Alle Artikel in: Medizin

Artikel zu kindermedizinischen Themen.

Die Vroni-Studie – Fragen zum wichtigsten Herz-Screeningprogramm (für alle Kinder von 5 bis 14 Jahren)

Seit 3 Monaten gibt es nun für Kinder von 5 bis 14 Jahren das neue Bayerische Früherkennungsprogramm VRONI. Es ist mir als Kinderkardiologe und Ernährungsmediziner im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit. Wie schon einmal beschrieben, dient es der Früherkennung von Gefäßrisiken im jungen Erwachsenenalter durch ungünstige Cholesterinwerte. Es ist kostenlos und zielt auf raschen und effektiven Beginn der Behandlung bereits im Kindes- und Jugendalter. Teilnehmen können alle Kinder von 5 bis 14 Jahren. Es braucht eine kleine Blutprobe und die Einwilligung am besten beider Elternteile, weil eine genetische Untersuchung Teil des Programms ist (wenn nicht seitens der Eltern unerwünscht). Wie die meisten Praxen mit Kinderkardiologen führen auch wir dieses Programm durch – und treffen auf großes Interesse, nicht zuletzt, weil es in fast jeder dritten Familie Fälle mit Herzinfarkt oder Schlaganfall gibt. Zählt man Familien mit zusätzlichen Gefäßrisiken wie Diabetes oder Bluthochdruck noch dazu, ist es mehr als jede zweite Familie. Ein paar Fragen werden immer wieder gestellt. Diese möchte ich hier kurz beschreiben. Kann ich die genetische Untersuchung ablehnen? Ja. Es kann auch …

Der interessante Fall – Essstörung als indirekte Reaktion auf die COVID19-Epidemie

Vorausschicken möchte ich, dass ich den Virus SARS-CoV2 für überaus gefährlich halte und selbst hoffe, niemals damit heftig in Kontakt zu geraten. Und auch die gespaltene Stimmung hinsichtlich der Notwendigkeit der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie halte ich für gefährlich, weil hier Menschen das für die Fachleute Sichtbare in nie dagewesener Weise leugnen und damit eine Diskussionskultur schaffen, die ein Handeln mit Augenmaß zunehmend schwierig macht. Dennoch dürfen wir als Ärzte, denen Kinder und Jugendliche anvertraut sind, nicht verschweigen, dass die Pandemie auch andere Folgen haben kann, als die direkten durch die Infektion mit dem SARS-CoV2-Virus. Ein interessanter Fall ist es deshalb wert, berichtet zu werden. Es handelt sich um einen Patienten, der eine sogenannte posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hat. Dies ist eine typische Reaktionsform auf einschneidenden, lebensbedrohlichen  Stress. Im Rahmen der Belastungsstörung, die zunächst aufgrund der allgemeinen Unruhe der Zeit gar nicht auffiel, kam es zu Angst- und Sinnlosigkeitsgefühlen, die letztlich in einer reduzierten Nahrungsaufnahme mündete. Die Folge war das Bild einer Magersucht, aber eben nicht als typische psychische Anorexie, sondern als Reaktion auf den …

Neu und lebenswichtig! Die Früherkennungsstudie VRONI (für alle Kinder von 5 bis 14 Jahren)

Seit einigen Wochen gibt es in Bayern VRONI – ein völlig neues Früherkennungsprogramm bei Kindern von 5 bis 14 Jahren. Es ist für die Familien kostenlos und dient der Früherkennung von Gefäßrisiken im jungen Erwachsenenalter durch ungünstige Cholesterinwerte. Weil Vorbeugung und Behandlung früh beginnen muss. Es handelt sich nicht um ein Programm der gesetzlichen Krankenkassen, sondern um eine Studie aus Wissenschaftsmitteln der Bayerischen Staatsregierung. Teilnehmen können alle Kinder von 5 bis 14 Jahren. Es braucht eine kleine Blutprobe und die Einwilligung am besten beider Elternteile. Es besteht insbesondere die Möglichkeit, bei erhöhtem Blutwert für das „böse“ LDL-Cholesterin die Gene dahinter zu untersuchen und weitere Familienmitglieder aufzuspüren und diese dann auch zu behandeln und somit Schäden vorzubeugen. Die genetische Diagnostik soll später auch einmal zur noch genaueren Einschätzung der Risiken dienen. Wenn Ihr mich als Kinderherzspezialisten fragt – unbedingt teilnehmen! Warum? Die Gefäßerkrankungen Herzinfarkt und Schlaganfall sind die allerwichtigsten Erkrankungen in der modernen Welt überhaupt. Sie sind verantwortlich für die meisten Todesfälle und auch für bleibende Einschränkungen der Lebensqualität. Sie sind als Gefäßverschluss der Endpunkt einer …

Kindergarten, Schule und Schnupfen im Herbst 2020

Corona wird dieses Kindergarten- und Schuljahr maßgeblich beeinflussen. Keine Frage. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat einen Leitfaden herausgegeben in Zusammenarbeit unter anderem mit Kinderärzten. In Abhängigkeit von den Infektionszahlen werden Empfehlungen gegeben, wie Erkältungssymptome bei den Kindern hinsichtlich des Kindergarten- und Schulbesuchs bewertet werden. Kinder mit milden Krankheitszeichen wie Schnupfen oder gelegentliches Husten ohne Fieber dürfen in den Kindergarten. In den Stufen 1-2 (bis 35 bzw. bis

Barfußlaufen ist gesund!

Der Sommer naht – und der kleine Noah will gerne barfuß laufen. Er lacht, freut sich über die kitzelnden Grashalme, über die er viel lieber geht als über den pieksigen Kiesweg. Ist Barfußlaufen gut? Aber unbedingt! Der feste Kinderschuh mit dem guten Fußbett hat nämlich einen Nachteil: er stellt den Kinderfuß sozusagen ruhig. Die Fußmuskeln müssen beim Barfußlaufen arbeiten, zum Beispiel kleinere Bodenunebenheiten ausgleichen. Das Fußgewölbe wird gestärkt. Zudem werden ohne Schuhe die Nerven der Fußsohlen stimuliert, was die Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns fördert. Daraus kann man auch ein Spiel machen. Lassen Sie Ihr Kind einmal mit den Füßen Gegenstände abtasten und erraten oder kleinere Gegenstände mit den Zehen greifen und aufheben. Oder besuchen Sie einmal mit den Kindern einen Barfußpfad: wer erkennt Sand, Moos, Steine, Tannenzapfen oder Schotter mit den Füßen? Und schon trainiert der Kinderfuß Hinspüren, Kraft und Koordination. Natürlich sollte man beim Barfußlaufen darauf achten, dass die Kinder nicht durch herumliegende Glasscherben oder Ähnliches verletzt werden können. Und auch der Tetanusschutz ist wichtig. Und noch eine Möglichkeit ist erwähnenswert: der …

Änderung des Impfschemas

Ende Juni hat die Stiko (Ständige Impfkommission) die Impfemfehlung angepasst. Danach entfällt für reifgeborene Kinder die 2.Dosis des Sechsfachimpfstoffes. Danach wird nach Analyse von neuen Studiendaten angenommen, daß auch mit der geringeren Anzahl an Dosen ein ausreichender Impfschutz gewährleistet werden kann.

Ist eine Untersuchung auf angeborene Herzfehler sinnvoll?

Als Kinderkardiologe dazu ein ganz klares JA. Etwa  1% der Kinder kommt mit einem fehlgebildeten Herzen oder Fehlern der großen Gefäße am Herzen, also vor allem der Aorta (Hauptschlagader), auf die Welt. Gottseidank sind viele dieser Herzfehler trotzdem gut mit dem Leben vereinbar. Und ein Teil kann sich sogar von selbst normalisieren. Etwa 70% der Herzfehler kann im Rahmen einer exakten Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft bereits diagnostiziert oder vermutet werden. Es bleiben dennoch einige Fehler, die Relevanz haben. Weil sie die Umstellung des Kreislaufs nach der Geburt behindern und damit die Reifung der Lungengefäße. Weil sie Bluthochdruck begünstigen können (mit allen Folgen). Weil sie ein Risiko bei körperlicher Belastung darstellen. Weil sie das Herz schwächen. Weil sie die körperliche Entwicklung behindern. Ich empfehle deshalb immer,  einen Herzfehler per Ultraschalluntersuchung auszuschließen. Vor allem natürlich, wenn es solche Herzerkrankungen in der Familie gibt. Und wann? Im Prinzip in jedem Lebensalter, am besten allerdings in den ersten Lebensmonaten. So wie es in vielen Geburtskliniken bereits durchgeführt wird.

Ist die Öffnung der Kindergärten und Schulen möglich?

Ist die Öffnung der Kindergärten und Schulen in der Coronazeit möglich? Ein aktuell heiß diskutiertes Thema, nicht nur bei Eltern und nicht nur in Deutschland. Am 18.5.2020 veröffentlichten namhafte medizinische Fachgesellschaften (DGKH mit DGPI und DAKJ) in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Kinderärzte (bvkj e.V.), eine Stellungnahme mit dem Titel: Kinder und Jugendliche in der CoVid-19-Pandemie: Schulen und Kitas sollen wieder uneingeschränkt geöffnet werden. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die allgemeinen Hygieneregeln stehen dem nicht entgegen. Darin wir ausgeführt: “Nach Ansicht der unterzeichnenden Fachgesellschaften zeigen die bislang veröffentlichten Analysen über die Ausbreitungsdynamik von SARS-CoV-2 und die Verläufe von CoVid-19, daß Kinder im Vergleich zu Erwachsenen eine deutlich untergeordnetere Rolle in der Verbreitung des Virus einnehmen… Insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren sprechen die aktuellen Daten sowohl für eine geringere Infektions- als auch für eine deutlich geringere Ansteckungsrate. Über die Ursache dieser geringeren Virus-Transmission liegen aktuell noch keine ausreichenden Belege vor.” Die zitierte Stellungnahme ist detailliert mit Daten begründet. Die Politik und die Gesellschaft als Ganzes muß nun abwägen. Sind die Ergebnisse …

Corona, Kinder und Kawasakisyndrom

In den letzten Wochen häufen sich Berichte über das Auftreten von Gefäßentzündungen bei Kindern (sogenanntes Kawasakisyndrom) im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Wie ist das zu bewerten? Schon lange ist diese Erkrankung bei jüngeren Kindern bekannt, die mit Fieber über mehr als 5 Tage, Hautausschlag, rissigen, roten Lippen, Bindehautentzündung, Lymphknotenschwellung und einer Rötung und später Schuppung der Hand- oder Fußflächen einhergehen kann. Auch das Herz kann betroffen sein im Verlauf. Kinderärzte sprechen vom Kawasakisyndrom. Ursache ist eine Gefäßentzündung, die auch früher schon in Zusammenhang mit Viruserkrankungen gebracht wurde. Scheinbar lässt das neue Coronavirus diese Erkrankung etwas häufiger auftreten, möglicherweise aber eher bei älteren Kindern als das sonst der Fall ist. Es scheinen auch eher Kinder mir afrokaribischer Herkunft betroffen zu sein. Vielleicht stellt sich eine Parallele zu den Erwachsenen dar, bei denen auch von Gefäßentzündungen berichtet wird durch Covid19. Dennoch keine Panik. Trotz aller Berichte ist das Kawasakisyndrom sehr selten, auch aktuell in Deutschland. Das Kawasakisyndrom kann außerdem mit Immunglobulinen und Acetylsalizylsäure recht gut behandelt werden, die Kinder müssen in der Folge natürlich zu Kontrolluntersuchungen. Dazu …

COVID19 – wie sich unsere Patienten verändert haben

Unser Leben hat sich verändert unter COVID19. Das muss man niemandem erzählen. Vielleicht ist aber für Sie interessant wie sich unsere Praxisabläufe und auch die Patienten verändert haben. Was ich bei den Familien wahrgenommen habe Trotz aller Einschränkung der täglichen Aktivitäten und auch der teils belastenden Home School haben wir keine deprimierten Kinder erlebt. Vielmehr wurde sogar häufig erwähnt, dass das gute Wetter und der fehlende Schuldruck wir eine Auszeit wahrgenommen wurde. Viele Familien haben diese Chance genutzt und damit das Beste aus dem gemacht, was erst einmal sowieso nicht zu ändern war. Deshalb gab es auch weniger Vorstellungen. Die vielen Vorstellungen mit psychosomatischen Beschwerden im Zusammenhang mit dem Druck der Schule waren komplett verschwunden. Natürlich auch die Beratungen im Zusammenhang mit Schulleistungen und Schullaufbahn. Natürlich haben wir viele Familien aus der ländlichen oder Kleinstadtumgebung. Ob meine Wahrnehmung in einer Großstadt mit fehlender Natur und beengten Wohnverhältnissen genauso wäre, weiß ich natürlich nicht. Auch Ängste der Kinder im Zusammenhang mit COVID19 waren nicht besonders ausgeprägt. Am ehesten waren es noch Ängste um kranke oder alte …