Monate: Oktober 2019

Aufgrund eines aktuellen Falles: Kardiologische Sportvorsorge gerade im Jugendsport!

Anlässlich eines erneuten aktuellen kardiologischen Notfalls im Rahmen der bayerischen Fußball-Talentförderung soll dieser Beitrag nochmals die Notwendigkeit einer kardiologischen Sportvorsorge erklären. Klar ist, Sport ist wundervoll. Ich brauche auch selbst regelmäßig die körperliche Ertüchtigung. Das Wohlbefinden und auch die langfristige Gesundheit profitieren ungemein von (angepasster) körperlicher Beanspruchung. Der Bewegungsdrang der Kinder und Jugendliche auch. Und doch gibt es immer wieder (wie auch aktuell) Berichte über kardiologische Notfälle beim Leistungssport – bis hin zu Reanimationssituationen und plötzlichen Todesfällen. Und das leider auch schon im Jugendalter. Seit einigen Jahren bin ich deshalb als Kinderkardiologe und Sportmediziner in die kardiologische Jugendsportvorsorge im Vereinsfußball eingebunden. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem FIFA Medical Centre Regensburg (Leiter der Jugendsportsektion: Dr. Stephan Gerling) und dem Bayerischen Fußball-Verband. Dort wurde ein Vorsorgeprogramm entwickelt, dass vor allem den talentierten Nachwuchsspielern dringend empfohlen wird. Welche Risiken bestehen? Zwar können auch akute Erkrankungen (Herzmuskelentzündung) ein schwerwiegendes kardiologisches Ereignis auslösen. Die Mehrzahl der Vorfälle beruht aber auf angeborenen oder früh erworbenen Erkrankungen, die größtenteils erkannt werden können. Dazu zählen angeborene Herzfehler einschließlich der seltenen, aber …

Drück mich, ich bin ein Kaktus!

Das kennen alle Eltern von pubertierenden Jugendlichen: es gibt Zoff, das Pubertier weiß alles, kann alles, ist stachelig wie ein Kaktus und ist generell plötzlich ganz anders, als das Kind, das man kannte. Die Stimmungen wechseln mindestens sekündlich. Und die Eltern, die sind wegen der ewigen Diskussionen oft erschöpft. Und nun? Das Gehirn in der Pubertät ist in einem Ausnahmezustand. Da muss sich der Jugendliche erst mal zurechtfinden. Schon eine große Leistung. Nicht zu reden von den Anforderungen in Schule oder Ausbildung. Was die Jugendlichen trotz ihrer Verwandlung in Kakteen in dieser sensiblen Phase brauchen ist Rückhalt, Zuneigung, Respekt und Begleitung. Wobei die Eltern eben immer mehr in den Hintergrund treten müssen und die Jugendlichen „machen lassen“ müssen. Puh, das kostet Kraft. Und nicht immer ist der Ton der Jugendlichen angebracht, sie provozieren und schlagen über die Stränge. Die Eltern nervt das natürlich auch und sie sind manchmal mürbe. Und im Prinzip sagen die Pubertiere: „Drück mich, ich bin ein Kaktus!“ Sie wollen und brauchen bedingungslose Zuneigung und Rückhalt. Die Antwort „Komm her, ich drück …

Zweisprachig aufwachsen – aber wie?

Francis soll zweisprachig aufwachsen. Seine Mutter stammt aus den USA, sein Vater aus Deutschland. Wie sollen die Eltern dabei aber nun am besten vorgehen? Sie haben sich bereits Gedanken gemacht und informiert und fragen auch in der Sprechstunde nach, als das Kind zur U3 vorgestellt wird. Eine Frage scheint besonders drängend: Müssen Francis´ Eltern befürchten, das Kind zu überfordern? Diese Angst ist unbegründet, denn Kinder können mehrere Sprachen gleichzeitig auf dem Niveau eines Muttersprachlers lernen. Es ist zunächst keine Frage der Intelligenz. Wichtig ist, für den Spracherwerb gute Voraussetzungen zu schaffen. Francis´ Eltern wollen jeder in seiner Muttersprache mit dem Kind reden. Das macht absolut Sinn! Und zwar am besten ab der Geburt. Denn bis zum 3. Lebensjahr lernen die Kinder wesentliche Grammatikanteile. Den Wortschatz können sie auch später erweitern. Auch nach dem 3. Geburtstag ist eine mehrsprachige Erziehung möglich, ab 6 werden dann aber doch deutliche Unterschiede zu Muttersprachlern zu Tage treten. Francis Eltern fragen nach der Zeit, der ein Kind einer Sprache ausgesetzt sein muss, um sie gut lernen zu können. Das ist …

Die jüngste Diskussion um die Milch

Ist Kuhmilch bedenklich? Eine Bewertung neuerer Forschungsergebnisse kommt zum Schluss: Nein! Der Verzehr kann weiter uneingeschränkt empfohlen werden, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Erst vor 7500 Jahren breitete sich beim Menschen die Genvariante aus, die die Verdauung des Milchzuckers Lactose auch durch Erwachsene möglich macht. In Nordeuropa können das über 90% der Erwachsenen. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich 200-250 Gramm Milch und Milchprodukte und 50 Gramm Käse zu konsumieren. Was macht die Milch so wertvoll? Hochwertige Eiweiße, Vitamin B2 und B12, Jod und Zink sind hier zu nennen. Zudem enthält sie auch Omega3-Fettsäuren. Die Ultrahocherhitzung ist übrigens kein Problem, sie macht eine unbedeutende Erniedrigung der B-Vitamine. Übrigens wird inzwischen in Studien gesehen, dass die Milch mit höherem Fettanteil sich positiv auf Darmflora, Kognition und Immunsystem auswirkt. Bei Erwachsenen senkt Milchkonsum den Blutdruck, verringert das Risiko für Diabetes Typ II und verhindert eher Übergewicht. Es kommt auch zu weniger Schlaganfällen unter Milchkonsum. Das Risiko für Darmkrebs sinkt. Was ist nun mit neueren Veröffentlichungen zu Risiken durch ‚bovine meat and milk factors‘ (molekulare Ringstrukturen, die …

Gelungene Ferien ohne WLAN

Meer, Sonne, Strand und endlich im Ferienhäuschen angekommen. Der Urlaub kann beginnen. Am zweiten Tag gibt es mit zunehmender Häufigkeit die Fragen der pubertierenden Mitreisenden nach dem WLAN-Schlüssel, schließlich muss man die Nachrichten der Freunde lesen und seine Handy-Zeit nutzen. Der Code bleibt aber unauffindbar, wobei noch nicht mal die Kids sehr lange suchen. Pubertierendes Gemaule folgt, hält sich aber überraschenderweise in Grenzen und die Familie verbringt herrliche Tage am Strand, ohne dass das ewige Diskussionsthema „Handy und Medien“ viel Raum einnimmt. Die Urlaubstage vergehen wie im Flug, jeder kommt auf seine Kosten und auch die großen pubertierenden Geschwister genießen die Zeit. Viel zu schnell kommt der Abreisetag, das Ferienhäuschen wird aufgeräumt, die Koffer gepackt. Papa räumt im Wohnzimmer noch rasch eine Kiste mit Spielen und anderem Kimskrams ein. Da kommt doch tatsächlich unter der Kiste der WLAN-Schlüssel zum Vorschein! Anscheinend hat jemand am ersten Tag versehentlich die Kiste daraufgestellt. Papa kann schweigen – wie in den letzten 2 Wochen – und hat gar kein schlechtes Gewissen. Denn es beschwert sich niemand, dass man was …