus jeder Lebensversicherung. Aber es muss passen. In der Praxis erlebe ich viele Eltern, die das begreifen, die ihr Kind kennen und deshalb die Schule wechseln. Selbst die Kinder selbst fühlen die falsche Passform der Schule oft schon. Wenn Sie zum Thema Schule noch unruhig sind, dann denken Sie ruhig noch einmal nach, wohin Ihr Kind ab September gehen soll. Notfalls vielleicht eben nicht ins Gymnasium (oder noch nicht), oder notfalls auf eine Privatschule.

Fall der Woche: Jenny (14) kippt um – 7 Warnsignale

Jenny ist 14. Eines Morgens um kurz nach 6 ist sie noch im Halbschlaf, als sie ins Badezimmer schleicht, um sich für die Schule fertig zu machen. Dann wird ihr schwarz vor Augen und sie kippt um. Sie ist offensichtlich für einen Augenblick bewusstlos und „erwacht“ am Boden des Badezimmers. Was ist passiert? Sie ist unklar bewusstlos geworden. Man nennt das Synkope. Darf man das als normal abtun? Oder braucht es eine ärztliche Behandlung? Normal ist es nicht, aber zumindest häufig. 15% aller Kinder und Jugendlichen erleiden wenigstens einmal eine solche Synkope. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungs. Einige erleben das auch öfters. Die häufigste Ursache ist ein Kreislaufkollaps. Medizinisch heißt das dann Reflexsynkope, weil der Kreislauf nicht der Situation entsprechend reagiert. Ich empfehle trotz der weiten Verbreitung nach einer Synkope zum Arzt zu gehen. Es gibt neben der häufigen Reflexsynkope auch andere, seltenere, aber gefährlichere Ursachen. Herzrhythmusstörungen etwa, oder Krampfanfälle des Gehirns. Welche Symptome sind absolute Warnsignale (die eine sofortige Behandlung erfordern)? eine Synkope unter dem Alter von 10 Jahren eine Synkope bei körperlicher …

Tipp der Woche – die Kinderoper und ein Filmtipp

In Bayreuth sind gerade die Wagner Festspiele zu Ende gegangen. Ein wunderbares Opernfestival, sagen die einen. Recht schwieriger Stoff, sagen die anderen. Für Kinder ist die Tiefe der Opern in der Tat nicht gut zu durchdringen. ABER!!! Urenkelin Katharina Wagner und Festspiel-Chefin hat sich hier etwas einfallen lassen. Dieses Jahr bereits zum zehnten Mal wurde am Festspielhügel eine Kinderoper aufgeführt – zum Jubiläum genau genommen sogar vier Opern. Nämlich alle 4 Opern des Ringes des Nibelungen im Schnelldurchlauf. Und durchaus kindgerecht. Eine wunderbare Heranführung der Kleinen an Musik, Theater und Kultur. Und nun der Tipp! Beziehungsweise genau genommen drei Tipps: Nächstes Jahr rechtzeitig Karten bestellen – über die Seite der Bayreuther Festspiele! Auch Erwachsene dürfen mit! Ich war auch. Wer meine Beschreibung lesen möchte – man findet sie hier unter klassik-begeistert.de Wer danach Lust bekommen hat, und vielleicht noch ein hochwertiges Geschenk sucht, es gibt die DVD der Kinderoper kurzfristig im Handel. Viel Spaß!

SCHÖNE FERIEN! ERHOLSAMEN URLAUB!

Auch der Kinderarztblog macht im August Urlaub. Wir lesen uns wieder ab September. Zunächst aber noch unsere guten Wünsche für Urlaub und Ferien. Sie kommen dieses Jahr mit einem Zitat unseres Bayreuther Dichters Jean Paul (1763-1825). Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt Leben Reisen ist. In einer Zeit, in der Reisen noch beschwerlicher war, hat Jean Paul erkannt, dass Reisen den Kopf erweckt, in dem das Bekannte immer wieder herausgefordert wird. Etwas, was bereits früh im Leben beginnen darf. Fahren Sie mit Ihren Kindern deshalb ruhig immer mal aus der gewohnten Umgebung weg. Es muss ja nicht immer eine Fernreise sein. Auch ein Besuch bei Freunden in einer anderen Stadt kann  ja schon ein Erlebnis sein. Wo auch immer Sie die Urlaubszeit verbringen – kommen Sie gesund wieder – und voller neuer und guter Eindrücke.

Tipp der Woche – Knopfzellen weg!!!

Ich zeige Ihnen gleich ein Video zur verheerenden Wirkung einer Knopfzelle. Zunächst zum Hintergrund: Die Nutzung von Knopfzellbatterien nimmt durch die Verbreitung elektronischer Kleingerät zu. Für Babys und Kleinkinder animiert die „appetitliche“ Form und Größe dieser Kleinstbatterien, diese in den Mund zu stecken und zu verschlucken. Durch die Kriechströme sind Knopfzellen im Magen-Darm-Trakt allerdings in der Lage, die Wand in kürzester Zeit „durchzubrennen“ und damit verheerende Folgen zu produzieren. Eine verschluckte Knopfbatterie ist deshalb immer ein Notfall und braucht sofortige ärztliche Behandlung. Hier nun das Video, das eindrucksvoll die Wirkung auf Körpergewebe abschätzen lässt. Zum besseren Verständnis der Bedeutung: die kindliche Speiseröhre und die kindliche Magenwand ist um ein vielfaches dünner und verletzlicher noch, als ein Schnitzel, wie im Video. Besser noch als die sofortige Behandlung ist natürlich, wenn die Knopfzelle gar nicht erst in den Kindermund gelangt. Weg damit also!

Angeboren oder erworben? Oder doch die Epigenetik…

„Du siehst ja aus wie deine Mutter…nur die Augen hast du von deinem Vater…“ Diese Sätze begegnen Ihnen wie mir ja in den verschiedensten Variationen. Ist ja auch sehr vielfältig, der Mensch mit seinen guten und schlechten Eigenschaften. Aber wieviel Steuerung kommt denn alleine durch die Gene und wie viele unserer Eigenschaften sind doch erst durch den Einfluss des Lebens nach der Geburt ausgeprägt worden? Und warum? Darüber diskutieren seit Jahrhunderten die Gelehrten. Jetzt kommt etwas Neues hinzu. Seit einigen Jahren wird immer klarer, dass es sogenannte „epigenetische“ Phänomene gibt, die insbesondere auch für die Entwicklung von Krankheiten relevant sind. Ich versuche, Ihnen das in wenigen Worten zu erklären: Manche Gene sind da, aber ihre Wirkung wird durch eine Art Schutzhülle förmlich „ausgeschaltet“. Umweltfaktoren (also bestimmte Substanzen oder Ereignisse in unserem Leben) können nun die Schutzhülle entfernen und dadurch die Gene „anschalten“. Meist ist diese Entwicklung ungünstig, da der Körper die Gene nicht umsonst eingesperrt hat. Erwarten Sie also keine plötzlichen Model-Maße oder Einstein-Ideen, wenn  die Gene „freigelassen“ werden. In der Regel entsteht dann um …