Monate: September 2019

Bleiben Sie mit Ihrem Kind an der roten Ampel stehen?

Natürlich bleiben Sie mit Ihrem Kind an der roten Fußgängerampel stehen. Es soll ja die Regel lernen, dass rot „stopp“ bedeutet. Im jungen Alter bis etwa 6 oder 8 Jahre werden Regeln einfach als richtig oder falsch wahrgenommen. Es gibt nichts dazwischen. Danach wird das Kind aber anfangen, Regeln zu hinterfragen. Und dann ist die rote Ampel ein sehr gutes Beispiel. Mir persönlich war es immer lieber, dass meine Kinder nicht nur die Regel „rote Ampel heisst Stopp“ gelernt haben, sondern vor allem auch, dass sie schauen sollen, ob Autos kommen. Und ob sie ungefährdet gehen können. Und zwar auch bei grün. Und auch, wenn sie (etwa in einer übermütigen Gruppe) die rote Ampel missachten und bei rot gehen, was ja übrigens auch in manchen anderen Ländern und Städten toleriert ist. Letztlich geht es nicht um das sture Einhalten von Regeln, sondern um den Sinn dahinter – hier um die Unversehrtheit im Straßenverkehr. Vielleicht fallen Ihnen ja noch andere Beispiele ein, in denen dasselbe gilt. Dann freue ich mich auf Zuschriften….

Von Magnet-Mamas und sterbenden Schwänen

Ein Phänomen begegnet mir in der Praxis immer wieder – das Zusammentreffen von sterbenden Schwänen und Magnetmamas. Und man kann Einiges daraus ablesen zur Frage: wieviel Schutz braucht ein Kind, und wieviel Selbständigkeit. Das Schauspiel.  Die Rollen: Hauptdarsteller 1 hat ein Kind in einem Alter, in dem es eigentlich schon viele viele Dinge mutig und allein durchführen kann, und diese Dinge auch alleine schafft, zum Beispiel im Kindergarten. Zur großen Freude aller. Hauptdarstellerin 2 ist z.B. eine Mama (zur Genderneutralität siehe unten), die eine sehr gute Mama ist und ihr Kind liebt (wie alle Mamas) und die ihr Kind nie im Stich lassen würde (wie alle Mamas). Nebendarsteller ist in meinem Fall der Arzt. Er spielt eigentlich keine echte Rolle. Er ist lediglich der Aufhänger, an dem sich das Schauspiel entzündet. Die Handlung: Hauptdarsteller 1, der im Kindergarten und beim Spiel in der Gruppe ansonsten immer mutig und forsch auftritt, klammert sich in dem Augenblick, in dem es vom Nebendarsteller um eine völlig harmlose Handlung gebeten wird (sagen wir mal, zum Beispiel um eine kurze …

Streit um den richtigen Erziehungsstil

Sie werden zum Beispiel Pandamamas oder Tigermamas genannt und streiten heftig, teilweise dogmatisch und mit Sendungsbewusstsein über den besten Kindererziehungsstil. Es ist in dieser Diskussion kein Ende in Aussicht. Und was macht man nun als Normalo draus? Keine Frage, die Erziehung ist eine Herausforderung. Wie weit lasse ich das Kind los, lasse es eigene Erfahrungen machen mit der Gefahr, sich auch einmal eine blutige Nase zu holen und rechne mich dem Pandalager zu? Oder wie eng setze ich Grenzen, übe Druck aus und bringe das Kind zu bestimmten Leistungen, die aber nicht aus innerer, eigener Motivation heraus kommen, und bezeichne mich als Tiger? Fragen, über die man diskutieren kann und die sich jeder letztendlich selbst beantworten muss! Nicht dass Anregungen von außen immer schlecht wären! Wahrscheinlich ist es dennoch das Beste, sich von all diesen Begrifflichkeiten frei zu machen, die Ratgeber und Artikel zur Seite zu legen und mit gesundem Menschenverstand zu überlegen, was Sinn in der Erziehung des eigenen Kindes macht. Womit ist man selbst authentisch, fühlt sich wohl, kann eigene Werte, Strukturen und …

Offen und auf Augenhöhe

Kommunikation mit Jugendlichen – hmmm, schwierig? Ja vielleicht, aber es gibt auch einige Dinge, die Jugendliche berechtigterweise einfordern und die den Umgang deutlich erleichtern. Miriam, 14 Jahre, kommt nach der Schule heim. Nach der Begrüßung kommt ihre Mutter schnell auf die E-Mail zu sprechen, die sie an diesem Tag vom Englischlehrer bekam. Miriam hat wiederholt die Hausaufgaben nicht gemacht, soll nacharbeiten und die Eltern sollen mit Miriam ernsthaft sprechen. Von dieser E-Mail bzw. der geplanten Kontaktaufnahme des Lehrers mit ihren Eltern wusste Miriam nun aber nichts. Sie wird wütend, fühlt sich hintergangen und ist einem weiteren Gespräch mit ihrer Mutter zunächst einmal nicht mehr zugänglich. Sie ist schließlich kein kleines Kind mehr! Wumms, die Türe ihres Zimmers fliegt zu. Im weiteren Verlauf des Nachmitttags tauschen sich Miriam und ihre Mutter noch einmal aus. Sie gehen in der nächsten Sprechstunde gemeinsam zu der Lehrkraft, besprechen den Vorfall und die Sachlage. Für Miriam das Wichtigste, nachdem der schulische Teil besprochen wurde: Offene Kommunikation, nicht hinter ihrem Rücken! Wenn der Lehrer die Eltern kontaktieren will, soll er ihr …