Alle Artikel in: Medizin

Artikel zu kindermedizinischen Themen.

Infos zu Kinderreha

Tom ist 9 Jahre und hat ADHS. Elina, 7 Jahre, hat Neurodermitis. Astrid ist 11 Jahre und leidet an einem Asthma. Rebekka ist 10 Jahre und hat starkes Übergewicht. Was haben sie alle gemeinsam? Sie alle haben eine chronische Erkrankung und an einer Reha teilgenommen! Und alle haben davon deutlich profitiert! Kinder oder Jugendliche auf Reha? Ja, das geht! Welche Kinder und Jugendlichen bekommen eine Rehabilitationsmaßnahme? Kinder und Jugendliche, die wegen einer schweren, chronischen Erkrankung Probleme im Alltag, in der Schule oder der Ausbildung haben. Die oft 4-wöchige Reha kann und soll helfen, mit chronischen Erkrankungen sinnvoll umzugehen, sie besser einzustellen oder zu behandeln und die Auswirkungen abzumildern. Das Kind und seine Erkrankung steht im Mittelpunkt. Im Rehateam arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen, um die Behandlung der Kinder breit aufzustellen. Auch Sport und Spiel in der Gruppe kommen nicht zu kurz. Die schulpflichtigen Kinder bekommen in der Zeit von den Kliniklehrern Unterricht. Bei jüngeren Kindern begleitet ein Elternteil das Kind, bei den größeren dann, wenn der Arzt dies medizinisch begründet sieht. Begleitpersonen werden bezüglich der Erkrankung …

Die Masernimpfung. Eine persönliche Betrachtung zu Sicherheit und Effektivität.

Masern nehmen wieder zu aufgrund der Impfmüdigkeit. Und der Bundesgesundheitsminister hat nun einen Gesetzentwurf zur Impfpflicht vorgelegt. Ob eine Impfpflicht (mit allen Konsequenzen) der richtige Weg ist, ist umstritten. Auch aus rechtlichen Gründen habe ich da meine persönlichen Bedenken. Sicher ist allerdings, dass ungeimpfte Personen ein Risiko für die Weiterverbreitung darstellen. Ich möchte die aktuelle Diskussion zum Anlass nehmen, einmal meine persönlichen Erfahrungen mit Impfungen und mit Masern zu schildern – nach vielen Jahren Universitätsklinik und inzwischen 15 Jahren praktischer Kinderheilkunde. Und damit auch wilden Gerüchten und Verschwörungstheorien entgegentreten, die im Internet kursieren. Zuerst das Wichtigste: Impfungen in Deutschland sind sicher! Und Impfungen sind effektiv. Vielleicht die effektivsten Medikamente überhaupt. Während manche andere Medikamente die Zulassung und Verschreibungsfähigkeit bekommen, die ein Ansprechen von nicht einmal 30% haben, oder eine Heilungsrate von 5%, weisen etwa die Lebendimpfstoffe nach zweimaliger Gabe eine Schutzrate von nahe 100% auf. Was die Sicherheit betrifft – ich habe in all den vielen Jahren keinen einzigen Impfschaden erlebt – von den Folgen der Pockenimpfung einmal abgesehen (die wegen der konsequenten Impfung damals …

Was sollte ich vor, bei und nach Impfungen (meines Kindes) beachten?

Impfungen sind sicher und effektiv. Vielleicht die effektivsten Medikamente überhaupt. Daran gibt es wenig begründete Zweifel. Aber was sollte an Impftagen und danach dennoch beachtet werden? Was sollte am  Impftag beachtet werden? Allgemein sollte nicht in einen Infekt hineingeimpft werden, der bereits das Immunsystem, das ja immer im Ruhemodus im Hintergrund mitläuft, aufgeweckt hat. Das bedeutet – Impfung verschieben, wenn Fieber oder merkbares Krankheitsgefühl vorhanden sind. An Impftagen dürfen Sie Ihr Kind beobachten. Es wird vielleicht für maximal 48 Stunden etwas matter sein – so wie wenn ein leichter Schnupfen vorbeizieht. Bei Lebendimpfungen tritt dies mit einer Verzögerung von 5 bis 8 Tagen ein. Wenn es matter ist, schont sich das Kind automatisch selbst etwas. Wenn es sich nicht schont, dann müssen Sie es auch nicht in das Bett oder auf das Sofa zwingen. Allerdings sollten umgekehrt auch keine ungewohnten Anstrengungen stattfinden, kein intensives Sportprogramm, keine Bergtour, etc. Auch ungewohnte Hitze und starke Sonneneinwirkung ist zu vermeiden, weil dann der Impfstoff zu schnell aus dem Depot im Arm abgebaut wird. Wählen Sie für den Impftag …

Auf zum Zahnarzt!

Karies bei Milchzähnen ist und bleibt ein großes Problem. Fast die Hälfte der Kariesdefekte entstehen bereits vor dem 3. Geburtstag. Gut 15% der unter Dreijährigen sind betroffen. Grund genug, möglichst früh Prävention zu betreiben. In Kürze haben Kleinkinder darum auf 3 zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt Anspruch. Ab dem 6. bis zum 34. Monat kann dann wohl ab Jahresmitte 2019 ein Termin vereinbart werden. Bisher war dies erst ab dem 3. Lebensjahr vorgesehen. Die bisherigen 3 Vorsorgetermine zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr bleiben dabei natürlich weiter bestehen. Ursache der Karies sind zu große Mengen zucker- und säurehaltiger Getränke, oft aus Saugerflaschen, und mangelnde Zahnpflege. Schlimme Folgen können Schmerzen, aber auch Fisteln, Abszesse oder verfrühter Zahnausfall sein. Die bleibenden Zähne sind gefährdeter, ebenfalls Karies zu entwickeln. Unser Rat ist, neben einer konsequenten Zahnpflege und der Bevorzugung von ungesüßten Getränken wie Wasser oder Tee, die Vorsorgetermine beim Zahnarzt mit Ihrem Kind wahrzunehmen. Eine tolle Chance, die da in Deutschland angeboten wird!

Cannabis hinterlässt Spuren im Gehirn Jugendlicher

Hinterlassen bereits geringe Mengen an Cannabis Spuren im Gehirn Jugendlicher? Dies legt zumindest eine neue Studie nahe, wobei sie aber auch viele Fragen offen lässt. Unstrittig ist, dass der frühe und regelmäßige Konsum von Cannabis Veränderungen am Gehirn hervorruft. Immerhin über 8% der Jugendlichen zwischen 12-17Jahren haben schon einmal Cannabis konsumiert. Die nun veröffentlichten Daten deuten darauf hin, dass sich bereits geringe Mengen, also das Ausprobieren von 1 oder 2 Joints, auswirken könnten: In den Hirnregionen (vor allem die Regionen Amygdala und Hippocampus), die Cannabis mit besonderen Rezeptoren binden können, schien nach den Daten der Studie bei den Probanden die graue Substanz vermehrt. Dieser Effekt zeigte sich aber auch z.B. im Kleinhirn. Offen bleibt, ob oder welche Folgen das haben könnte und ob es nicht andere Ursachen oder Einflussfaktoren für diese Beobachtungen geben könnte, die nicht berücksichtigt oder erfasst wurden. Die vorliegende Studie stellt also keinen Beweis dar! Die Botschaft an Jugendliche muss darum sein: Aus den neuen Forschungsergebnissen können wir noch keine sicheren Schlüsse ziehen. Dennoch Vorsicht! Cannabis hinterlässt Folgen! Es gibt nun erste …

Ätherische Öle bei Erkältungen

Ärzte konnten lange mit ätherischen Ölen nichts anfangen und raten noch vielfach davon ab. Es zeichnet sich aber eine große Änderung ab. Der Hintergrund ist ganz einfach. Bei den leicht flüchtigen (verdunstenden) biologischen Stoffen aus Pflanzen handelt es sich in der Regel um Stoffgemische, deren Hauptwirkstoff nicht immer zu identifizieren oder zu isolieren ist. Außerdem (oder deshalb) besteht bei großflächiger Anwendung aus Erkältungssalben und/oder bei unkontrollierter Inhalation das Risiko einer Vergiftung. Dabei wären die Öle durchaus sehr sinnvoll, denn es gibt inzwischen mehr als 100 Forschungsarbeiten, die  sich mit dem Einsatz in der Medizin beschäftigen: Eukalyptusöl wird zum Beispiel aufgrund seiner antibakteriellen Wirksamkeit für den Einsatz bei multiresistenten Bakterien beforscht. Lavendel hat bereits Einzug in die Geriatrie und Psychiatrie gefunden – schlaffördernd und beruhigend. Und Menthol hat die gut bekannten Wirkungen bei Schnupfen und Husten. Als Kinderpneumologe bin ich kürzlich auf diesen Zug aufgesprungen und habe die Verantwortung für RhinoQuick® Schnupfenpflaster, ein hochwirksames Präparat bei Erkältung, übernommen. Das Geniale ist, dass die ätherischen Öle aus Minze, Lavendel und Eukalyptus aus der Matrixschicht eines Funktionspflasters freigesetzt …

WHO Statement

Impfungen verhindern laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) weltweit pro Jahr etwa 2-3 Millionen Todesfälle. Würden mehr Menschen geimpft sein, könnten noch einmal 1,5 Millionen Menschen gerettet werden. Nicht immunisierte Menschen geben Krankheiten weiter und können selbst erkranken. Die WHO hat darum die mangelnde Impfbereitschaft zu einer der 10 größten Gesundheitsgefahren weltweit erklärt. Die Verbesserung der Impfbereitschaft gehört deshalb laut WHO zu einem vorrangigen Ziel der nächsten Jahre. Als Beispiel führt die WHO die Masern an, die bis 2020 ausgerottet hätten werden sollen. Dieser Plan wird durch die mangelnde Impfbereitschaft der Industrienationen und der arabischen Welt nicht eingehalten werden können. Im Gegenteil: 2017 sind 30% mehr Menschen weltweit an Masern erkrankt als im Vorjahr. Die Politik diskutiert dieses Thema intensiv. Die Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion bezeichnete beispielsweise Impfen als Akt der gesellschaftlichen Solidarität. Anders als in Italien oder Frankreich gilt jedoch in Deutschland keine Impfpflicht. Wir wollen mit diesem Blogbeitrag an dieser Stelle explizit keine Diskussion eröffnen und werden darum außer der obigen, kurzen Darstellung des WHO-Statements und der Politik nichts weiter hinzufügen oder erwidern. Impfbefürworter wie Impfgegner …

Was ist Fieber? Und warum ich für eine neue Fieberkultur eintrete…

Es ist wieder Grippesaison. Und da häufen sich wie jedes Jahr im Februar und März die Fälle von Fieberkindern. Fieber erschreckt die Eltern. Denn das Kind ist matt und mitgenommen. Und plötzlich spuken im elterlichen Kopf Begriffe wie „Fieberkrampf“, „Überfieberung“, „Fieberschock“…. Um es vorwegzunehmen. Fieber wird vom eigenen Immunsystem „gemacht“. Es ist eine Begleitreaktion der Entzündungs- und Abwehrphase, die das eigene Immunsystem erzeugt. Eine „Überfieberung“ gibt es deshalb nicht (außer bei bestimmten Narkosemedikamenten). Krampfanfälle bei Fieber („Fieberkrämpfe“) gibt es schon. Aber auch diese hinterlassen bei ansonsten gesunden Kindern keine Schäden. Sie treten am häufigsten beim raschen Auffiebern oder Wiederauffiebern (nach starken Fiebersenkern) auf. Vielleicht muss der Erreger behandelt werden, der zu Fieber führt. Das Fieber selbst muss aber im Allgemeinen nicht behandelt werden. Der Griff zu Ibuprofen oder Paracetamol kann sogar – wegen des Fieber-JoJo-Effekts – das Risiko für Fieberkrampfanfälle steigern. Paracetamol gilt nicht mehr als ideales Medikament (wegen der starken Nebenwirkungen an der Leber), auch für Ibuprofen mehren sich die Hinweise auf langfristige Nebenwirkungen. Was also tun? Wenn das Fieber moderat ist, muss es …

Wie Smartphones die Sehkraft schwächen

Es ist inzwischen unstrittig. Die umfangreiche Nutzung von Smartphones in der Jugend kann die Sehkraft schwächen. Der  Mechanismus ist physikalisch gesehen logisch. Allerdings gab es denselben Mechanismus bereits vor dem Smartphone-Zeitalter. Schuld ist nämlich das Lesen in zu kurzem Abstand. Das Smartphone wird zu nahe an die Augen gehalten (so wie auch Bücher bei Leseratten). Das Auge reagiert mit Verlängerung des Längsdurchmessers, um das auszugleichen. Die sich noch entwickelnden Augen von Kindern und Jugendlichen betrifft dies deutlich stärker. Die Folge sind zunehmende Kurzsichtigkeit, Brillenkorrektur, und langfristig die Schwächung der Sehkraft. Die Symptomatik ist umso ausgeprägter, je länger die täglichen „Lesezeiten“ am Smartphone sind, und je näher es am Auge gehalten wird. Insofern sind die Bemühungen mancher Hersteller zu begrüßen, mittels Apps die Bildschirmzeiten besser zu kontrollieren. Inwieweit diese die Nutzungsdauer reduzieren lassen, bleibt abzuwarten.

Vorsicht: gefährliche neue E-Zigaretten

In den USA sind sie schon auf dem Markt, nun kommen die Juul-E-Zigaretten auch in Deutschland auf den Markt. In den USA sind Hunderttausende Jugendliche bereits abhängig. Sie sieht aus wie ein USB-Stick und enthält soviel Nikotin, wie die Richtwerte es in Deutschland noch zulassen. In den USA ist der Nikotingehalt sogar noch höher. Durch den Gebrauch der E-Zigarette werden Jugendliche an den Gebrauch herkömmlicher Zigaretten hingeführt. Der Rauch E-Zigarette enthält weniger, aber immer noch sehr gefährliche Stoffe. Also keine Entwarnung. Reden Sie mit den Jugendlichen und machen Sie die Fakten klar. Mehr können Sie nicht tun, denn die Jugendlichen müssen ab einem gewissen Punkt selbst entscheiden, was sinnvoll ist oder nicht.