Autor: Dr. med. Gerald Hofner

Wir sind dann mal weg….

Wir wünschen all unseren kleinen und großen Patienten sowie unseren Blog-Lesern eine wunderbar erholsame und erfahrungsreiche Urlaubszeit. Auch der Kinderarztblog macht Urlaub. Sie lesen uns Anfang September wieder, so Sie wollen…. Bis dahin! Machen Sie es sich sonnig – außen oder innen, weit weg oder ganz nah! Und möglichst gesund. Und benehmen Sie sich im Flugzeug ordentlich…:)  

Tipp der Woche – die Kinderoper bei den Festspielen

Auch dieses Jahr gabe s bei den gerade zu Ende gegangenen Wagner Festspielen in Bayreuth die Kinderoper. Im 11. Jahr – und dieses Mal die Meistersinger von Nürnberg. Das Herzensprojekt Kinderoper hat Wagners Urenkelin und Festspiel-Chefin Katharina Wagner mit ihrem Team wieder auf eine sehenswerte und kurzweilige Version von 80 Minuten gekürzt und für Kinder angepasst. Eine wunderbare Heranführung der Kleinen an Musik, Theater und Kultur. Und gleichzeitig lustig wie ein Puppentheater. Mein Tipp! und eigentlich wieder drei Tipps: Nächstes Jahr einfach unkompliziert per eMail Karten bestellen – über die Seite der BF Medien der Bayreuther Festspiele! Auch Erwachsene dürfen mit! Wer meine Beschreibung lesen möchte – man findet sie hier unter klassik-begeistert.de Wer danach Lust bekommen hat, und vielleicht noch ein hochwertiges Geschenk sucht, etwa für Weihnachten – es gibt die DVD der Kinderoper kurzfristig im Handel. Viel Spaß! Abbildungsnachweis: Foto © Enrico Nawrath    

Literarisches zum Urlaubsstart

Ein literarischer Appell – von unserer Gastautorin Malyschka Kennen Sie das weiße Kaninchen aus der Geschichte Alice im Wunderland? Zu spät, zu spät, zu spät….. Sind wir zu spät? Nein, eigentlich nicht, denn, wir haben im Wesentlichen alles gut im Griff. Vom Familienleben über Job, Partnerschaft, Freizeitgestaltung; wir fördern unsere Kinder so wie wir es gut finden, ermöglichen ihnen und uns eine schöne Freizeitgestaltung. Alles gut – alles läuft! Bis dann, ja dann, leider unvermeidbar, diese nicht so schönen Viren auf uns treffen, die unseren nahezu perfekt organisierten Alltag, meistens über Nacht oder von einer Stunde auf die nächste, plötzlich  durcheinander bringen. Weniger schlimm, dass unsere Kinder dann die Schule/den Kindergarten nicht besuchen können, richtig schlimm, oh Mist, so viele berufliche Termine sind für die nächsten Tage geplant. Man sieht im Geiste die böse Herzkönigin (Chef) aufstöhnen, sieht den Herzbuben mit seiner ganzen Armee (Kollegen) aufziehen und hat sofort ein nicht ganz so gutes Gefühl. Dabei ist es jetzt doch immens wichtig, dass wir uns in Ruhe und mit voller Aufmerksamkeit um unser krankes Kind …

Tipp der Woche – Redet!

Reden Sie – ein kurzes Plädoyer inkl. Buchtipps – von unserer Premiumleserin und Autorin Malyschka (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt) Klar, unser digitales Zeitalter hat durchaus seine Vorteile, allerdings kommt doch oft, oder immer öfter, viel Wesentliches zu kurz; zum Beispiel das miteinander reden. Gemeint ist dabei nicht die Kommunikation mittels kurz und/oder hektisch getippten Wörtern, sondern die verbale Kommunikation. Sprache und sprechen haben ein ästhetisches Potential. Nur mit gesprochenen Worten kann man so vieles ausdrücken, vermitteln und auch bewirken. Nur so kann man Emotionen (egal welche) richtig weitergeben. Die Sprachgewalt an sich wird oft unterschätzt. Dass Vorlesen gut ist wissen wir und auch durch das Vorlesen kann Kindern die Prächtigkeit unserer Sprache sehr gut vermittelt werden. Lesen Sie ihrem Kind zum Beispiel aus dem Buch „Kakadu und Kukuda“ von Paul Maar vor. Dieser Autor beherrscht (fast) wie kein anderer das Spiel mit den Wörtern und die damit verbundene Aussagekraft. Und lustig ist es obendrein. Nebenbei kommunizieren Sie  auch auf die sicher richtige Weise mit Ihrem Kind. Auch träumen über den Tag kommt als …

Schulmedizin oder natürlich heilen?

Ein bewusst provokanter Titel. Denn in meiner langjährigen Sicht auf die Kindermedizin kristallisiert sich immer mehr heraus, dass dies in vielen Fällen kein Widerspruch ist. Weil Medizin, Gesundheit und Wohlbefinden  eben ganzheitlich zu betrachten ist. Das, was wir im Allgemeinen als Schulmedizin bezeichnen, hat seine Grundlage im wissenschaftlichen Beleg für bestimmte therapeutische Maßnahmen. Die sind oft zugegebenermaßen aber auch nicht eindeutig – oder für den Einzelfall zutreffend. Dennoch wird kein Mensch mit Rest-IQ auf das Pendeln als Hauptmethode bei der Behandlung eines angeborenen Herzfehlers setzen. Umgekehrt bedeutet „natürlich heilen“ nicht, dass es automatisch wirkungslos ist. Viele heutige schulmedizinische Medikamente entstammen ja auch ursprünglich der Natur. Denken Sie nur an Penicillin. Und auch andere ganzheitliche Methoden (etwa die Gesprächstherapie, die Wirkung des Körperkontakts oder physikalische Heilmethoden) sind unbestritten wirksam. Ein Grund, warum auch ich mich für mehr Vertrauen in den Einsatz natürlicher Methoden stark mache, z.B. mit physikalischer Fiebersenkung statt Ibuprofen oder Paracetamol. Dennoch gibt es Grenzen. Die sind für mich dann erreicht, wenn eine dringend notwendige Therapie durch wirkungslose „natürliche Heilung“ verpasst wird. Nicht ganz …

Unser Herz bestimmt mit, welche Musik wir hören – und wie wir das nutzen können

Ein Thema, das mich als Kinderkardiologe und Musiker, besonders interessiert: Wir wählen die Musik, bei der wir uns gerade wohlfühlen (also die wir gerade mögen) nicht zufällig aus. Es hat auch mit der Herzschlagzahl zu tun. Was passiert. Wir fühlen uns dann bei einer Musik wohl, wenn Herzschlagzahl und Schlagrhythmus der Musik übereinstimmen – oder wenn wir das Herz gerne in einer schnelleren oder ruhigeren Frequenz hätten. Die langsamere Musik hören wir beim Abschalten und Entspannen – also eine Schlagzahl von 60-70/min. Im Club aber, beim Tanzen, oder zum Aktivieren mögen wir schnellere Rhythmen. Machen Sie den Test: Dieser Song dürfte im Niveau Ihrer Ruheherzfrequenz liegen. Wohlfühlmusik. Das beschriebene Phänomen kann auch bewusst eingesetzt werden – etwa zum Simulieren von Aufregung etwa bei Verfolgungsjagden im Kino (Musik, die immer leicht oberhalb der durchschnittlichen Herzfrequenz liegt). Aber auch bei Kindern oder bei einem selbst. Beim Sex, beim Sport, zum Abschalten, zum Einschlafen – wir können mit Musik unsere innere Energie mitbestimmen. Das hängt zum Großteil am Abgleich mit unserer inneren Frequenz – der Herzfrequenz eben. Und …

Die Masernimpfung. Eine persönliche Betrachtung zu Sicherheit und Effektivität.

Masern nehmen wieder zu aufgrund der Impfmüdigkeit. Und der Bundesgesundheitsminister hat nun einen Gesetzentwurf zur Impfpflicht vorgelegt. Ob eine Impfpflicht (mit allen Konsequenzen) der richtige Weg ist, ist umstritten. Auch aus rechtlichen Gründen habe ich da meine persönlichen Bedenken. Sicher ist allerdings, dass ungeimpfte Personen ein Risiko für die Weiterverbreitung darstellen. Ich möchte die aktuelle Diskussion zum Anlass nehmen, einmal meine persönlichen Erfahrungen mit Impfungen und mit Masern zu schildern – nach vielen Jahren Universitätsklinik und inzwischen 15 Jahren praktischer Kinderheilkunde. Und damit auch wilden Gerüchten und Verschwörungstheorien entgegentreten, die im Internet kursieren. Zuerst das Wichtigste: Impfungen in Deutschland sind sicher! Und Impfungen sind effektiv. Vielleicht die effektivsten Medikamente überhaupt. Während manche andere Medikamente die Zulassung und Verschreibungsfähigkeit bekommen, die ein Ansprechen von nicht einmal 30% haben, oder eine Heilungsrate von 5%, weisen etwa die Lebendimpfstoffe nach zweimaliger Gabe eine Schutzrate von nahe 100% auf. Was die Sicherheit betrifft – ich habe in all den vielen Jahren keinen einzigen Impfschaden erlebt – von den Folgen der Pockenimpfung einmal abgesehen (die wegen der konsequenten Impfung damals …

Was sollte ich vor, bei und nach Impfungen (meines Kindes) beachten?

Impfungen sind sicher und effektiv. Vielleicht die effektivsten Medikamente überhaupt. Daran gibt es wenig begründete Zweifel. Aber was sollte an Impftagen und danach dennoch beachtet werden? Was sollte am  Impftag beachtet werden? Allgemein sollte nicht in einen Infekt hineingeimpft werden, der bereits das Immunsystem, das ja immer im Ruhemodus im Hintergrund mitläuft, aufgeweckt hat. Das bedeutet – Impfung verschieben, wenn Fieber oder merkbares Krankheitsgefühl vorhanden sind. An Impftagen dürfen Sie Ihr Kind beobachten. Es wird vielleicht für maximal 48 Stunden etwas matter sein – so wie wenn ein leichter Schnupfen vorbeizieht. Bei Lebendimpfungen tritt dies mit einer Verzögerung von 5 bis 8 Tagen ein. Wenn es matter ist, schont sich das Kind automatisch selbst etwas. Wenn es sich nicht schont, dann müssen Sie es auch nicht in das Bett oder auf das Sofa zwingen. Allerdings sollten umgekehrt auch keine ungewohnten Anstrengungen stattfinden, kein intensives Sportprogramm, keine Bergtour, etc. Auch ungewohnte Hitze und starke Sonneneinwirkung ist zu vermeiden, weil dann der Impfstoff zu schnell aus dem Depot im Arm abgebaut wird. Wählen Sie für den Impftag …

Das Projektkind

In unserer Praxis erlebt man gelegentlich (mit ansteigender Häufigkeit) das Projektkind. Eingeplant zum idealen Zeitpunkt zwischen Karriere und Hausbau, perfekt organisierte, an klaren Kriterien orientierte Aufzucht, genaues Abwägen für jeden Entscheidungsschritt (von der Impfung bis zur Tagesstättenauswahl) und nicht zuletzt natürlich hohe Erwartungen an das „Ergebnis“. Ein Projekt eben. Ganz ähnlich eben einem beruflichem Projekt. Das erste Kind immer noch häufiger als jedes weitere. Das Ergebnis ist auch häufig klar formuliert – das Abitur steht da sicher weit oben in der Liste der Projektziele oder -teilziele. Aber auch Klavierunterricht, Ballett, Torschützenkönig können diese Ziele sein. Nicht, dass Ziele schlecht wären. Im Gegenteil. Ziele sind gut und nötig. Die entscheidende Frage ist aber: Was bleibt ohne die Ziele übrig? Oder besser: Wie stark fühlt ein Kind, dass es hauptsächlich dem Projekteifer der Eltern dient? Warum ich dieses Projektdenken kritisch sehe? Es handelt sich um einen Menschen, eine Persönlichkeit, mit Genen, die nur zu 50% mit den Elternteilen übereinstimmen. Ein Wesen, das unvoreingenommen akzeptiert werden will. Das Kind als Projekt bekommt aber eine Funktion. Es ist in …

Kindererziehung – Wie wichtig sind feste Regeln?

Das Schwierige an Erziehung ist, dass Kinder auf der einen Seite bestimmte Verhaltensweisen erlernen sollen, die für ein Leben in ihrer Umgebung (erst in der Familie, dann im Freundeskreis, später in Schule, Ausbildung und Gesellschaft) unabdingbar sind, sich auf der anderen Seite aber auch ihre eigene Persönlichkeit herausbilden können muss. Nichts ist unnatürlicher als ängstlich angepasste Kinder, die zwar aufs Wort hören, aber in erlernten Regeln so gefangen sind, dass sie ihre Persönlichkeit kaum entwickeln können und damit auch die Möglichkeiten, die sie hätten, nicht nutzen können. Und sind uns allen nicht die „Unerzogenen“ lieber, die sagen und tun, was sie denken? Aber auch das geht natürlich nur bis zu einer gewissen Grenze. Wie viele Regeln braucht also ein Kind? Es gibt zwei grundlegende Dilemmas bei der Entwicklung von Regeln in der Kindererziehung: Das Kind muss es selbst bleiben dürfen, sogar in seiner Art und Weise gefördert werden. Regeln, die dies antasten, zerstören nur. Jedes Kind ist anders als das nächste. Genetisch ist jedes Kind sogar nur zu 50% das Elternteil, das gerade erzieht. Regeln …