Autor: Dr. med. Gerald Hofner

Schulmedizin oder natürlich heilen?

Ein bewusst provokanter Titel. Denn in meiner langjährigen Sicht auf die Kindermedizin kristallisiert sich immer mehr heraus, dass dies in vielen Fällen kein Widerspruch ist. Weil Medizin, Gesundheit und Wohlbefinden  eben ganzheitlich zu betrachten ist. Das, was wir im Allgemeinen als Schulmedizin bezeichnen, hat seine Grundlage im wissenschaftlichen Beleg für bestimmte therapeutische Maßnahmen. Die sind oft zugegebenermaßen aber auch nicht eindeutig – oder für den Einzelfall zutreffend. Dennoch wird kein Mensch mit Rest-IQ auf das Pendeln als Hauptmethode bei der Behandlung eines angeborenen Herzfehlers setzen. Umgekehrt bedeutet „natürlich heilen“ nicht, dass es automatisch wirkungslos ist. Viele heutige schulmedizinische Medikamente entstammen ja auch ursprünglich der Natur. Denken Sie nur an Penicillin. Und auch andere ganzheitliche Methoden (etwa die Gesprächstherapie, die Wirkung des Körperkontakts oder physikalische Heilmethoden) sind unbestritten wirksam. Ein Grund, warum auch ich mich für mehr Vertrauen in den Einsatz natürlicher Methoden stark mache, z.B. mit physikalischer Fiebersenkung statt Ibuprofen oder Paracetamol. Dennoch gibt es Grenzen. Die sind für mich dann erreicht, wenn eine dringend notwendige Therapie durch wirkungslose „natürliche Heilung“ verpasst wird. Nicht ganz …

Unser Herz bestimmt mit, welche Musik wir hören – und wie wir das nutzen können

Ein Thema, das mich als Kinderkardiologe und Musiker, besonders interessiert: Wir wählen die Musik, bei der wir uns gerade wohlfühlen (also die wir gerade mögen) nicht zufällig aus. Es hat auch mit der Herzschlagzahl zu tun. Was passiert. Wir fühlen uns dann bei einer Musik wohl, wenn Herzschlagzahl und Schlagrhythmus der Musik übereinstimmen – oder wenn wir das Herz gerne in einer schnelleren oder ruhigeren Frequenz hätten. Die langsamere Musik hören wir beim Abschalten und Entspannen – also eine Schlagzahl von 60-70/min. Im Club aber, beim Tanzen, oder zum Aktivieren mögen wir schnellere Rhythmen. Machen Sie den Test: Dieser Song dürfte im Niveau Ihrer Ruheherzfrequenz liegen. Wohlfühlmusik. Das beschriebene Phänomen kann auch bewusst eingesetzt werden – etwa zum Simulieren von Aufregung etwa bei Verfolgungsjagden im Kino (Musik, die immer leicht oberhalb der durchschnittlichen Herzfrequenz liegt). Aber auch bei Kindern oder bei einem selbst. Beim Sex, beim Sport, zum Abschalten, zum Einschlafen – wir können mit Musik unsere innere Energie mitbestimmen. Das hängt zum Großteil am Abgleich mit unserer inneren Frequenz – der Herzfrequenz eben. Und …

Die Masernimpfung. Eine persönliche Betrachtung zu Sicherheit und Effektivität.

Masern nehmen wieder zu aufgrund der Impfmüdigkeit. Und der Bundesgesundheitsminister hat nun einen Gesetzentwurf zur Impfpflicht vorgelegt. Ob eine Impfpflicht (mit allen Konsequenzen) der richtige Weg ist, ist umstritten. Auch aus rechtlichen Gründen habe ich da meine persönlichen Bedenken. Sicher ist allerdings, dass ungeimpfte Personen ein Risiko für die Weiterverbreitung darstellen. Ich möchte die aktuelle Diskussion zum Anlass nehmen, einmal meine persönlichen Erfahrungen mit Impfungen und mit Masern zu schildern – nach vielen Jahren Universitätsklinik und inzwischen 15 Jahren praktischer Kinderheilkunde. Und damit auch wilden Gerüchten und Verschwörungstheorien entgegentreten, die im Internet kursieren. Zuerst das Wichtigste: Impfungen in Deutschland sind sicher! Und Impfungen sind effektiv. Vielleicht die effektivsten Medikamente überhaupt. Während manche andere Medikamente die Zulassung und Verschreibungsfähigkeit bekommen, die ein Ansprechen von nicht einmal 30% haben, oder eine Heilungsrate von 5%, weisen etwa die Lebendimpfstoffe nach zweimaliger Gabe eine Schutzrate von nahe 100% auf. Was die Sicherheit betrifft – ich habe in all den vielen Jahren keinen einzigen Impfschaden erlebt – von den Folgen der Pockenimpfung einmal abgesehen (die wegen der konsequenten Impfung damals …

Was sollte ich vor, bei und nach Impfungen (meines Kindes) beachten?

Impfungen sind sicher und effektiv. Vielleicht die effektivsten Medikamente überhaupt. Daran gibt es wenig begründete Zweifel. Aber was sollte an Impftagen und danach dennoch beachtet werden? Was sollte am  Impftag beachtet werden? Allgemein sollte nicht in einen Infekt hineingeimpft werden, der bereits das Immunsystem, das ja immer im Ruhemodus im Hintergrund mitläuft, aufgeweckt hat. Das bedeutet – Impfung verschieben, wenn Fieber oder merkbares Krankheitsgefühl vorhanden sind. An Impftagen dürfen Sie Ihr Kind beobachten. Es wird vielleicht für maximal 48 Stunden etwas matter sein – so wie wenn ein leichter Schnupfen vorbeizieht. Bei Lebendimpfungen tritt dies mit einer Verzögerung von 5 bis 8 Tagen ein. Wenn es matter ist, schont sich das Kind automatisch selbst etwas. Wenn es sich nicht schont, dann müssen Sie es auch nicht in das Bett oder auf das Sofa zwingen. Allerdings sollten umgekehrt auch keine ungewohnten Anstrengungen stattfinden, kein intensives Sportprogramm, keine Bergtour, etc. Auch ungewohnte Hitze und starke Sonneneinwirkung ist zu vermeiden, weil dann der Impfstoff zu schnell aus dem Depot im Arm abgebaut wird. Wählen Sie für den Impftag …

Das Projektkind

In unserer Praxis erlebt man gelegentlich (mit ansteigender Häufigkeit) das Projektkind. Eingeplant zum idealen Zeitpunkt zwischen Karriere und Hausbau, perfekt organisierte, an klaren Kriterien orientierte Aufzucht, genaues Abwägen für jeden Entscheidungsschritt (von der Impfung bis zur Tagesstättenauswahl) und nicht zuletzt natürlich hohe Erwartungen an das „Ergebnis“. Ein Projekt eben. Ganz ähnlich eben einem beruflichem Projekt. Das erste Kind immer noch häufiger als jedes weitere. Das Ergebnis ist auch häufig klar formuliert – das Abitur steht da sicher weit oben in der Liste der Projektziele oder -teilziele. Aber auch Klavierunterricht, Ballett, Torschützenkönig können diese Ziele sein. Nicht, dass Ziele schlecht wären. Im Gegenteil. Ziele sind gut und nötig. Die entscheidende Frage ist aber: Was bleibt ohne die Ziele übrig? Oder besser: Wie stark fühlt ein Kind, dass es hauptsächlich dem Projekteifer der Eltern dient? Warum ich dieses Projektdenken kritisch sehe? Es handelt sich um einen Menschen, eine Persönlichkeit, mit Genen, die nur zu 50% mit den Elternteilen übereinstimmen. Ein Wesen, das unvoreingenommen akzeptiert werden will. Das Kind als Projekt bekommt aber eine Funktion. Es ist in …

Kindererziehung – Wie wichtig sind feste Regeln?

Das Schwierige an Erziehung ist, dass Kinder auf der einen Seite bestimmte Verhaltensweisen erlernen sollen, die für ein Leben in ihrer Umgebung (erst in der Familie, dann im Freundeskreis, später in Schule, Ausbildung und Gesellschaft) unabdingbar sind, sich auf der anderen Seite aber auch ihre eigene Persönlichkeit herausbilden können muss. Nichts ist unnatürlicher als ängstlich angepasste Kinder, die zwar aufs Wort hören, aber in erlernten Regeln so gefangen sind, dass sie ihre Persönlichkeit kaum entwickeln können und damit auch die Möglichkeiten, die sie hätten, nicht nutzen können. Und sind uns allen nicht die „Unerzogenen“ lieber, die sagen und tun, was sie denken? Aber auch das geht natürlich nur bis zu einer gewissen Grenze. Wie viele Regeln braucht also ein Kind? Es gibt zwei grundlegende Dilemmas bei der Entwicklung von Regeln in der Kindererziehung: Das Kind muss es selbst bleiben dürfen, sogar in seiner Art und Weise gefördert werden. Regeln, die dies antasten, zerstören nur. Jedes Kind ist anders als das nächste. Genetisch ist jedes Kind sogar nur zu 50% das Elternteil, das gerade erzieht. Regeln …

McDonald´s muss auch mal sein!

Dieser Beitrag wird viele Kinder erfreuen – und auch die Eltern. Denn mal ehrlich – hat nicht jeder ein wenig ein schlechtes Gewissen, der sein Kind zu McDonald´s lässt. Nach oft langem Zedern. Ich darf Ihnen mit voller Unterstützung der Wissenschaft erlauben, ohne schlechtes Gewissen zu McDonald´s zu gehen. Alleine. Oder mit Ihrem Kind. Wenn…ja, wenn das nicht zur Gewohnheit wird. Denn superoptimal sind die Nährwerte dort nicht. Obwohl man McDonald´s zu Gute halten muss, dass man sich stets um Verbesserung der Nährwerte bemüht hat und es weiter tut. Ein Hamburger hat auch gar nicht so viel Kalorien. Und die neuen Veggie-Burger sind sogar erstaunlich eiweißreich. Es muss ja nicht gleich der „1000KCal-in-3-Minuten“-Burger sein. Warum ich Ihnen aber einen gelegentlichen Besuch bei McDonald´s sogar anrate, hat einen anderen Grund. Es gibt sehr gute Belege dafür, dass komplette Verbote zu Überreaktionen führen, und vor allem nicht die Kontrolle schulen. Das gilt für jede Art der Enthaltsamkeit. In Dingen der Ernährung, beim Fernsehen, bei den Bildschirmzeiten, usw.. Das Schlagwort ist „Selbstkontrolle“. Das Ziel ist, die Kontrolle des …

Ätherische Öle bei Erkältungen

Ärzte konnten lange mit ätherischen Ölen nichts anfangen und raten noch vielfach davon ab. Es zeichnet sich aber eine große Änderung ab. Der Hintergrund ist ganz einfach. Bei den leicht flüchtigen (verdunstenden) biologischen Stoffen aus Pflanzen handelt es sich in der Regel um Stoffgemische, deren Hauptwirkstoff nicht immer zu identifizieren oder zu isolieren ist. Außerdem (oder deshalb) besteht bei großflächiger Anwendung aus Erkältungssalben und/oder bei unkontrollierter Inhalation das Risiko einer Vergiftung. Dabei wären die Öle durchaus sehr sinnvoll, denn es gibt inzwischen mehr als 100 Forschungsarbeiten, die  sich mit dem Einsatz in der Medizin beschäftigen: Eukalyptusöl wird zum Beispiel aufgrund seiner antibakteriellen Wirksamkeit für den Einsatz bei multiresistenten Bakterien beforscht. Lavendel hat bereits Einzug in die Geriatrie und Psychiatrie gefunden – schlaffördernd und beruhigend. Und Menthol hat die gut bekannten Wirkungen bei Schnupfen und Husten. Als Kinderpneumologe bin ich kürzlich auf diesen Zug aufgesprungen und habe die Verantwortung für RhinoQuick® Schnupfenpflaster, ein hochwirksames Präparat bei Erkältung, übernommen. Das Geniale ist, dass die ätherischen Öle aus Minze, Lavendel und Eukalyptus aus der Matrixschicht eines Funktionspflasters freigesetzt …

Zitat der Woche – natürlich von Karl Lagerfeld

Auch wenn er für Kinder nicht viel übrig hatte – Karl Lagerfeld war sehr schlau. Und hier hat er einfach Recht. Auf die späten Hausaufgaben pfeifen. Kein Lernen im Bett mehr. Handy gehört in ein anderes Zimmer als das Schlafzimmer. “Wie man nachts gut schläft, hat mir meine Mutter schon als Kind beigebracht: Die ganze Welt muss einem egal sein. Dann schläft man gut.” Karl Lagerfeld

Was ist Fieber? Und warum ich für eine neue Fieberkultur eintrete…

Es ist wieder Grippesaison. Und da häufen sich wie jedes Jahr im Februar und März die Fälle von Fieberkindern. Fieber erschreckt die Eltern. Denn das Kind ist matt und mitgenommen. Und plötzlich spuken im elterlichen Kopf Begriffe wie „Fieberkrampf“, „Überfieberung“, „Fieberschock“…. Um es vorwegzunehmen. Fieber wird vom eigenen Immunsystem „gemacht“. Es ist eine Begleitreaktion der Entzündungs- und Abwehrphase, die das eigene Immunsystem erzeugt. Eine „Überfieberung“ gibt es deshalb nicht (außer bei bestimmten Narkosemedikamenten). Krampfanfälle bei Fieber („Fieberkrämpfe“) gibt es schon. Aber auch diese hinterlassen bei ansonsten gesunden Kindern keine Schäden. Sie treten am häufigsten beim raschen Auffiebern oder Wiederauffiebern (nach starken Fiebersenkern) auf. Vielleicht muss der Erreger behandelt werden, der zu Fieber führt. Das Fieber selbst muss aber im Allgemeinen nicht behandelt werden. Der Griff zu Ibuprofen oder Paracetamol kann sogar – wegen des Fieber-JoJo-Effekts – das Risiko für Fieberkrampfanfälle steigern. Paracetamol gilt nicht mehr als ideales Medikament (wegen der starken Nebenwirkungen an der Leber), auch für Ibuprofen mehren sich die Hinweise auf langfristige Nebenwirkungen. Was also tun? Wenn das Fieber moderat ist, muss es …