Autor: Dr. Stefan Schwarz

Wir brauchen einen alltagstauglichen Algorithmus im Umgang mit Corona

Diese Situation erleben wir derzeit nicht selten: Ein Kind hat ein (scheinbares) gesundheitliches Problem und Kindergärten oder Schule schlagen aus Angst vor Corona Alarm. Eventuell ganz umsonst! Die Leidtragenden sind zunächst die Kinder und ihre Eltern. Aber die Beschäftigten in Kindergärten und Schulen sind es auch! Dabei kann man den Kindergärten und Schulen gar keinen Vorwurf machen: Zu groß sind die Unsicherheit, die Angst und die Unklarheit hinsichtlich des Umgangs mit Corona. Zu gering unser Wissen über das Virus. Dennoch plädieren wir für einen möglichst rationalen Umgang mit der Seuche. Es macht beispielsweise keinen Sinn, dass sich Kinder solange die Hände desinfizieren müssen, bis die Haut rot, rissig und blutig ist. Es macht auch keinen Sinn, Kinder mit Dellwarzen nach Hause zu schicken, weil es ja einen Zusammenhang zu Corona geben könnte. Und nur eine laufende Nase ist ebenfalls keine Erkrankung oder ein Symptom, das isoliert eine Coronainfektion wahrscheinlich macht. Nur drei Beispiele aus der Sprechstunde. Ein Pädagoge muss und soll keine Krankheiten diagnostizieren. Aber ein rationaler und möglichst einheitlicher Umgang wird dennoch immer wichtiger. …

Änderung des Impfschemas

Ende Juni hat die Stiko (Ständige Impfkommission) die Impfemfehlung angepasst. Danach entfällt für reifgeborene Kinder die 2.Dosis des Sechsfachimpfstoffes. Danach wird nach Analyse von neuen Studiendaten angenommen, daß auch mit der geringeren Anzahl an Dosen ein ausreichender Impfschutz gewährleistet werden kann.

Langfristige Aspekte der Covid-Pandemie

Es setzt sich nun zunehmend die Einsicht durch, daß uns Covid19 noch lange begleiten und den Alltag bestimmen wird. Und nun? Ob Beruf, Familie, Beschulung der Kinder, gesellschaftliche Bereiche wie Kunst und Kultur, Finanzen, Verwaltung, kurz einfach alles läuft nun anders ab als bisher. Nach Wochen des Lockdown wird nun langsam klar, wie sehr die Pandemie unser aller Leben komplett und langfristig geändert hat bzw. es weiter verändern wird. Nein, auch in einigen Monaten ist das Coronavirus nicht verschwunden und wir werden lernen müssen, damit auch langfristig umzugehen. Und unsere Kinder auch. Generationen vor uns haben Krisen, Kriege und Pandemien überstanden und bewältigt, deshalb werden wir das in 2020 auch schaffen. Aber wir brauchen nun Mut, neue und intelligente Konzepte in allen Bereichen, kreative Ideen, Ehrlichkeit, Solidarität und Flexibilität. Und viel Geduld und Ausdauer. Die langfristige Perspektive der Pandemie sollten wir auch den Kindern und Jugendlichen aufrichtigerweise vermitteln. Sie sollen ihren Optimismus für Ihr Leben dennoch behalten. Das gelingt nicht durch Beschönigen, sondern durch ehrliches Darstellen der Fakten und durch das Vermitteln von gangbaren Lösungsstrategien …

Ist die Öffnung der Kindergärten und Schulen möglich?

Ist die Öffnung der Kindergärten und Schulen in der Coronazeit möglich? Ein aktuell heiß diskutiertes Thema, nicht nur bei Eltern und nicht nur in Deutschland. Am 18.5.2020 veröffentlichten namhafte medizinische Fachgesellschaften (DGKH mit DGPI und DAKJ) in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Kinderärzte (bvkj e.V.), eine Stellungnahme mit dem Titel: Kinder und Jugendliche in der CoVid-19-Pandemie: Schulen und Kitas sollen wieder uneingeschränkt geöffnet werden. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern und die allgemeinen Hygieneregeln stehen dem nicht entgegen. Darin wir ausgeführt: “Nach Ansicht der unterzeichnenden Fachgesellschaften zeigen die bislang veröffentlichten Analysen über die Ausbreitungsdynamik von SARS-CoV-2 und die Verläufe von CoVid-19, daß Kinder im Vergleich zu Erwachsenen eine deutlich untergeordnetere Rolle in der Verbreitung des Virus einnehmen… Insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren sprechen die aktuellen Daten sowohl für eine geringere Infektions- als auch für eine deutlich geringere Ansteckungsrate. Über die Ursache dieser geringeren Virus-Transmission liegen aktuell noch keine ausreichenden Belege vor.” Die zitierte Stellungnahme ist detailliert mit Daten begründet. Die Politik und die Gesellschaft als Ganzes muß nun abwägen. Sind die Ergebnisse …

Corona, Kinder und Kawasakisyndrom

In den letzten Wochen häufen sich Berichte über das Auftreten von Gefäßentzündungen bei Kindern (sogenanntes Kawasakisyndrom) im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Wie ist das zu bewerten? Schon lange ist diese Erkrankung bei jüngeren Kindern bekannt, die mit Fieber über mehr als 5 Tage, Hautausschlag, rissigen, roten Lippen, Bindehautentzündung, Lymphknotenschwellung und einer Rötung und später Schuppung der Hand- oder Fußflächen einhergehen kann. Auch das Herz kann betroffen sein im Verlauf. Kinderärzte sprechen vom Kawasakisyndrom. Ursache ist eine Gefäßentzündung, die auch früher schon in Zusammenhang mit Viruserkrankungen gebracht wurde. Scheinbar lässt das neue Coronavirus diese Erkrankung etwas häufiger auftreten, möglicherweise aber eher bei älteren Kindern als das sonst der Fall ist. Es scheinen auch eher Kinder mir afrokaribischer Herkunft betroffen zu sein. Vielleicht stellt sich eine Parallele zu den Erwachsenen dar, bei denen auch von Gefäßentzündungen berichtet wird durch Covid19. Dennoch keine Panik. Trotz aller Berichte ist das Kawasakisyndrom sehr selten, auch aktuell in Deutschland. Das Kawasakisyndrom kann außerdem mit Immunglobulinen und Acetylsalizylsäure recht gut behandelt werden, die Kinder müssen in der Folge natürlich zu Kontrolluntersuchungen. Dazu …

Alles Gute zum Muttertag!

Liebe Mamas unserer großen und kleinen Patienten, alles erdenklich Gute zum Muttertag. Wir wünschen Ihnen in dieser besonderen Zeit viel Kraft, trotz homeschooling und homeoffice auch mal ein paar Minuten zum Durchatmen für sich selbst und viel Freude mit Ihren wunderbaren Kindern. Wir erleben in den letzten Wochen in der Sprechstunde hautnah, wieviel die Eltern aktuell leisten. Sie haben unseren größten Respekt! Was Sie im Moment schaffen ist großartig! Einen schönen Muttertag und bleiben Sie gesund!

Es gibt besonders bewundernswerte Familien!

Hut ab, was manche Familien schultern. Nach der Sprechstunde geht es noch los zu einem Hausbesuch. Die Familie wohnt in einem kleinen Dorf auf dem Land. Unsere kleine Patientin, wir nennen sie an dieser Stelle einmal Klara, ist ein schwer krankes Mädchen, muss beatmet werden und braucht rund um die Uhr medizinische und pflegerische Betreuung. Die Eltern kümmern sich liebe- und aufopferungsvoll um ihre Tochter, ein Pflegedienst unterstützt sie nachts. Klara muss oft abgesaugt werden, hat oft Schmerzen, Krampfanfälle treten fast täglich auf. Häufige Klinikaufenthalte bestimmen den Alltag ebenso wie auch viel Bürokratie und Korrespondenz mit der Krankenkasse. Oft werden die Kosten für Hilfsmittel nicht übernommen, steriles Wasser (notwendig für das Beatmungsgerät) ist zum Beispiel schon ein Problem. Bei den Therapien stehen die Eltern vor dem Problem, dass längst nicht alle Therapeuten bereit sind, die Fahrten für Hausbesuche auf sich zu nehmen. Und dennoch: keine Verbitterung ist zu spüren! Bewundernswert meistern Klaras Eltern jeden Tag, mit allen Hochs und Tiefs. Klaras große Schwester kommt auch zu ihrem Recht und es wird auch viel gelacht in …

Babytalk

Kennen Sie es von sich selbst? Sie stehen vor Ihrem Baby und sprechen automatisch höher als normal, betonter, verziehen dabei das Gesicht und verwenden einfache Worte. Und Baby gluckst und hört zu. Wie kommt es zu dem sogenannten Babytalk? Man vermutet, dass diese Art, mit kleinen Kindern zu sprechen, tief biologisch verwurzelt ist. Babytalk ist auch in sehr vielen Kulturen und Sprachen bekannt. Es gibt jedoch auch Länder, in denen Babysprache praktisch nicht vorkommt, etwa im Westen Kenias oder auf Yucatan. Der Sinn der Babysprache ist im Kern, Aufmerksamkeit beim Kind zu erregen. Babys und Kleinkinder folgen dem Babytalk nachweislich durch Studien belegt aufmerksamer und hören lieber zu. Und so wird das Sprechenlernen gefördert. Vieles machen wir Eltern an dieser Stelle also ganz intuitiv richtig. Es braucht für eine normale Sprachentwicklung deshalb typischerweise auch keine speziellen Fördermaßnahmen. Aber natürlich können und sollen wir das Sprechenlernen im Alltag fördern. Aber entspannt! Es genügt, mit dem Kind im Alltag viel zu reden, zu singen, vorzulesen und zu spielen – aber das tun Sie sowieso automatisch. Und schon …