Alle Artikel in: Kindererziehung

Die großen Belastungen für die Familien durch Corona

Homeschooling, Homeoffice, Kurzarbeit, Existenzängste und Kinder ohne gewohnte Struktur oder normalen Tagesplan: Die Belastungen, die Familien geschultert haben und schultern, sind enorm. Dies wird auch durch Studien erfasst und klar belegt. Es handelt sich also eben nicht um Gejammer auf hohem Niveau! Mehr als 11,1 Millionen Kinder und Jugendliche waren in Deutschland von der Schließung der KiTas und Schulen betroffen. Damit auch 6,5 Millionen Elternpaare und knapp 1,5 Millionen Alleinerziehende. Zur Erinnerung: Die Einwohnerzahl der Bundesrepublik beträgt rund 83 Millionen. Natürlich ist das Ausmaß der Belastung abhängig von der jeweiligen Situation der Familien wie Wohnraumgröße, Einkommen etc.. Die langfristigen Folgen der Krise sind derzeit nicht absehbar und auch abhängig von den politischen Entscheidungen der nächsten Wochen und Monate. Gerade auch mit Blick auf die zweite Erkrankungswelle, die im Herbst erwartet wird und für die nun die Weichen gestellt werden müssen. Wie wird der Besuch von KiTas und Schulen für Kinder mit leichten Infekten geregelt? Werden die Eltern in Zukunft für die Betreuung kranker Kinder mehr als 10 Tage zugestanden bekommen? Wie wird die Arbeitswelt sich …

Barfußlaufen ist gesund!

Der Sommer naht – und der kleine Noah will gerne barfuß laufen. Er lacht, freut sich über die kitzelnden Grashalme, über die er viel lieber geht als über den pieksigen Kiesweg. Ist Barfußlaufen gut? Aber unbedingt! Der feste Kinderschuh mit dem guten Fußbett hat nämlich einen Nachteil: er stellt den Kinderfuß sozusagen ruhig. Die Fußmuskeln müssen beim Barfußlaufen arbeiten, zum Beispiel kleinere Bodenunebenheiten ausgleichen. Das Fußgewölbe wird gestärkt. Zudem werden ohne Schuhe die Nerven der Fußsohlen stimuliert, was die Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns fördert. Daraus kann man auch ein Spiel machen. Lassen Sie Ihr Kind einmal mit den Füßen Gegenstände abtasten und erraten oder kleinere Gegenstände mit den Zehen greifen und aufheben. Oder besuchen Sie einmal mit den Kindern einen Barfußpfad: wer erkennt Sand, Moos, Steine, Tannenzapfen oder Schotter mit den Füßen? Und schon trainiert der Kinderfuß Hinspüren, Kraft und Koordination. Natürlich sollte man beim Barfußlaufen darauf achten, dass die Kinder nicht durch herumliegende Glasscherben oder Ähnliches verletzt werden können. Und auch der Tetanusschutz ist wichtig. Und noch eine Möglichkeit ist erwähnenswert: der …

Wir brauchen einen alltagstauglichen Algorithmus im Umgang mit Corona

Diese Situation erleben wir derzeit nicht selten: Ein Kind hat ein (scheinbares) gesundheitliches Problem und Kindergärten oder Schule schlagen aus Angst vor Corona Alarm. Eventuell ganz umsonst! Die Leidtragenden sind zunächst die Kinder und ihre Eltern. Aber die Beschäftigten in Kindergärten und Schulen sind es auch! Dabei kann man den Kindergärten und Schulen gar keinen Vorwurf machen: Zu groß sind die Unsicherheit, die Angst und die Unklarheit hinsichtlich des Umgangs mit Corona. Zu gering unser Wissen über das Virus. Dennoch plädieren wir für einen möglichst rationalen Umgang mit der Seuche. Es macht beispielsweise keinen Sinn, dass sich Kinder solange die Hände desinfizieren müssen, bis die Haut rot, rissig und blutig ist. Es macht auch keinen Sinn, Kinder mit Dellwarzen nach Hause zu schicken, weil es ja einen Zusammenhang zu Corona geben könnte. Und nur eine laufende Nase ist ebenfalls keine Erkrankung oder ein Symptom, das isoliert eine Coronainfektion wahrscheinlich macht. Nur drei Beispiele aus der Sprechstunde. Ein Pädagoge muss und soll keine Krankheiten diagnostizieren. Aber ein rationaler und möglichst einheitlicher Umgang wird dennoch immer wichtiger. …

Langfristige Aspekte der Covid-Pandemie

Es setzt sich nun zunehmend die Einsicht durch, daß uns Covid19 noch lange begleiten und den Alltag bestimmen wird. Und nun? Ob Beruf, Familie, Beschulung der Kinder, gesellschaftliche Bereiche wie Kunst und Kultur, Finanzen, Verwaltung, kurz einfach alles läuft nun anders ab als bisher. Nach Wochen des Lockdown wird nun langsam klar, wie sehr die Pandemie unser aller Leben komplett und langfristig geändert hat bzw. es weiter verändern wird. Nein, auch in einigen Monaten ist das Coronavirus nicht verschwunden und wir werden lernen müssen, damit auch langfristig umzugehen. Und unsere Kinder auch. Generationen vor uns haben Krisen, Kriege und Pandemien überstanden und bewältigt, deshalb werden wir das in 2020 auch schaffen. Aber wir brauchen nun Mut, neue und intelligente Konzepte in allen Bereichen, kreative Ideen, Ehrlichkeit, Solidarität und Flexibilität. Und viel Geduld und Ausdauer. Die langfristige Perspektive der Pandemie sollten wir auch den Kindern und Jugendlichen aufrichtigerweise vermitteln. Sie sollen ihren Optimismus für Ihr Leben dennoch behalten. Das gelingt nicht durch Beschönigen, sondern durch ehrliches Darstellen der Fakten und durch das Vermitteln von gangbaren Lösungsstrategien …

Ist die Öffnung der Kindergärten und Schulen möglich?

Ist die Öffnung der Kindergärten und Schulen in der Coronazeit möglich? Ein aktuell heiß diskutiertes Thema, nicht nur bei Eltern und nicht nur in Deutschland. Am 18.5.2020 veröffentlichten namhafte medizinische Fachgesellschaften (DGKH mit DGPI und DAKJ) in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Kinderärzte (bvkj e.V.), eine Stellungnahme mit dem Titel: Kinder und Jugendliche in der CoVid-19-Pandemie: Schulen und Kitas sollen wieder uneingeschränkt geöffnet werden. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die allgemeinen Hygieneregeln stehen dem nicht entgegen. Darin wir ausgeführt: “Nach Ansicht der unterzeichnenden Fachgesellschaften zeigen die bislang veröffentlichten Analysen über die Ausbreitungsdynamik von SARS-CoV-2 und die Verläufe von CoVid-19, daß Kinder im Vergleich zu Erwachsenen eine deutlich untergeordnetere Rolle in der Verbreitung des Virus einnehmen… Insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren sprechen die aktuellen Daten sowohl für eine geringere Infektions- als auch für eine deutlich geringere Ansteckungsrate. Über die Ursache dieser geringeren Virus-Transmission liegen aktuell noch keine ausreichenden Belege vor.” Die zitierte Stellungnahme ist detailliert mit Daten begründet. Die Politik und die Gesellschaft als Ganzes muß nun abwägen. Sind die Ergebnisse …

Mit Kindern essen: „Ich ess’ es heute nicht, ich ess’ es morgen nicht, ich ess’ es niiiiiiiie!!“ (Ein Gastbeitrag von Inke Hummel)

Unsere Gastautorin Inke Hummel ist Pädagogin und arbeitet selbständig als Familienbegleiterin bei „sAchtsam Hummel“ sowie als Leiterin für Eltern­-Kind­-Kurse und Bloggerin. Als Coach mit entwicklungspsychologischer und bindungstheoretischer Ausrichtung unterstützt sie Familien im ersten Babyjahr, in der Kindergarten­ und Grundschulzeit sowie in der Pubertät. Besonders häufig begleitet sie Eltern mit gefühlsstarken Kindern und verhilft ihnen zu einer gelingenden Eltern­-Kind­-Bindung. Im Verein „Bindungs(t)räume“ setzt sie sich dafür ein, dass Eltern und Pädagogen die Bedürfnisse von Kindern besser verstehen. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern in Bonn. Ihre Impulse rund um Eltern-Kind-Bindung und mehr findet man auf Twitter unter https://twitter.com/HummelFamilie sowie auf den Blogs https://bindungstraeume.de/ und https://inkehummel.de/blog. Im August erscheint ihr Ratgeber „Miteinander durch die Pubertät“ im humboldt Verlag, im Oktober ihr erstes Kinderbuch im claus Verlag – mehr Informationen gibt es unter https://inkehummel.de/buecher.   Mit Kindern essen: „Ich ess’ es heute nicht, ich ess’ es morgen nicht, ich ess’ es niiiiiiiie!   Immer wieder begegnet mir die Ansicht, es sei höflich, Essen wenigstens zu probieren, und es nicht zu tun, wird …

Es gibt besonders bewundernswerte Familien!

Hut ab, was manche Familien schultern. Nach der Sprechstunde geht es noch los zu einem Hausbesuch. Die Familie wohnt in einem kleinen Dorf auf dem Land. Unsere kleine Patientin, wir nennen sie an dieser Stelle einmal Klara, ist ein schwer krankes Mädchen, muss beatmet werden und braucht rund um die Uhr medizinische und pflegerische Betreuung. Die Eltern kümmern sich liebe- und aufopferungsvoll um ihre Tochter, ein Pflegedienst unterstützt sie nachts. Klara muss oft abgesaugt werden, hat oft Schmerzen, Krampfanfälle treten fast täglich auf. Häufige Klinikaufenthalte bestimmen den Alltag ebenso wie auch viel Bürokratie und Korrespondenz mit der Krankenkasse. Oft werden die Kosten für Hilfsmittel nicht übernommen, steriles Wasser (notwendig für das Beatmungsgerät) ist zum Beispiel schon ein Problem. Bei den Therapien stehen die Eltern vor dem Problem, dass längst nicht alle Therapeuten bereit sind, die Fahrten für Hausbesuche auf sich zu nehmen. Und dennoch: keine Verbitterung ist zu spüren! Bewundernswert meistern Klaras Eltern jeden Tag, mit allen Hochs und Tiefs. Klaras große Schwester kommt auch zu ihrem Recht und es wird auch viel gelacht in …

Babytalk

Kennen Sie es von sich selbst? Sie stehen vor Ihrem Baby und sprechen automatisch höher als normal, betonter, verziehen dabei das Gesicht und verwenden einfache Worte. Und Baby gluckst und hört zu. Wie kommt es zu dem sogenannten Babytalk? Man vermutet, dass diese Art, mit kleinen Kindern zu sprechen, tief biologisch verwurzelt ist. Babytalk ist auch in sehr vielen Kulturen und Sprachen bekannt. Es gibt jedoch auch Länder, in denen Babysprache praktisch nicht vorkommt, etwa im Westen Kenias oder auf Yucatan. Der Sinn der Babysprache ist im Kern, Aufmerksamkeit beim Kind zu erregen. Babys und Kleinkinder folgen dem Babytalk nachweislich durch Studien belegt aufmerksamer und hören lieber zu. Und so wird das Sprechenlernen gefördert. Vieles machen wir Eltern an dieser Stelle also ganz intuitiv richtig. Es braucht für eine normale Sprachentwicklung deshalb typischerweise auch keine speziellen Fördermaßnahmen. Aber natürlich können und sollen wir das Sprechenlernen im Alltag fördern. Aber entspannt! Es genügt, mit dem Kind im Alltag viel zu reden, zu singen, vorzulesen und zu spielen – aber das tun Sie sowieso automatisch. Und schon …

Kinder zum eigenständigen Denken erziehen

Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas wurden im Januar wieder die Neuheiten des Jahres vorgestellt. Unter anderem gab es intelligente Haushaltsgeräte, die den modernen Alltag erleichtern sollen, wie zum Beispiel Abfalleimer, die erkennen, was weggeworfen wird und dem Besitzer sagen, was er nachkaufen muss; oder ein Kühlschrank, der den Inhalt erkennt und dem Benutzer gleich passende Rezeptvorschläge unterbreitet. Warum greifen wir das hier auf? Unsere Kinder werden immer mehr mit einer technologisierten Welt und mit künstlicher Intelligenz konfrontiert sein. Keine Frage – moderne Technik kann wertvoll sein. Das sehen wir gerade auch in der Coronakrise! Unsere Kinder werden da auch reinwachsen und lernen, die Technologie für sich zu nutzen. Unsere Kinder mögen uns die Technik erklären können, aber müssen sie – überspitzt formuliert – googeln, um Teewasser kochen oder einen Nagel in die Wand klopfen zu können? Und werden sie auch Kompetenzen, Wissen und eigenständiges Denken erworben haben, die wichtig sind, wenn die Technik einmal nicht verfügbar ist oder gar in die falsche Richtung lenkt? Haben unsere Kinder dann die notwendige gesunde Skepsis gegenüber …