Monate: November 2019

Ja gleich, nerv´ nicht so!

Ich höre es an diesem Morgen zum gefühlten 1000ten Mal: „Ja gleich!“ Und meine Tochter kommt dennoch nicht runter zum Frühstück! Das kennt jeder – das Kind sagt einen Satz, den man schon wer-weiss-wie-oft gehört hat und der nur noch nervt. Und die Stimmung – ist dahin. Es gibt sicher noch viele andere Sätze, die auch in diese Kategorie gehören: · Ich weiß besser, wann ich müde bin als Du! · Die anderen dürfen viel mehr! · Die anderen dürfen viel länger auf der Party bleiben! · Nur Ihr seid so streng und macht so einen Streß! · Hallo – ich bin 13 und nicht 3! Die Frage ist nun nur – warum nerven diese Sätze? Und tun Sie das berechtigterweise? Sind wir Eltern einfach erschöpft? Hören wir uns vielleicht gerade in dem Satz des Kindes auch selber reden? Müssen wir Erwachsenen uns auch mal an der eigenen Nase fassen, denn was steckt wirklich hinter dem Satz des Kindes und der darauf folgenden elterlichen Antwort? Manchmal, aber nicht immer, sind es ja unsere eigenen – …

Wie geht´s denn Mama und Papa?

Luis kommt heute zu seiner U8. Ich begrüße den fröhlich dreinblickenden Jungen und seine Mutter und erkläre ihm kurz was wir vorhaben. „Wie geht es Ihnen denn ?“, frage ich dann die Mutter noch, bevor wir zur eigentlichen Vorsorge kommen. „Meinen Sie wirklich mich?“, fragt sie etwas ungläubig zurück. „Ja, ich meine wirklich Sie!“, antworte ich. „Das hat mich schon lange niemand gefragt!“, erwidert sie und erzählt mit Tränen in den Augen, dass es im Moment alles zu viel ist – die 3 Kinder, der Hausbau, der Job und die kranke Oma. Ein aktuelles, aber für den Kinderarzt nicht so seltenes Erlebnis. Jeden Tag dreht sich in unserer Sprechstunde alles um die Bedürfnisse der kleinen und etwas größeren Patienten! Wirklich alles? Nein, absolut nicht, denn wie es Mama und Papa geht, ist zum einen nicht egal und zum anderen für die Kinder sehr, sehr wichtig. Mamas oder Papas Be- oder Überlastung kommt beim Kind an. Auch wenn man sich noch so anstrengt, sie vor den Kindern zu verbergen. Nun hat Luis´Mama eine sehr hohe Belastung …

Perfekte Erziehung?

Sie gehören zu den Eltern, die denken, es gibt die perfekte Erziehung? Dann haben wir etwas gemeinsam. Das dachte ich auch einmal. Vor den eigenen Kindern. Perfektion gibt es nicht. In der Erziehung ist sie sogar schädlich. Wer es versucht, dürfte seinem Kind keinen größeren Schaden zufügen können für dessen ganzes Leben. Warum? Wer den perfekten Menschen aus seinem Kind machen will, der hat im Kopf ein Idealbild, das er erreichen will. Das berücksichtigt aber selten das Individuelle und Besondere des Kindes. Etwa seine Neigungen und Fähigkeiten. Klar. Ein Kind muss Regeln lernen. Aber die lernt es am besten durch das Vorbild der Eltern. Wenn nun die wichtigste Regel lautet „Du musst perfekt werden!“, dann wird es immer das Gefühl haben, nicht zu genügen. Das blockiert den Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins und führt zu oft lebenslanger Verunsicherung. Leider erleben sich gerade auf Perfektion bedachte Eltern selbst nicht so. Denn oft erleben sie sich selbst (und ihre Kinder) als ungenügend und unperfekt. Am Druck, den sie sich und dem Nachwuchs machen, ändert es nichts. Bitte, hinterfragen …