Alle Artikel in: Kindererziehung

Bauklötze und Mathematik

Haben Bauklötze im Kinderzimmer etwas mit der späteren Mathenote zu tun? Nun, wenn die Frage schon so gestellt wird… Ja! In einer Studie der Uni Basel konnte gezeigt werden, dass es einen Zusammenhang zwischen der räumlichen Vorstellung mit 3Jahren und den späteren mathematischen Fähigkeiten innerhalb Grundschule gibt. Darum sollten Kinder Spielzeug haben, das die räumliche Vorstellung fördert. Auch mit dem Sprachgebrauch im Alltag lässt sich das mathematische Verständnis fördern, indem immer wieder räumliche Beziehungen bewusst dargestellt werden („Das ist größer/kleiner/über/unter/hinter… usw.). Vielleicht steckt in der Auswahl der Spielsachen auch eine Erklärung für Geschlechterunterschiede: Jungs bekommen tendenziell mehr Spielsachen, die räumliches Denken fördern, Mädchen solches, das soziale Fähigkeiten anspricht! Zusammenfassend sind die Daten der Uni Basel ein Plädoyer für den guten, alten Bauklotz im Kinderzimmer!

Nein, Herr Spahn!

Wie wird es im Herbst für unsere Kinder und Jugendlichen angesichts der Corona-Pandemie weitergehen? Diese Frage treibt Eltern, Lehrer und natürlich auch die Jugendlichen selbst um. Und es gibt keine klare Antwort auf diese zugegebenermaßen schwierige Frage. Richtig – niemand kann den weiteren Verlauf der Pandemie letztlich vorhersagen. Wie werden sich die Zahlen entwickeln, wie groß werden die Probleme durch die Deltavariante sein, wie weit wird die Impfkampagne gekommen sein und was sich hier alles an derzeit nicht zu beantwortenden Fragen auftut. Eines ist aber ebenfalls klar: die psychosoziale Situation der Kinder und Jugendlichen ist bereits jetzt besorgniserregend. Darauf ist auch in den Medien und von der Politik aufgrund verschiedener Untersuchungen inzwischen mehrfach hingewiesen worden. Und das sehen auch wir im Alltag der Praxistätigkeit. Ich sehe als Kinder- und Jugendarzt hier definitiv die Gesellschaft und die Politik in der Verantwortung, bis zum Herbst sinnvolle, tragfähige Lösungen zu erarbeiten! Kürzlich zog Gesundheitsminister Spahn den Distanzunterricht im kommenden Herbst ernsthaft in Betracht! Das ist in meinen Augen kein akzeptabler Vorschlag! Die junge Generation hat 1 1/2 Jahre …

Augen auf beim Spielzeugkauf!

Oft werden wir nach der Auswahl von Spielzeug gefragt. Welches Spielzeug ist gut oder umgekehrt nicht gut geeignet ist für das Baby bzw. Kleinkind und seine Entwicklung? In der Einschätzung kann man zunächst grundsätzlich einmal vom Kind und seiner Entwicklung ausgehen, ob körperlich, motorisch, sprachlich oder psychosozial. In welchem Bereich entwickelt sich das Kind gerade, was interessiert es deshalb, womit beschäftigt sich das Kind darum gerne? Einige Beispiele: Gerade ist für das Baby das Greifen und Erkunden interessant? Dann sind Spielzeuge gut, die genau das fördern, Greifringe, Rasseln, Bauklötze, am besten Gegenstände aus natürlichen Materialien wie Holz oder Stoff, die verschiedene Sinne ansprechen. Und Achtung, wenn es dauernd piepst, eine Melodie quäkt oder blinkt, ist das gar nicht so gut. Reizüberflutung ist hier unter anderem das Stichwort. Das Kind entdeckt und mag Musik? Es gibt wunderschön gestaltete Xylophone oder andere einfache Musikinstrumente, die das Kind mit Mama oder Papa in die Welt der Töne entführt. Mit dem Kind zu singen, ist extrem wertvoll. Und nein, Sie müssen nicht schön singen können, das ist für Kinder …

Was ist beim Schulranzenkauf zu beachten?

Der erste Schultag rückt näher und damit wird der Kauf eines Schulranzens sehr wichtig für die Kinder. “Ich bin doch schon groß! Und bald ein Schulkind!” Aber: Der Ranzen soll gefallen, soll verschiedene Standards erfüllen und ist ja auch nicht gerade billig! Woran sollen sich die Eltern orientieren? Sehr wichtig ist zunächst einmal, daß der Ranzen zur individuellen Anatomie des Kindes passt. Insofern muß er probiert werden, vergleichbar zum Schuhkauf. Erstes Kriterium also Trageeigenschaften. Auch auf die Verarbeitung und das Material müssen Mama und Papa achten, der Ranzen wird viel aushalten müssen, nichts ärgerlicher, als wenn nach 3 Wochen der Reißverschluß schon kaputt gegangen ist oder die Naht aufgeht. Daneben ist die optische Warnwirkung ein absolut zentrales Kriterium. Die Kinder müssen im Straßenverkehr auffallen, generell, aber auch besonders in der dunklen Jahreszeit. Last but not least: an die Schadstofffreiheit denken. Die Kinder sollen ja nicht mit entsprechend ungesunden Stoffen Kontakt haben. So viele Kriterien. Aber es gibt seriöse und unabhängige Testreihen, z.B. von Stiftung Warentest. Daran kann man sich schon sehr gut im Vorfeld orientieren. …

Wo lauern Unfallgefahren??

Unfälle sind im Kindesalter ein häufiges Thema in der Kinderarztpraxis. Darum werden wir oft gefragt: Was sind die Ursachen? Und welche Spielsachen sind in Zusammenhang mit Unfällen problematisch? Zudem: wie geht man mit dem Thema Unfallgefahr sinnvoll um? Durch Spielgeräten im Außenbereich kommt es natürlich besonders häufig zu Unfällen. Auch wenn diese ja TÜV-geprüft werden und man sich auf den Zustand der Spielgeräte somit verlassen kann. Vorherrschend sind Stürze aus größerer Höhe. Natürlich sehen wir auch Stürze vom Hochbett oder der Wickelkommode. Aber jeder 5. Unfall bei Kindern unter 6 Jahren steht in Zusammenhang mit Spielgeräten im Außenbereich. Dabei wären tatsächlich die meisten (ca.80%) aller Unfälle vermeidbar. Dennoch gilt es die Balance zu wahren, es nützt natürlich auch nichts, wenn man als Elternteil überbehütend reagiert. Oft sind es einfache Dinge, die zu bedenken sind: Wenn ein Kind ein Klettergerüst. nicht hochkommt, ist das eine gute Grenze: Hier ist Stopp für Dich! Inliner, Fahrräder, waveboards, Scooter – für sich genommen alles wertvolle Spielgeräte. Aber Helm und Schoner müssen eben getragen werden, sollen sie schützen! Auch das …

Ist die Entwicklung meines Kindes normal??

Die Entwicklung eines Kindes – ob körperlich, motorisch oder sprachlich – ist für Eltern spannend zu verfolgen. Wie stolz sind Mama und Papa, wenn der erste Schritt erfolgt, das erste Wort gesprochen wird oder der erste Meter Körperlänge erreicht wird. Was aber, wenn der Nachwuchs mit Entwicklungsschritten langsamer ist, als Mama und Papa das erwarten? Was, wenn es später läuft oder spricht als ein gleichaltriges Kind aus der Verwandtschaft oder Bekanntschaft? Zunächst verläuft normale Entwicklung mit großer Varianz und sehr individuell! Der erste Schritt kann mit 9 Monaten oder 1,5 Jahren erfolgen, und beides wäre normal! Insofern erstmal entspannt sein, Gottseidank ist bei den meisten Kindern die Entwicklung normal. Dann ist die ganz normale häusliche Förderung, die Eltern ja ohnehin anstreben, völlig ausreichend. Spielen, Vorlesen, Singen, Sport – all das fördert die Fähigkeiten des Nachwuchses. Wenn Zweifel bestehen, ob die Entwicklung eines Kindes wirklich normal ist, kann der Kinderarzt/die Kinderärztin helfen, um die Fragen der Eltern zu klären. Wenn die Entwicklung tatsächlich von der großen Bandbreite des Normalen abweicht, bespricht der Kinderarzt/die Kinderärztin mit den …

Sind Wattestäbchen für die Selbsttests gefährlich?

“Im Netz kursieren wilde Gerüchte, daß Coronatests krebserregend sind. Ist da was dran?” fragte mich eine Mutter in der Sprechstunde. Ich kann sie beruhigen. Ja, diese Gerüchte kursieren und Nein, es ist nicht wahr! Die bei Tests verwendeten Wattestäbchen werden wie viele andere Produkte mit Ethylenoxid sterilisiert. Dieses Gas ist an sich krebseregend. Aber die Stäbchen werden nicht damit beschichtet und Ethylenoxid ist nach einiger Zeit auch gar nicht mehr nachweisbar, wie in einer Studie belegt werden konnte. Der Herstellungsprozess wird streng kontrolliert, damit eben genau keine Gefahr von etwaigen Rückständen ausgehen kann. Die Selbsttests lösen also nicht Leukämie, Lymphomen und Brustkrebs aus! Die Verwendung der Stäbchen ist völlig ungefährlich. Ebenso falsch ist, daß die Teststäbchen Parasiten enthalten würden. In Videos, die im Netz kursieren, sind dunkle Fäden zu sehen, die allerdings harmlosen Fasern, aber nicht Würmern oder Tieren entsprechen. Wie bei vielen Behauptungen, die in der Coronakrise aufgestellt wurden, lohnt sich der Faktencheck, um nicht auf fake news hereinzufallen. Leider werden viele Falschinformationen verbreitet. Durch die durch Corona entstandene tiefe Unsicherheit werden Falschinformationen leider …

Das Chaos-Zimmer

Kennen Sie das? Sie werfen einen Blick in das Zimmer ihres pubertierenden Kindes und Sie sehen das totale Chaos. Kleidung am Boden, Bonbonpapiere, Bücher, zum Teil Haufen aus verschiedensten Materialien, deren Übersteigung schon bergsteigerisches Können erfordert, leere Tassen, Teller mit angebissenem Marmeladenbrot und in diesem ganzen Tohuwabohu ein Jugendlicher, der Aufräumen als völlig unnötig ansieht. Über allem liegt der Duft ungewaschener, alter Käsesocken. Und Mama oder Papa packt das kalte Grausen. Wie so oft in der Kindererziehung muss man als Elternteil dennoch die Prioritäten hinterfragen und vielleicht mehr Wert auf das Befinden des Jugendlichen und die Beziehung zu ihm legen. Jugendliche sehen sich mit komplexesten Anforderungen konfrontiert, die sie bewältigen müssen, aktuell sogar noch unter den mehr als widrigen Coronabedingungen. Die Schule, der Freundeskreis, die eigene Entwicklung, der sich verändernde Körper, die große, weite und mehr als komplizierte Welt. Und demgegenüber ein Jugendlicher, dessen Hirn sich im komplexen Umbau befindet und der sich selber nicht mehr kennt. Chaos im Kopf und Chaos im Zimmer. Haben wir also Nachsicht und Geduld. Das wichtigste ist Rückhalt, eine …

Hört doch endlich mal zu, Ihr Erwachsenen!

Keine Party, kein Abhängen mit Freundinnen und Freunden, keine normalen Kontakte, keine Hobbies, keine Selbstentfaltung, kein normaler Unterricht oder reguläre Ausbildung – so vieles fehlt Jugendlichen, was in ihrem Alter wichtig und normal wäre. Keine normale Perspektive – und kein Ende der Pandemie in Sicht. „Wie soll es weitergehen, welche Berufswahl macht unter diesen Umständen Sinn, habe ich überhaupt eine Zukunftsperspektive?“, das sind die Fragen, die die Jugendlichen aktuell stellen. Was die Jugendlichen stört, zeigte nun eine Befragung von mehreren tausend Jugendlichen und jungen Erwachsenen: · 64% sehen sich als psychisch belastet an · 69% haben Zukunftsängste · 61% empfinden Einsamkeit · 34% sehen sich mit finanziellen Sorgen konfrontiert 65% stören sich daran, dass sie während des Lockdowns nicht gehört werden, 20% mehr als im ersten Lockdown. 58% denken, dass die Politik sie nicht wichtig nimmt. Sie wollen nicht, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Sie haben eigene Vorstellung von Schule und digitalen Lehrangeboten. Dabei sehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr wohl die Bedürfnisse anderer Altersgruppen. Angst um die Eltern oder Angehörige ist …

Zitat der Woche

Der Meister hat öfter versagt, als es der Anfänger überhaupt versucht hat. Stephen McCranie “Das musst Du nun aber langsam können!” Das sagen wir manchmal vielleicht zu schnell! Kinder sind unendlich geduldig und üben, üben und üben nochmals. Wie schwer es beispielsweise sein muß, wenn man noch nie gestanden, aber unzählige Male auf den Windelpopo gefallen ist und es dennoch wieder und wieder versucht! Seien wir geduldig, auch mit den großen Kindern. Wir haben auch nichts sofort gekonnt und sind oft genug gescheitert. Das dürfen unsere Kinder übrigens ruhig wissen! “Ja, Dein Papa oder Deine Mama hat das auch ewig üben müssen!” oder auch: “Das kann ich bis heute nicht gut!” Das ist ein ehrliches Vorbild, das Kindern hilft!