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Förderung durch Heilmittel?

Der kleine Fritz, 2 Jahre, kommt zur U7. Er spielt sehr kooperativ mit dem Arzt und lässt sich schön untersuchen. Fritz spricht wenig, wobei seine Mutter berichtet, dass nun immer wieder neue Wörter hinzukommen und dass Fritz auch schon 2-Wortsätze bildet. Zusammenfassend kann die Entwicklung des Jungen bei dieser U7 erfreulicherweise als normal beurteilt werden. Der Rat des Arztes wäre, weiterhin häuslich die Entwicklung von Fritz ganz allgemein zu fördern, auch in sprachlicher Hinsicht. In diesem Zusammenhang ist das Anbieten von Sprache durch Erzählen, Sing- und Sprechspiele, Vorlesen und Ähnlichem natürlich sehr wichtig.
Die Mutter von Fritz möchte nun aber Logopädie und Ergotherapie verordnet haben. Auf erstaunte Nachfrage nach dem Warum äußert sie, nichts verpassen zu wollen, die sprachliche Entwicklung sei nicht so wie bei anderen Kindern aus ihrem Umfeld und auch die motorische Entwicklung sollte ihrer Meinung nach gefördert werden.

Die Kinderärzte antworten: Nein, wir raten von einer Heilmittelverordnung für Fritz ab! Zum einen ist Fritz´ Entwicklung normal, eine Therapie damit nicht notwendig. Eine Therapie setzt außerdem eine Diagnose, also eine Erkrankung, voraus. Die Verordnung von Heilmitteln ist gesetzlich geregelt und ein Arzt darf zur allgemeinen Förderung eines Kindes ein Heilmittel nicht rezeptieren. Zum anderen kann eine wie auch immer geartete Therapieform die so wertvolle, tägliche häusliche Förderung eines Kindes gar nicht ersetzen.
An die Eltern werden bzgl. der Leistungen der Kinder heutzutage sehr hohe Anforderungen herangetragen, ob vom sozialen Umfeld oder vom Bildungssystem, beginnend mit dem Kindergarten. Hier sollte man sich nicht unter falschen Druck bringen lassen und ein Kind in seiner Normalität mit der Bandbreite, die die reguläre Entwicklung hat, gewähren lassen.

Und nicht vergessen: Eltern sollten außerdem auch den eigenen Kompetenzen vertrauen, die für die Förderung eines normalen Kindes notwendig sind.

Abschließend: Was denken Sie? Sehen Sie andere Aspekte? Sind Sie anderer Meinung?

DrS

2 Kommentare

  1. Carli sagt

    Endlich mal einer der das sagt, die Kinder sollen halt immer perfekter werden, Schreiben sie keine Ergotherapie auf???

    • Danke für Ihre Anmerkung. Kinder sollten Kinder sein und bleiben dürfen ohne einen permanenten Leistungsdruck oder ein Anforderungsspektrum, das das Alter, den Entwicklungsstand und die normale Bandbreite der kindlichen Entwicklung nicht mehr berücksichtigt. In diesem Zusammenhang lehnen wir die Verordnung von Ergotherapie eindeutig ab.

      Bei Vorliegen eindeutiger und definierter Störungen oder Erkrankungen, die Kinder in ihrer psychosozialen, sprachlichen, motorischen, körperlichen und sonstigen Entwicklung gefährden und damit ja auch für ihre Zukunft beeinträchtigen, sehen wir es als unsere Aufgabe an, unsere Patientenkinder zu begleiten und ihnen den Zugang zu notwendiger Therapie zu ermöglichen. Dies regelt die Heilmittelrichtlinie, an die wir uns halten, wenn wir dann z.B. Ergotherapie verordnen. Vor der Verordnung von Heilmitteln muss sich der Arzt unter Einbezug entsprechender Diagnostik vom Zustand des Patienten überzeugen und diesen dokumentieren. Dies gilt auch für Folgeverordnungen.

      DrS

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