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Auf den Spuren alter Familienregeln (ein Gastbeitrag von Anastasia Weinberg)

“Du musst deinen Teller immer leer essen. Ruh dich niemals aus, bevor nicht alles erledigt ist. Widerspreche nie deinen Eltern. Streng dich immer an. Sei niemals faul! Sag nie NEIN, wenn dich jemand um Hilfe bittet.” Sind auch Sie mit starren Familienregeln aufgewachsen, die Sie noch heute begleiten, in bestimmten Situationen einschränken und unter Druck setzen? Im Laufe des Lebens wird uns zwar klar, wie sinnlos und hinderlich viele dieser Regeln waren. Und doch gelingt es uns nicht, uns davon zu verabschieden. Unbewusst befolgen wir sie viele Jahre, geben sie an Kinder weiter und ärgern uns im Nachhinein über die Folgen. Unsere Gastautorin Anastasia Weinberg (Bayreuth) ist selbstständige systemische Beraterin und Erzieherin. Als pädagogische Fachkraft mit langjähriger Praxiserfahrung erlebt sie hautnah, welche Schwierigkeiten Kinder, Eltern und Teams tagtäglich überwinden müssen. Sie begleitet Eltern und Pädagog*innen auf dem Weg zu innerer Stärke, Gelassenheit im Alltag mit Kindern, wertschätzender Kommunikation und zu gesundem Selbstschutz. Sie ist Mediatorin in alltags- und lösungsorientierten Workshops. Auf Facebook (@ichundmeinweg) und Instagram (@dein_starkes_ich) schreibt sie über aktuelle Themen und persönliche Erfahrungen oder …

Schule auf oder Schule zu?

Homeschooling nervt, Eltern genauso wie Kinder, es ist nicht so effektiv wie regulärer Präsenzunterricht, den Kindern fehlen ihre normalen Kontakte und die Alltagsstruktur. Zudem müssen viele Eltern Home-Office und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen, was schwierig ist. Alle Eltern werden damit wohl dem Wunsch Ausdruck verleihen, dass ihre Kinder baldmöglichst in die Schule gehen dürfen. Soweit mehr als verständlich. Aber wie ist denn nun die Ansteckungsgefahr in der Schule wirklich? Tragen geöffnete Schulen zum Infektionsgeschehen wirklich bei? Dies ist eine schwierige Frage, da die Datenlage uneinheitlich ist. Kleinere Kinder scheinen sich seltener zu infizieren und weniger infektiös zu sein – auch bei der Mutation B1.1.7. Mit steigendem Alter (etwa 12-14Jahre) gleicht sich das dann den Erwachsenen aber zunehmend an. Dennoch gibt es Studien, die einen vergleichbar hohen Anteil an infizierten Kindern wie in der Gesamtbevölkerung zeigen. Das liegt wohl an der hohen Zahl an Kontakten im Vergleich zur Kontaktzahl älterer Erwachsener, die die Kinder beispielsweise außerhalb des Unterrichts und auf dem Schulweg haben. Sind die Lockdown-Maßnahmen sehr umfassend, gleicht das diesen Effekt aber wieder etwas …

Der Erziehungstipp – das Zeitkonto für Bildschirme

Hier ein wunderbarer Tipp, wie Ihr die Bildschirmzeit Eures Kindes begrenzen könnt, ohne gleich Krieg auszurufen. Wir werden Bildschirme ja nicht mehr los in der modernen Welt. Egal ob den Fernseher, den PC, das Notebook oder Pad, die Playstation oder das Handy. Für Arbeit, Schule und Games. Und dennoch wissen wir, dass sie Risiken darstellen. Für die Augen (Kurzsichtigkeit) und für die orthopädische Gesundheit (Haltungsschwäche, Rundrückenbildung) der Kinder, sowie mittelfristig für die Alterung der Gefäße und viele andere Zivilsationskrankheiten (Übergewicht, Bluthochdruck bei ungünstigem Lebensstil). Je mehr Zeit am Bildschirm ohne Augleich, desto schlimmer. Was also tun, wenn Kinder nun einmal an die Bildschirme gewöhnt sind? Mein Tipp: Begrenzt die Bildschirmzeit pauschal auf 1 Stunde am Tag. Für jede weitere Stunde vor dem Bildschirm muss Euer Kind zur Kompensation 1 Stunde Sport im Freien treiben. Dafür könnt Ihr dann auch ein Zeitkonto einrichten, auf dem es sich Euer Kind dann sogar Guthaben verdienen kann, um zum Beispiel bei Regenwetter etwas mehr „kucken“ zu dürfen. Geeignet etwa für Kinder von 7 bis 12 Jahren. In der wichtigsten …

Regretting motherhood – lasst uns drüber reden!

Wir haben das Thema hier schon aufgegriffen – regretting motherhood. Wie ich aber auch aktuell in der Sprechstunde erlebe, ist das Thema seither nicht wirklich wesentlich bekannter geworden und natürlich immer noch sehr wichtig für Mütter und ihre Kinder. Darum hier der Artikel noch einmal: Regretting motherhood, wörtlich übersetzt die Mutterschaft zu bereuen, ist ein Thema, das kaum in der Öffentlichkeit angesprochen oder gar diskutiert wird. Es gibt dazu auch wenig wissenschaftliche Forschung. Dennoch ist das Thema weit verbreitet und von großer Bedeutung. Orna Donath, eine israelische Soziologin, befasst sich mit “regretting motherhood”. Sie beschreibt die ganz allgemeine Ambivalenz, das Hin- und Hergerissen sein, von Frauen, die Mütter sind. In ihrer jüngsten Studie zeigt Frau Donath, dass Frauen verschiedenen Alters, obwohl sie ihre Kinder lieben und schätzen, doch nicht selten ihre Entscheidung für das Dasein als Mutter, die Übernahme der Verantwortung für das Kind, die Belastungen, die körperlichen Veränderungen und den Verlust ihrer Freiheit und Selbstbestimmung bereuen. Dieses hier beschriebene Phänomen hat laut Orna Donath ganz ausdrücklich zunächst nichts mit der Problematik der Mehrfachbelastung der …

Mal ein bißchen Ergotherapie?

Der kleine Malik, 2 Jahre, kommt zur U7. Er spielt sehr willig mit dem Arzt und lässt sich schön untersuchen. Fritz spricht wenig, wobei seine Mutter berichtet, dass nun immer wieder neue Wörter hinzukommen und dass Fritz auch schon 2-Wortsätze bildet. Zusammenfassend kann die Entwicklung des Jungen bei dieser U7 erfreulicherweise als normal beurteilt werden. Der Rat des Arztes wäre, weiterhin häuslich die Entwicklung von Fritz ganz allgemein zu fördern, auch in sprachlicher Hinsicht. In diesem Zusammenhang ist das Anbieten von Sprache durch Erzählen, Sing- und Sprechspiele, Vorlesen und Ähnlichem natürlich sehr wichtig. Aber hier reden wir von der normalen elterlichen Förderung wie bei jedem Kind – denn der Junge ist völlig normal entwickelt! Die Mutter von Fritz möchte nun aber Logopädie und Ergotherapie verordnet haben. Auf erstaunte Nachfrage nach dem Warum äußert sie, nichts verpassen zu wollen, die sprachliche Entwicklung sei nicht so wie bei anderen Kindern aus ihrem Umfeld und auch die motorische Entwicklung sollte ihrer Meinung nach gefördert werden. Klares Statement: Nein, wir raten von einer Heilmittelverordnung für Malik ab! Zum einen …

Das Sprüchebuch

Felix ist in der 5. Klasse und soll auf Englisch einen Text verfassen. Er will einen Spruch seines großen Bruders einbauen, der bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit “Anzeige ist raus!” ruft, meist als Protest, wenn etwas nicht nach seinem Kopf läuft. Felix’ Übersetzung, die er mit dem Wörterbuch erstellt und die nicht nur die Mama schmunzeln lässt: “Display is out!” Auch Sie erleben das bestimmt. Ihre Kinder bringen Sie mit den lustigsten Sätzen und Gedanken im Alltag ganz unbeabsichtigt zu Lachen. Und wie schnell vergisst man leider diese wunderbaren Sprüche, Erlebnisse und Situationen. Darum ist ein Sprüchebuch im Küchenschrank oder Wohnzimmerregal, in das man schnell den Satz kritzeln kann, eine klasse Idee. Es geht natürlich auch am Handy, wenn man es digital will. Immer wieder kann man die Notizen durchblättern und auch die Kinder amüsieren sich später köstlich. Ein echter Schatz für die ganze Familie! Gerade wenn man mal dringend eine Auflockerung braucht im (Corona)alltag.

Kindergarten, Schule und Schnupfen im Herbst 2020

Corona wird dieses Kindergarten- und Schuljahr maßgeblich beeinflussen. Keine Frage. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat einen Leitfaden herausgegeben in Zusammenarbeit unter anderem mit Kinderärzten. In Abhängigkeit von den Infektionszahlen werden Empfehlungen gegeben, wie Erkältungssymptome bei den Kindern hinsichtlich des Kindergarten- und Schulbesuchs bewertet werden. Kinder mit milden Krankheitszeichen wie Schnupfen oder gelegentliches Husten ohne Fieber dürfen in den Kindergarten. In den Stufen 1-2 (bis 35 bzw. bis