Alle Artikel in: Kindererziehung

Regretting motherhood – lasst uns drüber reden!

Wir haben das Thema hier schon aufgegriffen – regretting motherhood. Wie ich aber auch aktuell in der Sprechstunde erlebe, ist das Thema seither nicht wirklich wesentlich bekannter geworden und natürlich immer noch sehr wichtig für Mütter und ihre Kinder. Darum hier der Artikel noch einmal: Regretting motherhood, wörtlich übersetzt die Mutterschaft zu bereuen, ist ein Thema, das kaum in der Öffentlichkeit angesprochen oder gar diskutiert wird. Es gibt dazu auch wenig wissenschaftliche Forschung. Dennoch ist das Thema weit verbreitet und von großer Bedeutung. Orna Donath, eine israelische Soziologin, befasst sich mit “regretting motherhood”. Sie beschreibt die ganz allgemeine Ambivalenz, das Hin- und Hergerissen sein, von Frauen, die Mütter sind. In ihrer jüngsten Studie zeigt Frau Donath, dass Frauen verschiedenen Alters, obwohl sie ihre Kinder lieben und schätzen, doch nicht selten ihre Entscheidung für das Dasein als Mutter, die Übernahme der Verantwortung für das Kind, die Belastungen, die körperlichen Veränderungen und den Verlust ihrer Freiheit und Selbstbestimmung bereuen. Dieses hier beschriebene Phänomen hat laut Orna Donath ganz ausdrücklich zunächst nichts mit der Problematik der Mehrfachbelastung der …

Mal ein bißchen Ergotherapie?

Der kleine Malik, 2 Jahre, kommt zur U7. Er spielt sehr willig mit dem Arzt und lässt sich schön untersuchen. Fritz spricht wenig, wobei seine Mutter berichtet, dass nun immer wieder neue Wörter hinzukommen und dass Fritz auch schon 2-Wortsätze bildet. Zusammenfassend kann die Entwicklung des Jungen bei dieser U7 erfreulicherweise als normal beurteilt werden. Der Rat des Arztes wäre, weiterhin häuslich die Entwicklung von Fritz ganz allgemein zu fördern, auch in sprachlicher Hinsicht. In diesem Zusammenhang ist das Anbieten von Sprache durch Erzählen, Sing- und Sprechspiele, Vorlesen und Ähnlichem natürlich sehr wichtig. Aber hier reden wir von der normalen elterlichen Förderung wie bei jedem Kind – denn der Junge ist völlig normal entwickelt! Die Mutter von Fritz möchte nun aber Logopädie und Ergotherapie verordnet haben. Auf erstaunte Nachfrage nach dem Warum äußert sie, nichts verpassen zu wollen, die sprachliche Entwicklung sei nicht so wie bei anderen Kindern aus ihrem Umfeld und auch die motorische Entwicklung sollte ihrer Meinung nach gefördert werden. Klares Statement: Nein, wir raten von einer Heilmittelverordnung für Malik ab! Zum einen …

Das Sprüchebuch

Felix ist in der 5. Klasse und soll auf Englisch einen Text verfassen. Er will einen Spruch seines großen Bruders einbauen, der bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit “Anzeige ist raus!” ruft, meist als Protest, wenn etwas nicht nach seinem Kopf läuft. Felix’ Übersetzung, die er mit dem Wörterbuch erstellt und die nicht nur die Mama schmunzeln lässt: “Display is out!” Auch Sie erleben das bestimmt. Ihre Kinder bringen Sie mit den lustigsten Sätzen und Gedanken im Alltag ganz unbeabsichtigt zu Lachen. Und wie schnell vergisst man leider diese wunderbaren Sprüche, Erlebnisse und Situationen. Darum ist ein Sprüchebuch im Küchenschrank oder Wohnzimmerregal, in das man schnell den Satz kritzeln kann, eine klasse Idee. Es geht natürlich auch am Handy, wenn man es digital will. Immer wieder kann man die Notizen durchblättern und auch die Kinder amüsieren sich später köstlich. Ein echter Schatz für die ganze Familie! Gerade wenn man mal dringend eine Auflockerung braucht im (Corona)alltag.

Kindergarten, Schule und Schnupfen im Herbst 2020

Corona wird dieses Kindergarten- und Schuljahr maßgeblich beeinflussen. Keine Frage. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat einen Leitfaden herausgegeben in Zusammenarbeit unter anderem mit Kinderärzten. In Abhängigkeit von den Infektionszahlen werden Empfehlungen gegeben, wie Erkältungssymptome bei den Kindern hinsichtlich des Kindergarten- und Schulbesuchs bewertet werden. Kinder mit milden Krankheitszeichen wie Schnupfen oder gelegentliches Husten ohne Fieber dürfen in den Kindergarten. In den Stufen 1-2 (bis 35 bzw. bis

Die großen Belastungen für die Familien durch Corona

Homeschooling, Homeoffice, Kurzarbeit, Existenzängste und Kinder ohne gewohnte Struktur oder normalen Tagesplan: Die Belastungen, die Familien geschultert haben und schultern, sind enorm. Dies wird auch durch Studien erfasst und klar belegt. Es handelt sich also eben nicht um Gejammer auf hohem Niveau! Mehr als 11,1 Millionen Kinder und Jugendliche waren in Deutschland von der Schließung der KiTas und Schulen betroffen. Damit auch 6,5 Millionen Elternpaare und knapp 1,5 Millionen Alleinerziehende. Zur Erinnerung: Die Einwohnerzahl der Bundesrepublik beträgt rund 83 Millionen. Natürlich ist das Ausmaß der Belastung abhängig von der jeweiligen Situation der Familien wie Wohnraumgröße, Einkommen etc.. Die langfristigen Folgen der Krise sind derzeit nicht absehbar und auch abhängig von den politischen Entscheidungen der nächsten Wochen und Monate. Gerade auch mit Blick auf die zweite Erkrankungswelle, die im Herbst erwartet wird und für die nun die Weichen gestellt werden müssen. Wie wird der Besuch von KiTas und Schulen für Kinder mit leichten Infekten geregelt? Werden die Eltern in Zukunft für die Betreuung kranker Kinder mehr als 10 Tage zugestanden bekommen? Wie wird die Arbeitswelt sich …

Barfußlaufen ist gesund!

Der Sommer naht – und der kleine Noah will gerne barfuß laufen. Er lacht, freut sich über die kitzelnden Grashalme, über die er viel lieber geht als über den pieksigen Kiesweg. Ist Barfußlaufen gut? Aber unbedingt! Der feste Kinderschuh mit dem guten Fußbett hat nämlich einen Nachteil: er stellt den Kinderfuß sozusagen ruhig. Die Fußmuskeln müssen beim Barfußlaufen arbeiten, zum Beispiel kleinere Bodenunebenheiten ausgleichen. Das Fußgewölbe wird gestärkt. Zudem werden ohne Schuhe die Nerven der Fußsohlen stimuliert, was die Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns fördert. Daraus kann man auch ein Spiel machen. Lassen Sie Ihr Kind einmal mit den Füßen Gegenstände abtasten und erraten oder kleinere Gegenstände mit den Zehen greifen und aufheben. Oder besuchen Sie einmal mit den Kindern einen Barfußpfad: wer erkennt Sand, Moos, Steine, Tannenzapfen oder Schotter mit den Füßen? Und schon trainiert der Kinderfuß Hinspüren, Kraft und Koordination. Natürlich sollte man beim Barfußlaufen darauf achten, dass die Kinder nicht durch herumliegende Glasscherben oder Ähnliches verletzt werden können. Und auch der Tetanusschutz ist wichtig. Und noch eine Möglichkeit ist erwähnenswert: der …

Wir brauchen einen alltagstauglichen Algorithmus im Umgang mit Corona

Diese Situation erleben wir derzeit nicht selten: Ein Kind hat ein (scheinbares) gesundheitliches Problem und Kindergärten oder Schule schlagen aus Angst vor Corona Alarm. Eventuell ganz umsonst! Die Leidtragenden sind zunächst die Kinder und ihre Eltern. Aber die Beschäftigten in Kindergärten und Schulen sind es auch! Dabei kann man den Kindergärten und Schulen gar keinen Vorwurf machen: Zu groß sind die Unsicherheit, die Angst und die Unklarheit hinsichtlich des Umgangs mit Corona. Zu gering unser Wissen über das Virus. Dennoch plädieren wir für einen möglichst rationalen Umgang mit der Seuche. Es macht beispielsweise keinen Sinn, dass sich Kinder solange die Hände desinfizieren müssen, bis die Haut rot, rissig und blutig ist. Es macht auch keinen Sinn, Kinder mit Dellwarzen nach Hause zu schicken, weil es ja einen Zusammenhang zu Corona geben könnte. Und nur eine laufende Nase ist ebenfalls keine Erkrankung oder ein Symptom, das isoliert eine Coronainfektion wahrscheinlich macht. Nur drei Beispiele aus der Sprechstunde. Ein Pädagoge muss und soll keine Krankheiten diagnostizieren. Aber ein rationaler und möglichst einheitlicher Umgang wird dennoch immer wichtiger. …