Kindererziehung
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Prioritäten setzen!

Martin ist 5 Jahre alt. Er wird in einigen Wochen umziehen und seine Mutter und sein Vater haben eine irre anstrenge Zeit: morgens ins Büro, dann nachmittags ab nach Hause und alten Putz abklopfen oder neue Böden legen oder Wände streichen, und…und…und… – bis beide spätnachts todmüde ins Bett fallen. Martin findet, dass er mit Mama und Papa mehr spielen möchte – wie früher. Aber Mama will lieber streichen als Memory spielen. Martin weiß nicht, warum Mama und Papa eigentlich seit neuestem so genervt sind und bei Kleinigkeiten explodieren. Er wird nun selbst öfters wütend und ist trotzig. Warum, weiß Martin selbst nicht. Die Wochen vergehen und es wird immer schlimmer. Mama und Papa streiten inzwischen auch miteinander sehr oft. Martin ist unglücklich. Die Familiensituation kriselt.
Und? Wie ging die Geschichte aus?
Die Besserung beginnt mit einem Rat eines Freundes von Martins Vater. „Überleg mal, wie Martin es sehen muss!“ Die Eltern sperrten die Baustelle für einige Tage ab und folgten diesem Rat. Sie überlegten – und kamen zu dem Schluss, dass Martin wohl eher kein perfektes Haus wollte, sondern es für ihn viel wichtiger war, mehr Zeit mit seinen Eltern zu verbringen und einen normalen Alltag mit Mama und Papa zu erleben. Die Eltern von Martin überdachten ihre Prioritäten sehr weitreichend. Die Konflikte entstanden ja letztlich, weil die Eltern ihre eigenen Kräfte und Grenzen falsch eingeschätzt hatten. Martins Eltern entzerrten das Programm deutlich, die Familie zog einen Monat später als geplant um und Martins Eltern nahmen die Hilfe von Freunden in Anspruch, was sie früher abgelehnt hatten.
Die für Martins Eltern sehr tiefgehende Erfahrung hatte aber auch einen langfristigen Effekt: Das Neusetzen von Prioritäten haben Martins Eltern tatsächlich beibehalten. Sie gestalteten einiges in ihrem Alltag auch nach dem Umzug um. Und Martin? Er wird gar nicht mehr so oft wütend und trotzig wie früher! Und er findet, dass er die besten Eltern der Welt hat!

Kategorie: Kindererziehung

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

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