Autor: Dr. Stefan Schwarz

Angst vor dem Schulstart

Trotz eines etwas mulmigen Gefühls freuen sich die meisten Kinder auf ihren ersten Schultag. Bei einigen überwiegt jedoch die Angst vor dem Neuen und Unbekannten. Dies sollte man als Eltern unbedingt ernst nehmen und nicht lapidar mit der Bemerkung abtun, dass doch alle anderen es auch schaffen. So besteht nämlich die große Gefahr, dass der Gang zur Schule vom ersten Tag an angstbesetzt ist. Aber was kann man dagegen tun? Zunächst darf man sich nicht von dem an Schultüren weit verbreiteten Schild „Ab hier schaffe ich es alleine!“ abschrecken lassen. Vielmehr sollte man bereits vor dem ersten Schultag das Gespräch mit der Lehrkraft suchen, um gemeinsam zu überlegen, wie es geregelt werden kann, dass das Kind den Weg von der Schul- zur Klassenzimmertür zunächst eben nicht alleine antreten muss, sondern von einer Bezugsperson an eine andere – wenn auch neue – “ übergeben“ werden kann. Beispielsweise bringt ein Elternteil das Kind zur Klassenzimmertür, wo es die Lehrkraft empfängt und mit ins Klassenzimmer nimmt. Wichtig ist hierbei, dass man sich als Elternteil nicht auf ein großes …

Wir wünschen einen guten Schulstart!

Der Kinderarztblog wünscht allen Kindern und Jugendlichen einen superguten Start ins neue Schuljahr. Viel Freude, Spaß und Erfolg beim Lernen und – bei aller Wichtigkeit der Schule – auch Zeit für Hobbies und Entspannung! Auch für die Eltern. Und ganz besonders allen Erstklässlern einen wunderschönen Tag, den Ihr mit Euren Eltern, Freunden und Verwandten so richtig feiert!

Mama, schau mich an!

Erik, 4 Jahre, quengelt. Seine Mutter checkt gerade ihre Mails und Whatsapp-Nachrichten. Aber sie reagiert nicht auf Eriks Äußerungen. Erik hopst herum, schreit schließlich und schmeißt sich auf den Boden. Nach kurzer Ermahnung setzt die Mama ihre Tätigkeit fort. Erik schmollt resigniert, setzt sich in sein Zimmer und starrt die Decke an. Branson McDaniel zeigte in einer Studie, dass Kinder mit Frust, Hyperaktivität, Wut und verschiedenen anderen Auffälligkeiten reagieren, wenn Eltern dauernd auf das Handy starren. Kinder eskalieren ihr Verhalten, wenn sie die Aufmerksamkeit ihrer ins Handy versunkenen Eltern erreichen wollen. Oft wird nur diskutiert, dass das Kind nicht zuviel Zeit mit dem Handy verbringen soll. Dabei müssten auch die Eltern ihren Medien- und Smartphonegebrauch hinterfragen. Eltern geben außerdem in McDaniels Studie an, das Handy gerade dann hervorzuholen, wenn der Nachwuchs sie nervt. Auch eine mögliche Ausrede vor sich selbst: schon wieder eine wichtige Nachricht aus der Arbeit, da kann man nicht aus… So entsteht aber ein Teufelskreis. Denn es verstärkt sich genau das Verhalten der Kinder, dem die Eltern gerade entkommen wollten: die Kinder …

HPV Impfung nun auch für Jungen empfohlen!!

Nun ist es soweit: Am 28. Juni ist die schon länger erwartete offizielle Empfehlung der HPV Impfung nun auch für Jungen von der STIKO (Ständige Impfkommission) veröffentlicht worden. Ziel ist es insbesonders, die durch HPV ausgelösten Tumore (an Gebärmutterhals, aber auch Penis, Mundhöhle oder Anus) zu reduzieren. Damit wird empfohlen, alle Jungen und Mädchen ab 9 Jahren zweimal im Abstand von wenigstens 5 Monaten mit einem Impfstoff gegen das HP-Virus (humanes Papilloma Virus) zu versorgen. Die Impfung gilt als gut wirksam und sehr verträglich. Fragen Sie bei Ihrer Kinderärztin bzw. Ihrem Kinderarzt nach, sie werden bestimmt gerne beraten.

Wollt ihr den Kids nützen, lasst sie mal machen!

Martin, 7 Jahre, kommt zur Vorsorge U 10. Er ist in der 2. Klasse. Beim Anamnesegespräch, bei der körperlichen Untersuchung und auch bei den Aufgaben, die seine Entwicklung abchecken, greift seine Mutter häufig ungefragt ein, stellt sich neben die Untersuchungsliege, steht bei der Untersuchung sogar im Weg und nimmt Martin einen Teil der Aufgaben ab, obwohl der Untersucher wiederholt darum bittet, Martin selber antworten zu lassen. „Pass auf! Mach dies so, mach das anders! Nein, es ist kalt, zieh die Jacke noch an! Das kannst Du doch, es geht so…“ Es gibt Eltern, die ihr Kind – aus welchen Gründen auch immer – sehr stark überwachen, es auf Schritt und Tritt kontrollieren, das Kind wenig eigenständig machen lassen und bereits bei kleinsten Anlässen sofort eingreifen, ständig präsent sind und das Kind wenig in die Eigenständigkeit entlassen oder potentielle Gefahren bereits vorwegnehmen, bevor das Kind sie überhaupt wahrnehmen kann. Umgangssprachlich werden solche Eltern als „Helikoptereltern“ bezeichnet. Wie Nicole Perry von der Universität Minnesota in einer Studie nun gezeigt hat, schaden die Helikoptereltern ihren Kindern eher, als …

Hände weg von der Vorhaut

Felix ist 4 Jahre und kommt zu uns mit der 2 Entzündung der Vorhaut innerhalb von 6 Wochen. Dem Jungen tut der stark geschwollene und gerötete Penis sehr weh. Unter lokalen Maßnahmen und Schmerzmedikation ist nach wenigen Tagen alles wieder gut. Aber warum kommt es bei Felix immer wieder zu Vorhautentzündungen? Auf entsprechende Nachfrage berichtet die Mutter, dass man ihr geraten hatte, die Vorhaut immer wieder zurückzuschieben, damit sie weit wird. Diesen Ratschlag haben die Eltern auch befolgt. Dabei war die Vorhaut für Felix‘ Alter normal weit, auch beim Wasserlassen bestand kein Problem. Durch das ständige Zurückschieben entstanden nun die Probleme. Wir würden nicht raten, die Vorhaut generell zu „bearbeiten“. Besteht ein medizinisches Problem, würden wir die Eltern entsprechend beraten. Das Genitale wird bei Vorsorgeuntersuchungen ja immer gecheckt. Wenn sich beispielsweise die Vorhaut beim Wasserlassen aufbläht wie ein kleiner Ballon, besteht evtl. Handlungsbedarf. Die Vorhaut weitet sich – das muss man wissen – natürlicherweise, man sollte deswegen nichts forcieren. Auch die spontane Lösung der Verklebungen zwischen Eichel und Vorhaut, die bei vielen kleinen Jungen vorliegt, …

Warum Lesen wichtig ist

In einer Studie aus dem Jahr 2014 wiesen die Wissenschaftler Richtie, Bates und Plomin nach, dass die Lesefähigkeit in der Kindheit über die Intelligenz im späteren Leben (mit)entscheidet. Untersucht wurden 1890 eineiige Zwillingspaare mit 7, 9, 10, 12 und 16 Jahren. Sowohl die verbale als auch die nonverbale Intelligenz der 16-Jährigen wurde durch die Lesefähigkeit im Alter von sieben Jahren bestimmt. Während der Zusammenhang deutlich nachgewiesen werden konnte, ist die Erklärung des Phänomens nicht ganz klar. Es wird vermutet, dass das Lesen die Fähigkeit des abstrakten Denkens fördert oder auch die Fähigkeit schult, sich längere Zeit mit einer Materie zu beschäftigen. Darüber hinaus darf man im Hinblick auf die Zukunft der Kinder nicht vergessen, dass durch den Wandel von der Industrie- zur Informations- und Wissensgesellschaft die Lese- und Rechtschreibkompetenzen immer wichtiger werden. Die Zahl der Arbeitsplätze, die den Umgang mit Computern und damit Textverarbeitungskenntnisse voraussetzen, wird stetig steigen. Außerdem ist auch das Internet ein Schriftmedium, das einen kritischen Umgang mit Texten erforderlich macht. Hat man früher Bücher, die oftmals wissenschaftlich geprüft waren, zur Aneignung von …

Frühförderung

„Was ist denn das – Frühförderung?“, werde ich gefragt. Gerade hatte ich Svens Mama vorgeschlagen, aufgrund der deutlichen Entwicklungsproblematik des Kindes diese Fördermöglichkeiten für ihr Kind in Anspruch zu nehmen. Denn Sven ist 4 Jahre alt und hat große sprachliche und motorische Schwierigkeiten. Frühförderung wird in sogenannten Frühförderstellen geleistet. Geregelt ist das gesetzlich durch SGB VIII, IX und XII. Dennoch gibt es zwischen den Bundesländern große Unterschiede. In Bayern tragen die Bezirke die Kosten. Kinder mit erheblichen Entwicklungsstörungen, Kinder mit Behinderungen oder die von Behinderung bedroht sind sowie Kinder mit Sinnesbeeinträchtigungen, wie Taubheit oder Blindheit, haben auf Frühförderung Anspruch. Die Frühförderstellen betreuen Kinder bis zur Einschulung. Es findet sowohl pädagogische als auch psychologische und medizinische Behandlung, wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie, statt. Die Therapeuten arbeiten unter einem Dach und tauschen sich aus, sodass die Behandlung so dem aktuellen Stand des Kindes angepasst werden kann. Ein Austausch mit dem betreuenden Kinderarzt kann ebenfalls stattfinden und ist sehr wertvoll. Und – sehr wichtig – auch die Eltern bekommen Beratung und Anleitung. Nach einem Jahr hat Sven nun …

Ich hab´ keinen U2 Termin bekommen!

Wir tun in unserer Praxis für unsere Patienten, was in unserer Macht steht, dennoch können wir nicht alles ermöglichen. Das ist auch für uns nicht zufriedenstellend, dennoch müssen wir diese Grenzen leider akzeptieren. Wovon spreche ich hier? Ein Beispiel: Frau M. läuft mir zufällig in der Stadt entgegen. Sie grüßt freundlich und fragt, ob sie mir kurz etwas sagen kann, wo sie mich schon einmal trifft. Dann schildert sie, dass sie nach der Geburt ihrer zweiten Tochter von unserer Praxis keinen U2 Termin bekommen habe, was sie bewogen hat, die Praxis zu wechseln. Was ist der Hintergrund? Letztlich der bundesweite Kinderärztemangel! Fakt ist: Die Anzahl der Kinderärzte in einem Verwaltungsgebiet ist vorgegeben und beschränkt. Eine Praxiseröffnung ist nur zulässig, wenn in einem Gebiet ein sog. KV-Sitz frei ist und besetzt werden darf. Zugrunde liegt eine Bedarfsplanung. Diese Bedarfsplanung müsste der aktuell schon sehr hohen Nachfrage und dem zu erwartenden noch höheren Bedarf angesichts der derzeit weiter steigenden Geburtszahlen allerdings dringend angepasst werden. Zudem werden ein Viertel aller Kinderärztinnen und -ärzte in den kommenden 5 Jahren …