Autor: Dr. Stefan Schwarz

Streit um den richtigen Erziehungsstil

Sie werden zum Beispiel Pandamamas oder Tigermamas genannt und streiten heftig, teilweise dogmatisch und mit Sendungsbewusstsein über den besten Kindererziehungsstil. Es ist in dieser Diskussion kein Ende in Aussicht. Und was macht man nun als Normalo draus? Keine Frage, die Erziehung ist eine Herausforderung. Wie weit lasse ich das Kind los, lasse es eigene Erfahrungen machen mit der Gefahr, sich auch einmal eine blutige Nase zu holen und rechne mich dem Pandalager zu? Oder wie eng setze ich Grenzen, übe Druck aus und bringe das Kind zu bestimmten Leistungen, die aber nicht aus innerer, eigener Motivation heraus kommen, und bezeichne mich als Tiger? Fragen, über die man diskutieren kann und die sich jeder letztendlich selbst beantworten muss! Nicht dass Anregungen von außen immer schlecht wären! Wahrscheinlich ist es dennoch das Beste, sich von all diesen Begrifflichkeiten frei zu machen, die Ratgeber und Artikel zur Seite zu legen und mit gesundem Menschenverstand zu überlegen, was Sinn in der Erziehung des eigenen Kindes macht. Womit ist man selbst authentisch, fühlt sich wohl, kann eigene Werte, Strukturen und …

Offen und auf Augenhöhe

Kommunikation mit Jugendlichen – hmmm, schwierig? Ja vielleicht, aber es gibt auch einige Dinge, die Jugendliche berechtigterweise einfordern und die den Umgang deutlich erleichtern. Miriam, 14 Jahre, kommt nach der Schule heim. Nach der Begrüßung kommt ihre Mutter schnell auf die E-Mail zu sprechen, die sie an diesem Tag vom Englischlehrer bekam. Miriam hat wiederholt die Hausaufgaben nicht gemacht, soll nacharbeiten und die Eltern sollen mit Miriam ernsthaft sprechen. Von dieser E-Mail bzw. der geplanten Kontaktaufnahme des Lehrers mit ihren Eltern wusste Miriam nun aber nichts. Sie wird wütend, fühlt sich hintergangen und ist einem weiteren Gespräch mit ihrer Mutter zunächst einmal nicht mehr zugänglich. Sie ist schließlich kein kleines Kind mehr! Wumms, die Türe ihres Zimmers fliegt zu. Im weiteren Verlauf des Nachmitttags tauschen sich Miriam und ihre Mutter noch einmal aus. Sie gehen in der nächsten Sprechstunde gemeinsam zu der Lehrkraft, besprechen den Vorfall und die Sachlage. Für Miriam das Wichtigste, nachdem der schulische Teil besprochen wurde: Offene Kommunikation, nicht hinter ihrem Rücken! Wenn der Lehrer die Eltern kontaktieren will, soll er ihr …

Schöne Ferien!

Es ist soweit, die lang ersehnten Sommerferien sind da! Wir wünschen Ihnen: Genießen Sie die Zeit mit Ihrem Kind! Das Schuljahr ist vorbei, nun ist es Zeit für Erholung und den Kopf frei zu bekommen, eine positive, gute gemeinsame Zeit zu erleben und die Schule und die Noten erst einmal gedanklich ganz weit nach hinten zu stellen. Selbst wenn das Klassenziel nicht erreicht wurde, die Kinder brauchen nun eine Auszeit. Denn für das neue Schuljahr braucht es wieder Kraft, drum müssen die Tanks nun erst einmal aufgefüllt werden. Und es ist auch gut, bewusst wieder wichtige andere Themen im Blick zu haben. Welche Themen sind für Ihr Kind mit seinem derzeitigen Entwicklungsstand wichtig? Nehmen Sie sich dafür Zeit mit Ihrem Kind. Und genießen Sie diese Wochen auch bewusst selbst! Schöne Ferien!

Fridays for future

Fridays for future – die Bewegung ist in aller Munde. Wie stehen Sie zu den Demonstrationen der Schülerinnen und Schüler? Als Kinder- und Jugendarzt beziehe ich klar Position: ich unterstütze die Jugendlichen in ihren Anliegen! Ein Blick auf die aktuelle Lage ernüchtert. Der Klimawandel, die Umweltverschmutzung, das Artensterben sowie die Vermüllung der Meere sind Tatsachen. Schlagworte, die jeder im Ohr hat. Hinter diesen Schlagworten stehen aber Probleme immensen Ausmaßes. Fakt ist, dass die durchaus kritische Lage des Planeten sich immer weiter verschlechtert und die internationale Politik ein gemeinsames, nachhaltiges und in akzeptablem Zeitraum wirksames Vorgehen nicht wirklich erreicht. Die entstehenden Probleme werden unsere Kinder und Enkel aushalten und lösen müssen. Ein Armutszeugnis für unsere Generation, dass wir unseren Kindern den Planeten nicht in besserem Zustand hinterlassen. Ich frage mich deshalb: Was bleibt den Jugendlichen denn übrig, als zu versuchen, die Problematik in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken? Sie denken natürlich an ihre Zukunft und an das, was sie angesichts des Klimawandels und der Umweltverschmutzung erwarten wird. Sie handeln engagiert und – wenn man …

Neue Empfehlung zur Kinderzahnpasta

Die Karies stellt noch immer ein großes Problem bei Kindern dar. Dies ist Grund genug für Experten verschiedener Fachgesellschaften auch auf europäischer Ebene, die Empfehlungen zur Fluoridierung per Zahnpasta zu verändern. Bisher galt der Rat, die Zähne 2mal täglich mit 0,05%iger Zahnpasta (500ppm) bei den Vorschulkindern zu putzen. Nun raten die Experten zu 0,1%igen Präparaten (1000ppm). Die prophylaktische Wirkung steigt dadurch deutlich, das Problem der Fluoridose, also der weißen Flecken auf den Zähnen, jedoch nicht wesentlich. Die Experten empfehlen zudem ab 6 Monaten mit 0,05%iger Zahncreme (500ppm) zu putzen (sofern schon Zähne vorhanden sind), ab 6 Jahren mit 0,1450%iger (1450ppm). Dies entspricht dem Fluoridgehalt wie er auch für Erwachsene empfohlen wird. Fakt ist, dass das Kariesaufkommen bei Kindern hoch ist. Das sehen wir immer wieder in der Sprechstunde. Insofern ist eine gründliche Zahnpflege mit Fluoridierung unabdingbar. Dabei muss aber offensichtlich auch der Fluoridgehalt der Zahnpasten gesteigert werden, um die Kinder besser zu schützen.

Infos zu Kinderreha

Tom ist 9 Jahre und hat ADHS. Elina, 7 Jahre, hat Neurodermitis. Astrid ist 11 Jahre und leidet an einem Asthma. Rebekka ist 10 Jahre und hat starkes Übergewicht. Was haben sie alle gemeinsam? Sie alle haben eine chronische Erkrankung und an einer Reha teilgenommen! Und alle haben davon deutlich profitiert! Kinder oder Jugendliche auf Reha? Ja, das geht! Welche Kinder und Jugendlichen bekommen eine Rehabilitationsmaßnahme? Kinder und Jugendliche, die wegen einer schweren, chronischen Erkrankung Probleme im Alltag, in der Schule oder der Ausbildung haben. Die oft 4-wöchige Reha kann und soll helfen, mit chronischen Erkrankungen sinnvoll umzugehen, sie besser einzustellen oder zu behandeln und die Auswirkungen abzumildern. Das Kind und seine Erkrankung steht im Mittelpunkt. Im Rehateam arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen, um die Behandlung der Kinder breit aufzustellen. Auch Sport und Spiel in der Gruppe kommen nicht zu kurz. Die schulpflichtigen Kinder bekommen in der Zeit von den Kliniklehrern Unterricht. Bei jüngeren Kindern begleitet ein Elternteil das Kind, bei den größeren dann, wenn der Arzt dies medizinisch begründet sieht. Begleitpersonen werden bezüglich der Erkrankung …

Die Grenze zwischen Erziehung und Manipulation – ein schmaler Grat

Vom Moment der Geburt an (genaugenommen sogar schon vorher) nehmen wir als Eltern Einfluss auf unsere Kinder. Doch während es zunächst um ganz elementare Dinge wie Geborgenheit, Zuverlässigkeit und Vertrauen geht, wird mit zunehmendem Alter des Kindes aus dem Einfluss eine Beeinflussung. Wir entscheiden, welche Werte wir vermitteln wollen, und versuchen, diese so zu vermitteln, dass sie beim Kind auch ankommen. Genau hier liegt aber die Gefahr, nicht nur erzieherisch, sondern manipulativ auf die Kinder einzuwirken. Um dies an einem Beispiel zu erläutern, sei folgende Situation geschildert: Ein Junge bekommt einen Bonbon angeboten und freut sich zunächst offensichtlich darüber. Dann jedoch ändert sich die Miene des Kindes, es schaut seine Mutter an und fragt verunsichert, ob es den Bonbon essen dürfe. Die Antwort der Mutter fällt eindeutig aus: „Nein, das ist nicht vegan. Dafür musste ein Tier sterben. So etwas essen wir nicht.“ Ganz abgesehen davon, dass eine vegane Ernährung für Heranwachsende nicht unproblematisch ist, manipuliert die Mutter durch die negative Art und Weise, wie sie über den Bonbon spricht, ihr Kind. Es bekommt den …

Pubertät – ein Geschenk der Evolution

Jugendliche brechen aus Rollen aus, sind risikofreudig, tun Dinge, die den Erwachsenen unverständlich sind und verändern sich stark. Die Eltern machen sich Sorgen und finden ihre Kinder komplett verrückt. Dennoch – Die Verrücktheit der Jugendlichen ist kein mentaler Unfall, kein Unglück, sondern ein ganz klares, absichtsvolles Programm der Gehirnentwicklung. Übrigens eine Phase der Hirnentwicklung, die nicht mit 19 Jahren endet, sondern bis in die Mitte der Zwanziger hinreichen kann. Das kindliche Hirn ist ein guter, aber chaotischer Rohbau, der sich selbst in eine nicht genau vorbestimmte Form entwickeln wird – und das oft länger als der restliche Körper mit seinen Veränderungen wie Brustwachstum oder Stimmbruch. Es gibt seit den 1980er Jahren dazu viel Forschung. Viele Hirnregionen bei Jugendlichen sind im Wachstum und der Reifung begriffen. Besonders spät sind dabei übrigens Hirnregionen dran, die mit Planung, Selbstkontrolle und sozialer Bindung zu tun haben. Jugendliche akzeptieren, wenn sie die Folgen ihres Handelns nicht abschätzen können und sind risikofreudig. In der Risikobereitschaft steckt aber auch die Chance für Persönlichkeitsentwicklung. Jugendliche sind sehr offen für Unbekanntes, sind anpassungsfähiger als …