Erziehung, Familie, Prävention
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5 Fakten, damit Co-Sleeping nicht zum K.O.-Sleeping wird…

Das gemeinsame Schlafen der Eltern mit dem eigenen Kind (oder sogar mit mehreren Kindern) in einem Bett wird inzwischen neudeutsch als Co-Sleeping bezeichnet. Es war über Jahrtausende üblich und ist auch heute noch in manchen weniger industrialisierten Kulturen die Regel. In unserer mitteleuropäischen Kultur wurde es mit zunehmendem Wohlstand und mit dem Trend zur Individualisierung im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte zunehmend verlassen – zugunsten einer räumlichen Trennung der Schlafzimmer. Jetzt erlebt es unter dem neuen Namen „Co-Sleeping“ eine Renaissance unter Familienmenschen.

Was gibt es medizinisch oder entwicklungspsychologisch zum Co-Sleeping zu sagen? Ist das nun gut oder schlecht?

Wissenschaftlich erforscht ist das nicht. Es gibt aber 5 bekannte Faktoren die Co-Sleeper mit in ihr Schlafzimmer nehmen sollten:

  • Kinder bis zum Alter von 1,5 Jahren haben im Elternbett ein deutlich erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod. DieKinderärzte warnen deshalb vor Co-Sleeping in diesem Alter.
  • Kinder wie Erwachsene schütten bei engem Körperkontakt das Bindungs- (und Wohlfühl-) Hormon Oxytocin aus, was wahrscheinlich auch langfristig günstig wirksam sein dürfte. Das spricht für ein Co-Sleeping.
  • Eine gesunde Schlafumgebung sollte nicht nur aus Sicht der Kinder gewährleistet sein sondern auch aus Sicht der Eltern. Familie funktioniert gut ausgeschlafen einfach besser. Und mehr Personen im Bett verschlechtern häufig eher die Schlafqualität.
  • Nicht zuletzt sollten auch die Bedürfnisse einer oder beider Elternteile auf ungestörte Intimität ohne Mitschläfer berücksichtigt werden um das Gesamtsystem Familie durch einen hohen Wohlfühlfaktor zu stärken.
  • Langfristig alleinerziehende Co-Sleeper und Co-Sleeperinnen sollten sich prüfen ob durch das eigene Bedürfnis nach Nähe das Kind nicht in der Gefahr steht Ersatz-Partner zu werden.

DieKinderärzte meinen: Jenseits all dieser Fakten wird es wohl meist eine individuelle und emotionale Entscheidung sein, wieviel Schlafnähe gewünscht und/oder zugelassen werden kann. Und das ist gut so. Menschen sind unterschiedlich. Schlafverhalten auch. Gut ist es wenn sich die beteiligten Co-Schläfer einig sind.

DrGH

Kategorie: Erziehung, Familie, Prävention

von

Dr. med. Gerald Hofner

Dr. Gerald Hofner war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberarzt der Universitätskinderklinik Erlangen-Nürnberg, bevor er seit 2003 in der von ihm gegründeten Praxis für Kinder und Jugendliche in Neudrossenfeld und Bayreuth tätig wurde. Sein Fokus liegt auf der Schwerpunktversorgung für Kinderkardiologie, Kinderpneumologie und Jugendsportmedizin, sowie auf der Prävention. Ihm ist dabei wichtig, die Erkenntnisse der Wissenschaft verständlich zu den Patienten und ihren Familien zu bringen. Als Vater von zwei Töchtern weiß er um die Probleme von Familie.

20 Kommentare

  1. Dass der plötzliche Kindstod durch Co-Sleeping begünstigt wird ist übrigens schon in der Bibel überliefert worden. Der Bericht ist der Ausgangspunkt für das berühmte Salomonische Urteil (1. Könige 3, 16ff):

    Nun starb der Sohn dieser Frau während der Nacht; denn sie hatte ihn im Schlaf erdrückt.

    DrGH

  2. Karen Buchholz sagt

    Dieser Artikel ist bis auf Punkt zwei absoluter Mumpitz.

    Punkt 1 ist durch den fachkundigen auf neuesten Forschungsergebnissen.basierenden Fachartikel von Dr. med Herbert Renz-Polster widerlegt in dem er die neuesten Forschungsergebnisse zum Co-sleeping präsentiert, die das Gegenteil aussagen.

    Punkt 3: Co-Sleeper sind ausgeschlafen als Eltern, deren Kinder im eigenen Bett schlafen. Der Schlafrhythmus der Eltern passt sich dem des Kindes an. Die Mutter wacht seltener auf, wenn das Kind stillt. Im -bringen schlafen die Kinder länger und ruhiger

    Punkt 4 Wohlfühlfaktor: Ich würde mich ohne Co-Sleeping unwohl fühlen, denn alles andere ist unnatürlich und nicht artgerecht

    Punkt 5: Gerade Co-Sleeper haben oft mehr als ein Kind! Man kann auch an anderen Orten außer dem Ehebett einem erfüllten Sexualleben nachgehen. Prüderie war gestern!!!!!

    • Danke. Wir brauchen hier Diskussion, auch gerne kontroverse.
      Sie scheinen eine Befürworterin des Co-Sleepings zu sein.

      Leider gibt es wenig Bewiesenes dazu. Die Punkte 2-5 waren eher als Denkanstoß gedacht, weil es ja viele Bedürfnisse gibt, wenn mehrere Menschen zusammenleben. Da liegen wir ja auch gar nicht soweit auseinander.

      Bei Punkt 1 irren Sie aber. Sowohl wissenschaftlich als auch in den Empfehlungen aller ärztlichen Fachgesellschaften zum Thema als auch in meiner persönlichen Erfahrung ist das Schlafen eines Kindes im Elternbett einer der wichtigsten Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Etwas anderes zu behaupten, ist gefährlich, bei immerhin einem Risiko zwischen 1 : 2.000 und 1 : 5.000. Was ein Elternteil mit dieser Information macht, bleibt ihm überlassen, aber es zu leugnen, ist aus meiner Sicht unverantwortlich.

      DrGH

      • Karen Buchholz sagt

        http://blog.kinder-verstehen.de/?p=99

        Hier finden Sie die neuesten Studienrgebnisse aus Großbritannien zum Thema Co-Sleeping und SIDS, Co-sleeping schützt sogar vor SIDS, wenn folgende „Spielregeln“ beachtet werden:

        1. Kein Alkohol
        2. Keine Drogen
        3. Kein Raucher mit im Familienbett
        4. Kein Wasserbett

        Ich verstehe nicht, dass deutsche Ärzte so auf den Irrlehren Johanna Haarers und des Behaviuorismus beharren.

        Und ja, ich bin seit 6 Jahren überzeugte Co-Sleeperin, wir teilen unser Familienbett zu viert. Ich muss dazu sagen, dass eine Bekannte ihrer Tochter das Leben gerettet hat, ohne Familienbett wäre ihr Kind nicht mehr unter den Lebenden. Die sogenannten und zertifizierten stillfreundlichen Geburtskliniken propagieren Co-Sleeping. Also scheinen Ihre Erkenntnisse veraltet zu sein.

      • Daniela Fraude sagt

        Lesen Sie den Artikel von Renz Polster, dann verstehen Sie auch, warum die Statistik trügt! Pauschal mit Zahlen um sich zu schlagen, macht es gerade heute, wo die meisten Menschen ehr auf (ärztliche-) Ratgeber hören, als auf ihr Bauchgefühl nicht einfacher.

  3. Also das es Sids gibt ist mir klar, aber ich habe in der Nachbarschaft einen Fall wo die Mutter wach wurde, weil der Atem des Kindes aussetzte und nun geht es dem Kind wieder gut.
    Das Risiko für SIDS steigt also, woran wird das fest gemacht?

    Ach ja und ich bin überzeugte Co- Sleeperin und auch wir haben mehr als ein Kind. Von Anfang an im Familienbett, weil mir mein Schlaf heilig ist. Muss ich erst aufstehen, wars das mit dem Schlaf.

    • Danke, Janina. Wir wissen nur, dass Kinder im Elternbett häufiger einen plötzlichen Kindstod erleiden (SIDS) als im Beistellbett. Wir wissen nicht exakt warum. Und leider auch nicht, ob es auch positive Faktoren durch die mitschlafenden Eltern bzgl des Kindstodes gibt.

      Ich weiß aus der Sprechstunde, dass diese Faktoren Eltern aufwühlen. Gerade die, die das traditionelle Co-Sleeping als beglückend erleben.

      DrGH

  4. Die sehr emotional geführte Diskussion lässt vermuten, dass sich manche Eltern angegriffen fühlen.
    Meine Aufgabe als Arzt ist es aber weder, Eltern Vorschriften oder gar Vorwürfe zu machen, die sich für das Familienbett entscheiden. Meine Aufgabe als Arzt ist es aber schon, Fakten und Informationen zu liefern, auf deren Grundlage Eltern ihre Entscheidung treffen können. Und die wissenschaftlich bewerteten Daten sprechen derzeit immer noch für ein erhöhtes SIDS-Risiko im Elternbett.
    Das ist auch meine persönliche Erfahrung (3 SIDS-Fälle unter meinen Patienten in 11 Jahren, davon 2 im Elternbett).
    Wir klären deshalb in der Praxis weiterhin schriftlich auf, und bieten auch das Basilaris-Screening (Gehirnarteriendoppler) an, um ein unabhängig erhöhtes SIDS-Risiko auszuschließen.

    DrGH

  5. Carnot sagt

    noch a weng aktuelle Literatur für die/ den interessierten Leser(in):

    http://www.bmj.com/content/350/bmj.h1989.long

    http://www.aafp.org/afp/2015/0601/p778.html

    decken sich mit den Hofer`schen Aussagen und sollten beachtet werden…

    hier was ganz Nettes zur Ursachenforschung…

    http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62938/Ploetzlicher-Kindstod-im-Hochgebirge-haeufiger

    und noch aus der Presse

    http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/ploetzlicher-kindstod-so-schuetzen-sie-ihr-baby-a-999101.html

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