Alle Artikel in: Kindererziehung

Der Radausflug

Sonntagmorgen, die Sonne strahlt, Papa kommt gut gelaunt an den Frühstückstisch. Der 12-jährige Sohn war beim Bäcker. Bei Kaffee, Marmelade und Croissants werden die Tagespläne besprochen. Schlussendlich einigt sich der Familienrat auf einen Radausflug. Herrlich! Welche Erholung von der stressigen Woche! Mama räumt das Frühstück auf, Papa holt pfeifend die Räder aus dem Schuppen. Klein Sohnemann hilft, der Süße, und steht so niedlich im Weg! Mama und die große Tochter rufen aus der Haustür, ob Papa noch kurz die Räder aufpumpen könnte. Ist vielleicht nicht mehr ganz so viel Luft drin? Klaro, kein Problem. Die Luftpumpe aus der Garage geholt und – was ist das, die Pumpe fällt in zwei Teilen auseinander! Verlegen grinsend gesteht der große Sohnemann, dass die Pumpe ihm letzte Woche kaputtgegangen ist. „Vergessen zu sagen…“, murmelt er in den nicht vorhandenen Bart. Okay, also ab in den Keller. Die Pumpe lässt sich tatsächlich reparieren. Klein Sohnemann brüllt derweil infernalisch, Papa will ihm nämlich nicht die scharfe Säge geben. Während Papa im Schweiße seines Angesicht schließlich ALLE Räder aufpumpt und gleichzeitig Klein …

Ein Plädoyer für einige Minuten Reflektion

Gemeinsames Essen in einer Familie ist wichtig. Diese Aussage ist so einfach, um nicht zu sagen banal, aber anscheinend steht der Lebensrhythmus in den Industrienationen einfachen und normalen Dingen manchmal entgegen. In den USA werden 70% der Mahlzeiten nicht zuhause eingenommen, 20% werden im Auto verzehrt. Etwa die Hälfte aller Familien isst nie gemeinsam. Dabei würden gemeinsame Mahlzeiten mehr Lebensqualität bringen und natürlich der Familie generell gut tun, indem sie den Zusammenhalt stärken, die Kinder robuster machen und die Schulleistung verbessern können. Außerdem wirken sie vorbeugend gegen Übergewicht, Essstörungen, Drogenmissbrauch oder Depressionen und sogar Teenagerschwangerschaften sind seltener, wenn man regelmäßig gemeinsam isst. Diese positiven Auswirkungen wurden vom Family Dinner Project der Universität Harvard belegt. Die Experten gehen inzwischen soweit, tägliche Mails mit Gestaltungs- und Gesprächsvorschlägen an Familien zu versenden, um den Familien zu einem Gelingen der Mahlzeiten zu verhelfen. Als ich diesen Artikel soweit gelesen hatte, hielt ich inne. Wenn eine normale Familie für so etwas normales wie eine gemeinsame Mahlzeit bereits von außen Unterstützung braucht – läuft da nicht etwas falsch? An dieser Stelle …

Vorsicht: Stifte können Schadstoffe enthalten

Vorsicht vor giftigen Stiften! Sie kennen es bestimmt auch: Ihr Kind malt oder macht Hausaufgaben und knabbert bzw. lutscht am Stift. So manches Kind bemalt sich auch mal selbst – an den Händen, Armen oder auch einmal im Gesicht. Das ist nicht immer unbedenklich, wie die Stiftung Warentest nun zeigte. Von 35 getesteten Malsets waren immerhin 12 mangelhaft. Zugrunde lagen die Normen der europäischen Spielzeugrichtlinie sowie des GS-Zeichens für geprüfte Sicherheit. Von den 17 geprüften Buntstiften enthielten 6 krebsverdächtige oder krebserzeugende Substanzen. 2 von 12 Fasermalern enthielten bedenkliche Konservierungsstoffe. Nur 1 von 6 Tintenpatronenmarken war sicher. Dennoch: Lassen Sie sich auch nicht komplett verrückt machen! Orientieren Sie sich beim Kauf an den Testergebnissen. Nehmen Sie eher unlackierte Stifte. Sorgen Sie dafür, dass der kleine Künstler möglichst nicht vom Stift nascht. Und: Wenn das Kind fertig mit dem Malen ist, sollte es kurz die Hände waschen. Und dann muss es auch gut sein. Denn den Malspaß sollen und wollen wir den Kids ja auch nicht verderben!

Hochachtung für diese Nachwuchsförderung!

Wow, was für ein Engagement! Hochachtung! Während viele Vereine über Mitgliederschwund und Nachwuchsmangel klagen und sich immer weniger Menschen ehrenamtlich engagieren, gibt es auch bemerkenswerte Gegenbeispiele. Hier das Beispiel Wasserwacht. Nicht nur, dass Kinder hier hervorragendes Schwimmtraining erhalten können von motivierten und kompetenten Trainern und auch sonst vieles mitnehmen wie zum Beispiel bei einem Erste Hilfe Training. Nein, engagierte Kinder können sich nach Absprache auch ansehen, was es heißt, sich als Wasserwachtler zu engagieren und zum Beispiel bei einem Routinewachtdienst an einem Badesee den erwachsenen Kräften der Wasserwacht über die Schulter schauen. Da werden viele Fragen praktisch beantwortet: Was ist alles zu tun? Wie funktioniert etwa der Funkverkehr, welche Fähigkeiten sind gefragt, ab welchem Alter kann man sich engagieren, welche Geräte und Hilfsmittel kommen zum Einsatz? Die Kinder machen mit beim Kontrollgang oder fahren auf dem Wasserwachtboot. Das ist tolle Jugendarbeit, bringt die Kinder weiter, legt einen Grundstein für zukünftiges Engagement im Ehrenamt, von dem viele Menschen profitieren. Denn während man den schönen Sommertag am See genießt, sitzt da jemand, der seine Freizeit dafür hergibt, …

Beikosteinführung bringt etwas mehr Schlaf

Frühe Beikosteinführung verbessert das Schlafverhalten der Kinder, zumindestens ein bisschen. Wie eine Forschergruppe aus London um Gideon Lack herausgefunden hat, schliefen Kinder mit früher Beikosteinführung etwas länger und erwachten etwas seltener. Zusammengenommen waren es bei Beikosteinführung vor dem 6. Lebensmonat pro Woche 2 Stunden, die die Kinder länger schliefen. Außerdem erwachten sie pro Woche im Durchschnitt zweimal nicht zu Zeitpunkten, zu denen sie sonst die Eltern schon um den Schlaf gebracht hatten. Sicher keine ganz großen Effekte, aber in der Summe doch wertvoll. Insofern kann, wenn das Kind soweit ist (was die Kinder zeigen, indem sie sich interessieren für das, was auf Papas Teller ist, den Löffel gut akzeptieren, Freude am Essen und Probieren zeigen, etc….) und medizinisch nichts dagegen spricht (was nur sehr selten der Fall ist), eine frühe Beikosteinführung die Nachtruhe auch für die Eltern ein kleines bisschen verbessern. Und hier hilft jedes bisschen!

Hausaufgaben sind blöd!

Diesen Satz würden wohl die meisten Schüler unterschreiben. Selbst für die, die sehr gerne in die Schule gehen, sind Hausaufgaben eher ein notwendiges Übel als Spaß. Dementsprechend nützt es auch nichts, hier irgendetwas beschönigen zu wollen: Hausaufgaben gehen auf Kosten der Freizeit, die man nach Lust und Laune selbst gestalten kann. Wenn man sich dies als Eltern hausaufgabengeplagter Kinder klar macht, kann man verständnisvoller auf die Unlust reagieren und dadurch mehr erreichen, als wenn man gleich losschimpft oder sogar Strafen androht. Gleichzeitig muss man aber von Anfang an auch deutlich machen: „Ja, ich verstehe, dass du jetzt lieber spielen möchtest, aber die Erledigung der Hausaufgaben ist nicht verhandelbar!“ Am besten ist es dabei, die Hausaufgaben jeweils zu einer festgelegten Zeit (z.B. eine halbe Stunde nach dem Mittagessen) und an einem dafür vorgesehenen Platz ohne Ablenkungsmöglichkeiten zu erledigen. Sinnvoll ist es auch, die Hausaufgaben an einem Stück zu machen, da man das Kind ja sonst für jede Teilaufgabe erneut an den Schreibtisch locken muss, was von Mal zu Mal schwerer wird, da die beliebtere Freizeitbeschäftigung immer …

Angst vor dem Schulstart

Trotz eines etwas mulmigen Gefühls freuen sich die meisten Kinder auf ihren ersten Schultag. Bei einigen überwiegt jedoch die Angst vor dem Neuen und Unbekannten. Dies sollte man als Eltern unbedingt ernst nehmen und nicht lapidar mit der Bemerkung abtun, dass doch alle anderen es auch schaffen. So besteht nämlich die große Gefahr, dass der Gang zur Schule vom ersten Tag an angstbesetzt ist. Aber was kann man dagegen tun? Zunächst darf man sich nicht von dem an Schultüren weit verbreiteten Schild „Ab hier schaffe ich es alleine!“ abschrecken lassen. Vielmehr sollte man bereits vor dem ersten Schultag das Gespräch mit der Lehrkraft suchen, um gemeinsam zu überlegen, wie es geregelt werden kann, dass das Kind den Weg von der Schul- zur Klassenzimmertür zunächst eben nicht alleine antreten muss, sondern von einer Bezugsperson an eine andere – wenn auch neue – “ übergeben“ werden kann. Beispielsweise bringt ein Elternteil das Kind zur Klassenzimmertür, wo es die Lehrkraft empfängt und mit ins Klassenzimmer nimmt. Wichtig ist hierbei, dass man sich als Elternteil nicht auf ein großes …

Wir wünschen einen guten Schulstart!

Der Kinderarztblog wünscht allen Kindern und Jugendlichen einen superguten Start ins neue Schuljahr. Viel Freude, Spaß und Erfolg beim Lernen und – bei aller Wichtigkeit der Schule – auch Zeit für Hobbies und Entspannung! Auch für die Eltern. Und ganz besonders allen Erstklässlern einen wunderschönen Tag, den Ihr mit Euren Eltern, Freunden und Verwandten so richtig feiert!

Mama, schau mich an!

Erik, 4 Jahre, quengelt. Seine Mutter checkt gerade ihre Mails und Whatsapp-Nachrichten. Aber sie reagiert nicht auf Eriks Äußerungen. Erik hopst herum, schreit schließlich und schmeißt sich auf den Boden. Nach kurzer Ermahnung setzt die Mama ihre Tätigkeit fort. Erik schmollt resigniert, setzt sich in sein Zimmer und starrt die Decke an. Branson McDaniel zeigte in einer Studie, dass Kinder mit Frust, Hyperaktivität, Wut und verschiedenen anderen Auffälligkeiten reagieren, wenn Eltern dauernd auf das Handy starren. Kinder eskalieren ihr Verhalten, wenn sie die Aufmerksamkeit ihrer ins Handy versunkenen Eltern erreichen wollen. Oft wird nur diskutiert, dass das Kind nicht zuviel Zeit mit dem Handy verbringen soll. Dabei müssten auch die Eltern ihren Medien- und Smartphonegebrauch hinterfragen. Eltern geben außerdem in McDaniels Studie an, das Handy gerade dann hervorzuholen, wenn der Nachwuchs sie nervt. Auch eine mögliche Ausrede vor sich selbst: schon wieder eine wichtige Nachricht aus der Arbeit, da kann man nicht aus… So entsteht aber ein Teufelskreis. Denn es verstärkt sich genau das Verhalten der Kinder, dem die Eltern gerade entkommen wollten: die Kinder …

Wollt ihr den Kids nützen, lasst sie mal machen!

Martin, 7 Jahre, kommt zur Vorsorge U 10. Er ist in der 2. Klasse. Beim Anamnesegespräch, bei der körperlichen Untersuchung und auch bei den Aufgaben, die seine Entwicklung abchecken, greift seine Mutter häufig ungefragt ein, stellt sich neben die Untersuchungsliege, steht bei der Untersuchung sogar im Weg und nimmt Martin einen Teil der Aufgaben ab, obwohl der Untersucher wiederholt darum bittet, Martin selber antworten zu lassen. „Pass auf! Mach dies so, mach das anders! Nein, es ist kalt, zieh die Jacke noch an! Das kannst Du doch, es geht so…“ Es gibt Eltern, die ihr Kind – aus welchen Gründen auch immer – sehr stark überwachen, es auf Schritt und Tritt kontrollieren, das Kind wenig eigenständig machen lassen und bereits bei kleinsten Anlässen sofort eingreifen, ständig präsent sind und das Kind wenig in die Eigenständigkeit entlassen oder potentielle Gefahren bereits vorwegnehmen, bevor das Kind sie überhaupt wahrnehmen kann. Umgangssprachlich werden solche Eltern als „Helikoptereltern“ bezeichnet. Wie Nicole Perry von der Universität Minnesota in einer Studie nun gezeigt hat, schaden die Helikoptereltern ihren Kindern eher, als …