Autor: Dr. Stefan Schwarz

Die Corona Impfung

Seit einigen Wochen impfen auch DIE KINDERÄRZTE gegen Corona. Und die wie sind die Erfahrungen? Hervorzuheben ist die große Resonanz und die große Dankbarkeit der Menschen, denen wir schon eine Impfung anbieten konnten, zum Beispiel zum Schutz ihres hochgefährdeten Kindes, wegen eigener Erkrankungen oder anderer Priorisierungsgründe. Im Moment ist die Priorisierung ja noch nicht aufgehoben, aber die Anfragen der nicht priorisierten Impfwilligen lassen das große Interesse für die Zeit nach der Freigabe erahnen. Auch die Anfragen nach Impfungen für Jugendliche nehmen rasant zu. Dies zu bewältigen wird eine große Herausforderung. Tatsächlich ist in diesem Zusammenhang wiederum – wie bei den sonstigen Coronamaßnahmen und den lock downs – an die Solidarität der Menschen zu appellieren. Zunächst mussten und müssen gefährdete Personen, Kranke oder beruflich Exponierte geschützt werden. Denn derzeit ist der Impfstoff noch knapp. Aber der Wegfall der Priorisierung wird kommen. Die Aufklärung nach dem derzeitigen Stand des Wissens vor der Impfung ist ein zentraler Punkt, damit die Patienten sich für oder gegen eine Impfung entscheiden können. Unserer Erfahrung nach haben etliche Patienten aber gar keine …

Das Chaos-Zimmer

Kennen Sie das? Sie werfen einen Blick in das Zimmer ihres pubertierenden Kindes und Sie sehen das totale Chaos. Kleidung am Boden, Bonbonpapiere, Bücher, zum Teil Haufen aus verschiedensten Materialien, deren Übersteigung schon bergsteigerisches Können erfordert, leere Tassen, Teller mit angebissenem Marmeladenbrot und in diesem ganzen Tohuwabohu ein Jugendlicher, der Aufräumen als völlig unnötig ansieht. Über allem liegt der Duft ungewaschener, alter Käsesocken. Und Mama oder Papa packt das kalte Grausen. Wie so oft in der Kindererziehung muss man als Elternteil dennoch die Prioritäten hinterfragen und vielleicht mehr Wert auf das Befinden des Jugendlichen und die Beziehung zu ihm legen. Jugendliche sehen sich mit komplexesten Anforderungen konfrontiert, die sie bewältigen müssen, aktuell sogar noch unter den mehr als widrigen Coronabedingungen. Die Schule, der Freundeskreis, die eigene Entwicklung, der sich verändernde Körper, die große, weite und mehr als komplizierte Welt. Und demgegenüber ein Jugendlicher, dessen Hirn sich im komplexen Umbau befindet und der sich selber nicht mehr kennt. Chaos im Kopf und Chaos im Zimmer. Haben wir also Nachsicht und Geduld. Das wichtigste ist Rückhalt, eine …

Hilft Asthmaspray gegen Corona?

Cortisonspray bei Covid? Noch ist das eine Medikament gegen die Pandemie nicht gefunden. Schön wäre es! Ermutigend sind aber nun die Berichte über positive Effekte des Kortisonderivates Budesonid, das als Asthmaspray breit eingesetzt wird. Dreh- und Angelpunkt beim Asthma ist die Entzündung der Schleimhaut der Bronchien. Darum ist eine Entzündungshemmung einer der wichtigsten Bestandteile der Therapie. Bei einer Coronainfektion ist es die überschießende Entzündungsreaktion, dann auch mit dem sogenannten “Zytokinsturm”, also der übermäßigen Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen, die den gefürchteten schweren Verlauf von Covid mit auslöst. Und hier greift die frühe Entzündungshemmung per inhalativem Kortisonspray ein. In Laborversuchen konnte auch gezeigt werden, dass Kortisonpräparate die Vermehrung der Viren in den oberen Atemwegen behindern und Wirkung an Rezeptoren zeigen, die das Eindringen der Viren ermöglichen. Noch sind es keine großen Datenmengen, die durch Untersuchungen gefunden wurden, aber wissenschaftliche Hinweise in einer Studie mit knapp 150 Patienten gibt es. Wir sehen also durchaus kleine Fortschritte in der Behandlung. Das Spray senkte die Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe, für Klinikeinweisungen und verkürzte die Beschwerdedauer etwas. Der SPD Politiker Karl Lauterbach …

Was tun bei Zähneknirschen?

Antonia ist 5 Jahre und knirscht nachts mit den Zähnen! Krrr, krrr, krrr, so klingt das aus dem nächtlichen Kinderzimmer. Ihre Eltern sind besorgt und etwas ratlos. Antonia ist ein fröhliches und unbelastetes, aber auch sensibles Mädchen und es gibt keine Probleme in der Familie oder im Kindergarten. Warum also knirscht Antonia und was kann man tun gegen Zähneknirschen (Bruxismus)? In den ersten Jahren testet das Kind, was der Körper kann, wie er sich anfühlt. Darum knirschen Kleinkinder manchmal mit den Zähnen. Manchmal steht ein Zahn etwas ungünstig und ein störender Bereich wird etwas abgeschmirgelt. Hier kann das Knirschen sogar einen positiven Effekt haben. Ob eine echte Störung vorliegt, kann der Zahnarzt schnell herausfinden. Oft findet man keine Ursache. Aber auch Verarbeitung und Entwicklung sowie Stress kann das Knirschen auslösen. Hier sollte man soweit wie möglich Stressfaktoren abbauen, den Alltag entzerren, Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Kindermeditation verwenden oder veränderbare Ursachen und Probleme angreifen, um seelische Belastungen zu vermeiden bzw. wo möglich zu beenden. Darüber hinaus wirkt sich auch zu viel Medienkonsum ungünstig aus. Länger …

Hört doch endlich mal zu, Ihr Erwachsenen!

Keine Party, kein Abhängen mit Freundinnen und Freunden, keine normalen Kontakte, keine Hobbies, keine Selbstentfaltung, kein normaler Unterricht oder reguläre Ausbildung – so vieles fehlt Jugendlichen, was in ihrem Alter wichtig und normal wäre. Keine normale Perspektive – und kein Ende der Pandemie in Sicht. „Wie soll es weitergehen, welche Berufswahl macht unter diesen Umständen Sinn, habe ich überhaupt eine Zukunftsperspektive?“, das sind die Fragen, die die Jugendlichen aktuell stellen. Was die Jugendlichen stört, zeigte nun eine Befragung von mehreren tausend Jugendlichen und jungen Erwachsenen: · 64% sehen sich als psychisch belastet an · 69% haben Zukunftsängste · 61% empfinden Einsamkeit · 34% sehen sich mit finanziellen Sorgen konfrontiert 65% stören sich daran, dass sie während des Lockdowns nicht gehört werden, 20% mehr als im ersten Lockdown. 58% denken, dass die Politik sie nicht wichtig nimmt. Sie wollen nicht, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Sie haben eigene Vorstellung von Schule und digitalen Lehrangeboten. Dabei sehen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr wohl die Bedürfnisse anderer Altersgruppen. Angst um die Eltern oder Angehörige ist …

Was ist denn ein Hüftschnupfen?

Anton ist 4 Jahre und humpelt seit dem Mittag. Er hatte morgens schon kurz geklagt, war dann aber normal in den Kindergarten gelaufen. Nun kommt er nur langsam die Treppe hoch. Er hatte keinen Sturz, zeigt aber auf sein Knie. Da tut es weh. An dem Knie kann die Mama jedoch nichts sehen. Auch der am Nachmittag hinzugezogene Kinderarzt nicht. Ihm fällt aber die Bewegungseinschränkung in der Hüfte auf. Ein Ultraschall bringt schnell Gewissheit, im Hüftgelenk ist ein Erguß. Anton hat einen Hüftschnupfen. “Einen was?” ist seine Mama versucht zu fragen, “nie gehört!” Tatsächlich ist das gar nicht so selten, aber relativ harmlos: infolge eines banalen, manchmal sogar unbemerkten Infektes kommt es nach einigen Tagen zu einer immunologischen Mitreaktion des Hüftgelenks mit Entzündung und Erguß. Hochdosiertes Ibuprofen zur Entzündungshemmung und Schmerztherapie, Ruhe und Entlastung bringt meist recht rasch die Besserung. Schwierig ist leider nur, die Kinder am Herumlaufen zu hindern, da mit dem Medikament die Schmerzen ja viel besser sind. So muß Antons Mama erfinderisch sein: Malen, Vorlesen, Basteln, Hörbuch hören und auch einmal eine …

Frohe Ostern!

Frohe Ostern? Angesichts der aktuellen Situation könnte man das schon fragen. Aber wir alle brauchen gerade jetzt auch Hoffnung und Zuversicht. Insofern kann das Osterfest einer der Lichtblicke sein, die besonders auch Kinder und Jugendliche derzeit so sehr ersehnen. Darum machen wir das Beste draus! Wir wünschen Ihnen von Herzen: Frohe Ostern!!!

Mein Wartezimmer oder kleine Freuden

Kinderlachen und Spielgeräusche dringen aus dem Wartezimmer. An der Eisenbahn stehen 3 Kleinkinder und nützen die kurze Wartezeit vor ihrem Vorsorgeterminen, um einige Minuten zu Spielen. Die Eltern sitzen schmunzelnd dabei und unterhalten sich. Nach der Vorsorge fragen viele Kinder ihre Eltern: “Darf ich noch 10 Minuten Eisenbahn spielen?” Erst ein Jahr sind diese Begebenheiten her. Schon damals haben wir auf sehr kurze Wartezeiten Wert gelegt. Nun arbeiten wir, um coronabedingt Kontakte komplett zu vermeiden, mit einem noch stringenterem Bestellsystem. Höchstens 2 Elternteile nehmen kurz Platz. Zum Spielen keine Zeit. Alle mit Maske und Abstand. Und nur einem Thema. Mein Wartezimmer kommt sich ganz überflüssig vor. Manchmal setze ich mich abends kurz rein, um es zu trösten und einen kleinen Plausch zu halten. Weißt Du noch…? Ja, es hat sich viel geändert, die Eisenbahn ist auch ziemlich arbeitslos. Viel schlimmer aber, daß die Kinder diese kleinen Kontakte nicht mehr haben, diese kleinen Freuden des Alltags. Wie die Gelbwurst beim Metzger, die es zumindest eine Weile nicht mehr geben dürfte. Hat mein Sohn nie verstanden! Ich …

Wann ist endlich wieder Sport regulär möglich?

Meine Kinder haben gar keine Lust mehr – zu gar nichts. Ihre auch? Auch nicht zu Außerschulischem wie homesporting! Klar, der Lockdown fordert viel von den Kindern und Jugendlichen – so viel, dass wir viele als resigniert, fast depressiv und wirklich demotiviert erleben. Das ist ein echtes Alarmsignal. Die Berliner Runde um Kanzlerin und Ministerpräsidenten hat etwa 2 Wochen eine vorsichtige stufenweise Öffnung auch für Sportvereine in Aussicht gestellt – wenn die Inzidenzen unten bleiben. Also wieder abwarten! Denn die Inzidenzen steigen, die dritte Welle rollt heran… Eine harte Probe für die Kids. Wir können ihnen ja keine klare Perspektive bieten. Sport ist wirklich enorm wichtig für die Entwicklung, die Gesundheit und die Psyche, aber mindestens ebenso wichtig ist der Kontakt mit den Gleichaltrigen und Vereinskolleg*innen. Und das alles kann der Online-Sport nicht ersetzen, so gut gemeint die Angebote sind und so engagiert sie erstellt werden. Wir Eltern können nur versuchen, den Kindern und Jugendlichen weiter gemeinsame gute, positive Zeit zu bieten, eventuell mit ihnen etwas (Online-)Sport zu treiben, soweit sie zu motivieren sind, und …

Zitat der Woche

Der Meister hat öfter versagt, als es der Anfänger überhaupt versucht hat. Stephen McCranie “Das musst Du nun aber langsam können!” Das sagen wir manchmal vielleicht zu schnell! Kinder sind unendlich geduldig und üben, üben und üben nochmals. Wie schwer es beispielsweise sein muß, wenn man noch nie gestanden, aber unzählige Male auf den Windelpopo gefallen ist und es dennoch wieder und wieder versucht! Seien wir geduldig, auch mit den großen Kindern. Wir haben auch nichts sofort gekonnt und sind oft genug gescheitert. Das dürfen unsere Kinder übrigens ruhig wissen! “Ja, Dein Papa oder Deine Mama hat das auch ewig üben müssen!” oder auch: “Das kann ich bis heute nicht gut!” Das ist ein ehrliches Vorbild, das Kindern hilft!