Alle Artikel in: Medizin

Artikel zu kindermedizinischen Themen.

Was ist denn ein Hüftschnupfen?

Anton ist 4 Jahre und humpelt seit dem Mittag. Er hatte morgens schon kurz geklagt, war dann aber normal in den Kindergarten gelaufen. Nun kommt er nur langsam die Treppe hoch. Er hatte keinen Sturz, zeigt aber auf sein Knie. Da tut es weh. An dem Knie kann die Mama jedoch nichts sehen. Auch der am Nachmittag hinzugezogene Kinderarzt nicht. Ihm fällt aber die Bewegungseinschränkung in der Hüfte auf. Ein Ultraschall bringt schnell Gewissheit, im Hüftgelenk ist ein Erguß. Anton hat einen Hüftschnupfen. “Einen was?” ist seine Mama versucht zu fragen, “nie gehört!” Tatsächlich ist das gar nicht so selten, aber relativ harmlos: infolge eines banalen, manchmal sogar unbemerkten Infektes kommt es nach einigen Tagen zu einer immunologischen Mitreaktion des Hüftgelenks mit Entzündung und Erguß. Hochdosiertes Ibuprofen zur Entzündungshemmung und Schmerztherapie, Ruhe und Entlastung bringt meist recht rasch die Besserung. Schwierig ist leider nur, die Kinder am Herumlaufen zu hindern, da mit dem Medikament die Schmerzen ja viel besser sind. So muß Antons Mama erfinderisch sein: Malen, Vorlesen, Basteln, Hörbuch hören und auch einmal eine …

Wann kommt die Corona-Impfung für Kinder?

Je länger die Pandemie und der Lockdown dauern, desto häufiger fragen Eltern uns nach der Covid-Impfung für Kinder. Wann kommt sie denn nun? Fakt ist, daß die aktuell zugelassenen Impfstoffe erst ab 16 bzw. 18 Jahren zugelassen sind. Fakt ist auch, daß an sich gesunde Kinder und Jugendliche bis jetzt die Erkrankung deutlich seltener schwer durchmachen. Eine Impfung dieser Altersgruppe hat damit zunächst mehr das Ziel, die Pandemie zu stoppen. Von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Infektionsrisiken und Grunderkrankungen natürlich abgesehen. Aber wie weit ist denn die Forschung überhaupt? Tatsächlich werden die Impfstoffe von Biontech und Moderna inzwischen auch an Jugendlichen ab 12 erprobt. Astra Zeneca plant eine Studie an 6-18 Jährigen. Eine Zulassung wird natürlich aber nur erfolgen durch daszuständige Paul Ehrlich Institut, wenn Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Prüfungen klar bewiesen sind. Das RKI antwortete auf die Frage nach dem Zeitpunkt einer Impfempfehlung für Kinder Anfang Januar: “Das ist bisher noch nicht absehbar.” Wir werden uns also noch länger gedulden müssen, bis wir eine eindeutige Antwort geben können.

Ja, ich werde mich impfen lassen!

“Doktor, werden Sie sich impfen lassen?” – Das werde ich in den letzten Wochen und Monaten sehr oft gefragt. Ich antworte mit “Ja, auf jeden Fall! Die Verträglichkeits- und Wirksamkeitsdaten sind gut. Und Sie?” Seit einem Jahr hat die Coronapandemie uns nun weltweit im Griff. Eine wichtige Waffe gegen das Virus ist da die Entwicklung entsprechender Impfstoffe. Die ersten beiden Vakzine wurden auch regulär zugelassen, haben also die normalen Phasen der Zulassung durchlaufen und wurden entsprechend getestet. Die Verträglichkeit und Wirksamkeit ist sehr gut. Seit Impfbeginn wurden auch keine dazu widersprüchlichen Daten publiziert. Das Problem der Impfstoffkapazitäten muss davon getrennt werden und ist ein anderes Thema. Und nun? Es bleibt Skepsis gegenüber der neuen Impfung und es besteht das alte Thema der Impfscheu, die bereits so alt ist wie das Impfen selbst. Hier spielen viele Faktoren hinein, etwa Misstrauen in Machtstrukturen oder gegenüber der Pharmaindustrie, aktuelle Krisen und Skandale, regionale Geschichte, weltanschauliche Themen jeder Couleur und anderes. Ich glaube, dass man die Menschen informieren, aufklären und beraten kann und muss, jeder aber muss für sich …

Die Vroni-Studie – Fragen zum wichtigsten Herz-Screeningprogramm (für alle Kinder von 5 bis 14 Jahren)

Seit 3 Monaten gibt es nun für Kinder von 5 bis 14 Jahren das neue Bayerische Früherkennungsprogramm VRONI. Es ist mir als Kinderkardiologe und Ernährungsmediziner im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit. Wie schon einmal beschrieben, dient es der Früherkennung von Gefäßrisiken im jungen Erwachsenenalter durch ungünstige Cholesterinwerte. Es ist kostenlos und zielt auf raschen und effektiven Beginn der Behandlung bereits im Kindes- und Jugendalter. Teilnehmen können alle Kinder von 5 bis 14 Jahren. Es braucht eine kleine Blutprobe und die Einwilligung am besten beider Elternteile, weil eine genetische Untersuchung Teil des Programms ist (wenn nicht seitens der Eltern unerwünscht). Wie die meisten Praxen mit Kinderkardiologen führen auch wir dieses Programm durch – und treffen auf großes Interesse, nicht zuletzt, weil es in fast jeder dritten Familie Fälle mit Herzinfarkt oder Schlaganfall gibt. Zählt man Familien mit zusätzlichen Gefäßrisiken wie Diabetes oder Bluthochdruck noch dazu, ist es mehr als jede zweite Familie. Ein paar Fragen werden immer wieder gestellt. Diese möchte ich hier kurz beschreiben. Kann ich die genetische Untersuchung ablehnen? Ja. Es kann auch …

Der interessante Fall – Essstörung als indirekte Reaktion auf die COVID19-Epidemie

Vorausschicken möchte ich, dass ich den Virus SARS-CoV2 für überaus gefährlich halte und selbst hoffe, niemals damit heftig in Kontakt zu geraten. Und auch die gespaltene Stimmung hinsichtlich der Notwendigkeit der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie halte ich für gefährlich, weil hier Menschen das für die Fachleute Sichtbare in nie dagewesener Weise leugnen und damit eine Diskussionskultur schaffen, die ein Handeln mit Augenmaß zunehmend schwierig macht. Dennoch dürfen wir als Ärzte, denen Kinder und Jugendliche anvertraut sind, nicht verschweigen, dass die Pandemie auch andere Folgen haben kann, als die direkten durch die Infektion mit dem SARS-CoV2-Virus. Ein interessanter Fall ist es deshalb wert, berichtet zu werden. Es handelt sich um einen Patienten, der eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hat. Dies ist eine typische Reaktionsform auf einschneidenden, lebensbedrohlichen  Stress. Im Rahmen der Belastungsstörung, die zunächst aufgrund der allgemeinen Unruhe der Zeit gar nicht auffiel, kam es zu Angst- und Sinnlosigkeitsgefühlen, die letztlich in einer reduzierten Nahrungsaufnahme mündete. Die Folge war das Bild einer Magersucht, aber eben nicht als typische psychische Anorexie, sondern als Reaktion auf den …

Neu und lebenswichtig! Die Früherkennungsstudie VRONI (für alle Kinder von 5 bis 14 Jahren)

Seit einigen Wochen gibt es in Bayern VRONI – ein völlig neues Früherkennungsprogramm bei Kindern von 5 bis 14 Jahren. Es ist für die Familien kostenlos und dient der Früherkennung von Gefäßrisiken im jungen Erwachsenenalter durch ungünstige Cholesterinwerte. Weil Vorbeugung und Behandlung früh beginnen muss. Es handelt sich nicht um ein Programm der gesetzlichen Krankenkassen, sondern um eine Studie aus Wissenschaftsmitteln der Bayerischen Staatsregierung. Teilnehmen können alle Kinder von 5 bis 14 Jahren. Es braucht eine kleine Blutprobe und die Einwilligung am besten beider Elternteile. Es besteht insbesondere die Möglichkeit, bei erhöhtem Blutwert für das „böse“ LDL-Cholesterin die Gene dahinter zu untersuchen und weitere Familienmitglieder aufzuspüren und diese dann auch zu behandeln und somit Schäden vorzubeugen. Die genetische Diagnostik soll später auch einmal zur noch genaueren Einschätzung der Risiken dienen. Wenn Ihr mich als Kinderherzspezialisten fragt – unbedingt teilnehmen! Warum? Die Gefäßerkrankungen Herzinfarkt und Schlaganfall sind die allerwichtigsten Erkrankungen in der modernen Welt überhaupt. Sie sind verantwortlich für die meisten Todesfälle und auch für bleibende Einschränkungen der Lebensqualität. Sie sind als Gefäßverschluss der Endpunkt einer …

Kindergarten, Schule und Schnupfen im Herbst 2020

Corona wird dieses Kindergarten- und Schuljahr maßgeblich beeinflussen. Keine Frage. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat einen Leitfaden herausgegeben in Zusammenarbeit unter anderem mit Kinderärzten. In Abhängigkeit von den Infektionszahlen werden Empfehlungen gegeben, wie Erkältungssymptome bei den Kindern hinsichtlich des Kindergarten- und Schulbesuchs bewertet werden. Kinder mit milden Krankheitszeichen wie Schnupfen oder gelegentliches Husten ohne Fieber dürfen in den Kindergarten. In den Stufen 1-2 (bis 35 bzw. bis

Barfußlaufen ist gesund!

Der Sommer naht – und der kleine Noah will gerne barfuß laufen. Er lacht, freut sich über die kitzelnden Grashalme, über die er viel lieber geht als über den pieksigen Kiesweg. Ist Barfußlaufen gut? Aber unbedingt! Der feste Kinderschuh mit dem guten Fußbett hat nämlich einen Nachteil: er stellt den Kinderfuß sozusagen ruhig. Die Fußmuskeln müssen beim Barfußlaufen arbeiten, zum Beispiel kleinere Bodenunebenheiten ausgleichen. Das Fußgewölbe wird gestärkt. Zudem werden ohne Schuhe die Nerven der Fußsohlen stimuliert, was die Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns fördert. Daraus kann man auch ein Spiel machen. Lassen Sie Ihr Kind einmal mit den Füßen Gegenstände abtasten und erraten oder kleinere Gegenstände mit den Zehen greifen und aufheben. Oder besuchen Sie einmal mit den Kindern einen Barfußpfad: wer erkennt Sand, Moos, Steine, Tannenzapfen oder Schotter mit den Füßen? Und schon trainiert der Kinderfuß Hinspüren, Kraft und Koordination. Natürlich sollte man beim Barfußlaufen darauf achten, dass die Kinder nicht durch herumliegende Glasscherben oder Ähnliches verletzt werden können. Und auch der Tetanusschutz ist wichtig. Und noch eine Möglichkeit ist erwähnenswert: der …

Änderung des Impfschemas

Ende Juni hat die Stiko (Ständige Impfkommission) die Impfemfehlung angepasst. Danach entfällt für reifgeborene Kinder die 2.Dosis des Sechsfachimpfstoffes. Danach wird nach Analyse von neuen Studiendaten angenommen, daß auch mit der geringeren Anzahl an Dosen ein ausreichender Impfschutz gewährleistet werden kann.

Ist eine Untersuchung auf angeborene Herzfehler sinnvoll?

Als Kinderkardiologe dazu ein ganz klares JA. Etwa  1% der Kinder kommt mit einem fehlgebildeten Herzen oder Fehlern der großen Gefäße am Herzen, also vor allem der Aorta (Hauptschlagader), auf die Welt. Gottseidank sind viele dieser Herzfehler trotzdem gut mit dem Leben vereinbar. Und ein Teil kann sich sogar von selbst normalisieren. Etwa 70% der Herzfehler kann im Rahmen einer exakten Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft bereits diagnostiziert oder vermutet werden. Es bleiben dennoch einige Fehler, die Relevanz haben. Weil sie die Umstellung des Kreislaufs nach der Geburt behindern und damit die Reifung der Lungengefäße. Weil sie Bluthochdruck begünstigen können (mit allen Folgen). Weil sie ein Risiko bei körperlicher Belastung darstellen. Weil sie das Herz schwächen. Weil sie die körperliche Entwicklung behindern. Ich empfehle deshalb immer,  einen Herzfehler per Ultraschalluntersuchung auszuschließen. Vor allem natürlich, wenn es solche Herzerkrankungen in der Familie gibt. Und wann? Im Prinzip in jedem Lebensalter, am besten allerdings in den ersten Lebensmonaten. So wie es in vielen Geburtskliniken bereits durchgeführt wird.