Kindererziehung
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Nachhilfe – (k)eine gute Idee?!?

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Nachmittage, an denen kein Schulunterricht angesagt ist, sinnvoll zu verbringen: ein Instrument erlernen, Sport treiben, sich mit Freunden treffen oder einfach mal entspannen. Es ist jedoch sicher keine gute Idee, diese Nachmittage auch noch mit Nachhilfe – womöglich gleich in mehreren Fächern – zu füllen.
Der Trend zeigt aber leider, dass genau dies oft gemacht wird – und zwar zunehmend nicht mehr nur bei den sogenannten Wackelkandidaten, bei denen es um die Versetzung geht, sondern auch bei guten Schülern. So haben von den 1,6 Mio. Nachhilfeschülern in Deutschland ein Drittel befriedigende bis gute Noten. Die Nachhilfe soll also dazu dienen, immer noch besser zu werden. Auf den ersten Blick mag dies vielleicht sogar sinnvoll erscheinen, man muss allerdings hinterfragen, welche Einschätzung man einem Kind vermittelt, das man trotz guter Noten zur Nachhilfe schickt: Gut ist eben nicht gut genug. Und das Kind wird diese Aussage auf sich beziehen: „Ich bin nicht gut genug! Ich kann die Aufgaben nicht selbst bewältigen!“ Jeder kann sich ausmalen, wie sich eine solche Haltung auf das Selbstbewusstsein der Kinder auswirkt. Dabei muss man sich immer klar machen, dass es später in den allermeisten Fällen weniger auf die um einige Zentel bessere Abiturnote ankommt als vielmehr auf das selbstbewusste Auftreten, das man aus der Wertschätzung der eigenen Leistung gewinnt.
Nachhilfe hat sicherlich ihre Berechtigung, wenn es darum geht, Defizite in einem Fach aufzuarbeiten oder schwierige Themenbereiche nochmals zu üben. Sie sollte aber nicht zur dauerhaften Einrichtung werden. Geht es nicht ohne, zeigt dies, dass Schüler überfordert sind. Hier ist es die Aufgabe der Eltern – gegebenenfalls mit Hilfe des Schullaufbahnberaters der Schule – durch die Wahl einer geeigneteren Schulform dafür zu sorgen, dass die Kinder wieder Erfolgserlebnisse in der Schule haben, um ihr oftmals verlorengegangenes Selbstbewusstsein wieder aufbauen zu können.

Wir danken unserer Gastautorin B. Ehlenberger für diesen Beitrag.

Kategorie: Kindererziehung

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

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