Autor: Dr. med. Gerald Hofner

Mit Kindern essen: „Ich ess’ es heute nicht, ich ess’ es morgen nicht, ich ess’ es niiiiiiiie!!“ (Ein Gastbeitrag von Inke Hummel)

Unsere Gastautorin Inke Hummel ist Pädagogin und arbeitet selbständig als Familienbegleiterin bei „sAchtsam Hummel“ sowie als Leiterin für Eltern­-Kind­-Kurse und Bloggerin. Als Coach mit entwicklungspsychologischer und bindungstheoretischer Ausrichtung unterstützt sie Familien im ersten Babyjahr, in der Kindergarten­ und Grundschulzeit sowie in der Pubertät. Besonders häufig begleitet sie Eltern mit gefühlsstarken Kindern und verhilft ihnen zu einer gelingenden Eltern­-Kind­-Bindung. Im Verein „Bindungs(t)räume“ setzt sie sich dafür ein, dass Eltern und Pädagogen die Bedürfnisse von Kindern besser verstehen. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und den drei Kindern in Bonn. Ihre Impulse rund um Eltern-Kind-Bindung und mehr findet man auf Twitter unter https://twitter.com/HummelFamilie sowie auf den Blogs https://bindungstraeume.de/ und https://inkehummel.de/blog. Im August erscheint ihr Ratgeber „Miteinander durch die Pubertät“ im humboldt Verlag, im Oktober ihr erstes Kinderbuch im claus Verlag – mehr Informationen gibt es unter https://inkehummel.de/buecher.   Mit Kindern essen: „Ich ess’ es heute nicht, ich ess’ es morgen nicht, ich ess’ es niiiiiiiie!   Immer wieder begegnet mir die Ansicht, es sei höflich, Essen wenigstens zu probieren, und es nicht zu tun, wird …

COVID19 – wie sich unsere Patienten verändert haben

Unser Leben hat sich verändert unter COVID19. Das muss man niemandem erzählen. Vielleicht ist aber für Sie interessant wie sich unsere Praxisabläufe und auch die Patienten verändert haben. Was ich bei den Familien wahrgenommen habe Trotz aller Einschränkung der täglichen Aktivitäten und auch der teils belastenden Home School haben wir keine deprimierten Kinder erlebt. Vielmehr wurde sogar häufig erwähnt, dass das gute Wetter und der fehlende Schuldruck wir eine Auszeit wahrgenommen wurde. Viele Familien haben diese Chance genutzt und damit das Beste aus dem gemacht, was erst einmal sowieso nicht zu ändern war. Deshalb gab es auch weniger Vorstellungen. Die vielen Vorstellungen mit psychosomatischen Beschwerden im Zusammenhang mit dem Druck der Schule waren komplett verschwunden. Natürlich auch die Beratungen im Zusammenhang mit Schulleistungen und Schullaufbahn. Natürlich haben wir viele Familien aus der ländlichen oder Kleinstadtumgebung. Ob meine Wahrnehmung in einer Großstadt mit fehlender Natur und beengten Wohnverhältnissen genauso wäre, weiß ich natürlich nicht. Auch Ängste der Kinder im Zusammenhang mit COVID19 waren nicht besonders ausgeprägt. Am ehesten waren es noch Ängste um kranke oder alte …

COVID19 & Kinder – eine aktualisierte Einschätzung

Ich werde oft gefragt, wie es nun weitergeht in der Corona-Krise. Natürlich aus Sicht der Kinder und Familien. Ich möchte Ihnen deshalb hier ein paar Einschätzungen von mir – auf Basis der verfügbaren Daten – mitgeben. Insbesondere auch aktuell zu der gestrigen Lockerung der gesetzlichen Beschränkungen. Was wissen wir über den Verlauf von COVID19 bei Kindern inzwischen? Kinder können ähnlich häufig erkranken, aber meist mit wenigen Symptomen. Meist stecken sie sich bei Erwachsenen (v.a. bei den Eltern und Betreuern) an. Aber Kinder können auch umgekehrt Erwachsene anstecken. Das sieht man in den Ergebnissen der viel beachteten Heinsberg-Studie. In den ersten zwei Lebensjahren können Kinder auch schwerer erkranken. Unabhängig von Grunderkrankungen. Ab dem 3. Lebensjahr werden schwerere Erkrankungen seltener. Grunderkrankungen können den Verlauf von COVID19 zwar schwerer machen, aber nicht in einem ähnlichen Ausmaß wie bei Erwachsenen. Das bedeutet, dass bei Kindern selbst Herzfehler oder ein gut eingestelltes Asthma bronchiale (um bei meinen Schwerpunktpatienten zu bleiben) den Verlauf nicht prinzipiell als Risiko anzusehen sind. Im Einzelfall kann diese Einschätzung bei besonderen Grunderkrankungen natürlich anders ausfallen. Fragen …

Das Übergewicht und die Psyche

Etwa 10% der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, 3% adipös. Übergewicht senkt nicht nur aufgrund der Risiken für die Gefäße und das Herz sowie den Stoffwechsel die Lebenserwartung. Übergewicht kann auch kräftig am Selbstbewusstsein kratzen, nochmals mehr in einer Zeit, in der Instagram die Welt mit vermeintlichen Traumfiguren überschwemmt. Aber wie vorbeugen oder behandeln? Übergewicht entsteht prinzipiell aus dem Missverhältnis von Kalorienaufnahme zu Kalorienverbrauch. Das ist medizinisch festgemeißelt und physikalisch logisch.  Aber warum kommt es bei manchen nun zu diesem Missverhältnis, bei anderen nicht. Und hier kommt die Psyche ins Spiel. Ich will hier natürlich nicht von guten Diät- oder Trainingsmaßnahmen abraten. Aber oft reicht dies alleine nicht, weil eben psychologische Faktoren jedem guten Plan einen Strich durch die Rechnung machen. Die Psyche spielt eben eine gewaltige Rolle beim Ess- und Bewegungsverhalten. Bekannt ist, dass phlegmatische oder depressive Persönlichkeiten eher Gewicht zunehmen (weil sie sich unbewusst weniger bewegen und damit weniger Energie verbrauchen). Und wer Frust schlecht abbauen kann, verliert oft den Antrieb zu Sport und Bewegung, oder benötigt Schokolade oder anderes „orales“ als Ausgleich. …

Das Covid19-Virus und die Kinder

Wir werden natürlich jetzt oft zum neuen Coronavirus und zu Covid19 gefragt. Ich fasse deshalb hier einmal den aktuellen Stand des Wissens aus Sicht eines Kinderarztes bzw. Kinderkardiologen und Kinderpneumologen zusammen. Covid19 ist eine völlig neuartige Erkrankung, die jetzt wie ein Tsunami durch die Welt gespült wird. Deshalb gibt es keine Erfahrung mit dem Virus, und auch noch wenige verlässliche Forschungsergebnisse. Was sicher ist: Leider ist Covid19 nicht nur eine „etwas bösere Grippe“. Und es trifft auch nicht nur alte oder kranke Menschen. Dass sich die Erkrankung so schnell verbreitet und auch in Einzelfällen so heftig verläuft, hat Wissenschaftler und Gesundheitspolitiker weltweit überrascht. Wir sehen in Italien, dass mit dem Virus nicht zu spaßen ist. Er ist höchstansteckend und deshalb nicht gut zu begrenzen. Auch wenn viele Infizierte nur leichte Symptome haben, kommt es in 10-15% der Fälle zu schweren Verläufen. Diese können aufgrund der Vielzahl plötzlich Erkrankter die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens aller Länder sehr rasch an die Grenze bringen. Folge wären dann steigende Zahlen an Todesfällen. Kinder sind generell glücklicherweise viel weniger stark betroffen …

Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall beginnt im Kindesalter

Es ist erschreckend, wie früh manchmal ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall ein Leben beenden kann oder es zumindest massiv beeinträchtigen kann. Die Ursache ist in den meisten Fällen ein Verschluss einer Herzkranzarterie (Herzinfarkt) oder der Halsschlagader (Schlaganfall). Dieser Verschluss passiert nur in den seltensten Fällen plötzlich (durch eine Embolie), sondern ist fast immer ein langsamer Prozess. Und zwar ein Prozess, der in vielen Fällen schon im Kindesalter beginnt. Der Prozess der Arterienverengung und damit Durchblutungsstörung heißt Atherosklerose oder Arteriosklerose. Beschleunigt wird dies durch die bekannten Risikofaktoren: Rauchen Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) Fettstoffwechselstörung (v.a. im Cholesterin-Stoffwechsel) Bluthochdruck Übergewicht Aus Studien wissen wir, dass erste Veränderungen der Arterien schon im Kindesalter nachweisbar sind, teilweise sogar schon im Vorschulalter. Nämlich dann, wenn eines oder mehrere dieser Risiken vorlagen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte setzt sich deshalb für ein Screening auf diese Risikofaktoren ein, speziell auf die Risiken des Fettstoffwechsels. Man kann es durch eine einfache Laboranalyse und eine klinische Untersuchung durchführen. Denn wenn eine Behandlung rechtzeitig beginnt, kann der „frühe“ Herzinfarkt oder der „frühe“ Schlaganfall noch gut verhindert …

Energy-Drinks Ursache für Todesfälle?

Energy-Drinks boomen. Jetzt schlagen Ärzte Alarm. Insbesondere die hohe Koffeindosis kann toxisch (giftig) wirken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beobachtet die Gruppe der Energy-Drinks bereits, nachdem Todesfälle im Zusammenhang mit erhöhtem Konsum dieser Getränke gesehen werden – schrecklich für ein Getränk, das eigentlich als Stimmungsmacher auf Partys gilt. Die Todesfälle werden auf die häufige Einwirkung hoher Mengen an Koffein auf den unreifen Körper des Kindes und insbesondere auf das kindliche Herz gesehen. Nachdem nun auch der Bayerische Rundfunk darüber in einer Reportage berichtet hat, möchte ich Ihnen das  Thema als Kinderkardiologe zusammenfassen. Was passiert – aus kardiologischer Sicht? Die andauernde erhöhte Zufuhr von Koffein stimuliert das Herz ähnlich wie andauernde Stress-Belastung. Das erhöht den Blutdruck und den Puls und kann zu einer Verdickung der Herzmuskulatur führen – vor allem bei ähnlichen Erkrankungen in der Familie. Dies kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Warum sind Energy-Drinks dann nicht verboten? Produkte können nur dann vom Markt genommen werden, wenn der Zusammenhang belegt ist. Gerade bei Kindern sind Studien, die das Risiko beweisen würden, aber aus ethischen Gründen kaum durchzuführen. Was …

Was kann verstärktes Schwitzen Ihres Kindes bedeuten?

Weil ich das oft gefragt werde und auch oft als Kinderkardiologe hinzugezogen werde: Kinder schwitzen oft stark und Eltern sind deshalb beunruhigt. Die gute Nachricht ist, dass Schwitzen in den allermeisten Fällen harmlos ist. Es ist dann oft einfach Ausdruck einer hohen Empfindlichkeit der Schweißdrüsen, so dass diese leicht reagieren – zum Bespiel auf Aufregung oder Freude oder auch auf Gewürze. Häufig findet sich dann auch ein Elternteil, das in der Kindheit stark schwitzte oder das noch im Erwachsenenalter auftritt. Natürlich kann Schwitzen auch Ausdruck der Überhitzung sein. Im Sommer wie auch im Winter (bei unzweckmäßiger Kleidung). Und sehr sehr selten Zeichen einer echten Erkrankung. Dies ist so selten und ungewöhnlich, dass Schwitzen dann in der Regel nicht das einzige Symptom ist. Schilddrüsenüberfunktion könnte eine solche seltene Ursache sein oder eben eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Wie erkennt man nun das krankhafte Schwitzen aufgrund einer Herz-Kreislauf-Erkrankung? Hier ist das Schwitzen Ausdruck einer Stressreaktion des Körpers, die aufgrund der unzureichenden Leistungsfähigkeit von Herz oder Kreislauf entsteht. Das bedeutet, dass in der Regel auch andere Zeichen dieser Herz- oder Kreislauf-Schwäche …

Körperlichkeit – ein Erziehungsauftrag (Teil 2: Sexualität vorbereiten)

Seinen Körper selbst wahrzunehmen, ist unheimlich wichtig. Das hatte ich in unserem letzten Blogartikel bereits mitgegeben. Es hat Bedeutung in der Vorbeugung und Früherkennung von Krankheiten und für Selbstbewusstsein und Entspannung. Neben Sport und körperlicher Anstrengung ist das zweite große Feld, in der der Mensch Körperlichkeit erlebt, die Sexualität. Und die beginnt natürlich schon im Kindesalter. Noch nicht als vollendete sexuelle Erfahrung, aber als Wahrnehmung beglückender körperlicher Nähe. Fachleute beklagen, dass beglückende sexuelle Erfahrungen seltener geworden sind –  trotz oder gerade wegen der moralischen Freizügigkeit und der stets verfügbaren Darstellung von sexuellen Inhalten in den Medien. Mit welch krassen pornographischen Inhalten Kinder und Jugendliche bereits früh konfrontiert werden, macht einem Angst. Medienpädagogen berichten schon seit Jahren über die Flut von sexuellen Inhalten, die etwa in der Schule verbreitet werden. Es sind Darstellungen, die Kinder überfordern, gerade, weil sie ihre eigentliche Körperlichkeit noch nicht entwickelt haben. Wie kann man sein Kind nun „vorbereiten“, einmal erfüllte sexuelle Erfahrungen zu machen? Körperliche Handlungen nicht tabuisieren (etwa die frühkindliche Neugier bei der Erforschung des eigenen Körpers) Sexuelle Themen altersgerecht …

Körperlichkeit – ein Erziehungsauftrag (Teil 1: Sport und Natur)

Seinen Körper selbst wahrzunehmen, ist unheimlich wichtig. Es hat Bedeutung in der Vorbeugung und Früherkennung von Krankheiten. Aber es ist auch für das Selbstbewusstsein und für die schöne Seite erfüllter Körperlichkeit wichtig. Unser Alltag ist aber nicht mehr besonders reich an körperlichen Erfahrungen – verglichen mit früheren Epochen. Körperliche Arbeit gibt es kaum mehr, Vereinssport verliert an Zulauf und Spiele sind elektronisch geworden. Selbst beglückende sexuelle Erfahrungen (glaubt man den Statistiken) scheinen trotz aller Freizügigkeit heutzutage abzunehmen. Doch davon im nächsten Blogartikel. Hier soll es erst einmal um Sport und Outdoor-Aktivitäten gehen. Um körperlichen. Nicht um sterilen „Computer-Sport“, der von jeder Körperlichkeit befreit ist. Mit dem Mitgliederschwund in Jugendsportvereinen ist auch die Anzahl der Kinder und Jugendlichen gesunken, die überhaupt noch die physischen Grenzen ihres Körpers testen. Welches unserer Kinder hat denn noch diese Erfahrungen gemacht – den Körper bei einer Fahrradrunde ausgepowert, bei einer Bergtour die Muskeln gespürt oder in einer Winterwanderung mit Wind und Wetter gekämpft. Wenn Sie jetzt rufen „Mein Kind schon“, dann haben Sie einen wichtigen Auftrag der Erziehung angenommen. Herzlichen …