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Kinderrechte – eine Selbstverständlichkeit?

Die Kinderärzte berichten zur Kinderrechtskonvention der UN: Am 20.11.1989 wurde das „Übereinkommen über die Rechte des Kindes“, also die Kinderrechtskonvention, von der Vollversammlung der Vereinten Nationen angenommen. Zentraler Punkt dieses Übereinkommens ist die Vorrangigkeit des Kindeswohls in allen Entscheidungen, die Kinder betreffen – vor allen anderen Gesichtspunkten mit höchster Priorität. Es geht also um die Verankerung und Sicherung der kindlichen Grundrechte im Zentrum der Gesellschaft.
Die BRD hatte 1990 beschlossen, dass die Kinderrechtskonvention keine unmittelbare Anwendung finden solle. Erst 2010 (!) wurde diese Vorbehaltserklärung aufgehoben. Seitdem gilt die Kinderrechtskonvention im Rang eines einfachen Gesetzes. Aber: Sie wurde bisher nicht in das Grundgesetz aufgenommen.

Dies ist eine Station einer langen Entwicklung, die hoffentlich in Zukunft bis genau dahin führt, dass die Kinderrechtskonvention in allen Gesellschaften weltweit, auch in unserer, in vollem Umfang akzeptiert, gesetzlich an zentraler Stelle festgeschrieben und umgesetzt wird.

Kindheit verstehen wir heute als Lebensabschnitt mit eigenem Wert. Diese Sicht entwickelte sich erst seit etwa 250 Jahren mit Rousseau, der mit seinem Erziehungsroman „Emile“ eine Neuorientierung der Gesellschaft bzgl. der Bewertung der Kindheit als etwas per es Wertvolles und Wichtiges anstieß.
Früher wie heute erleben Eltern quer durch alle Schichten, welch große, schwere und anspruchsvolle Aufgabe Erziehung bedeutet. Früher wie heute bedeutet Erziehung für Eltern auch Arbeit und einen enormen Lernprozess. Erziehung und die Sorge für das Wohl eines Kindes wird durch gesellschaftliche Bedingungen nicht nur erleichtert, sondern zum Teil auch erschwert, insbesondere dann, wenn eine Gesellschaft die Vorrangigkeit des Kindeswohls in ihren Prioritäten nicht an die zentrale Stelle setzt. Und hier gibt es viel zu tun – und wir müssen in diesem Zusammenhang nicht auf weit entfernte Länder blicken. Jedes zwölfte Kind in der BRD lebt unterhalb der Armutsgrenze. Dies hat, so formuliert es auch der Unicef-Report, lebenslange Folgen.

Kein Thema für die Kinderarztpraxis? Die Kinderärzte meinen doch! Der berühmte Arzt R. Virchow formulierte es so: „Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen.“

DrS

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