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Ist eine Untersuchung auf angeborene Herzfehler sinnvoll?

Als Kinderkardiologe dazu ein ganz klares JA.

Etwa  1% der Kinder kommt mit einem fehlgebildeten Herzen oder Fehlern der großen Gefäße am Herzen, also vor allem der Aorta (Hauptschlagader), auf die Welt. Gottseidank sind viele dieser Herzfehler trotzdem gut mit dem Leben vereinbar. Und ein Teil kann sich sogar von selbst normalisieren.

Etwa 70% der Herzfehler kann im Rahmen einer exakten Ultraschalluntersuchung während der Schwangerschaft bereits diagnostiziert oder vermutet werden.

Es bleiben dennoch einige Fehler, die Relevanz haben. Weil sie die Umstellung des Kreislaufs nach der Geburt behindern und damit die Reifung der Lungengefäße. Weil sie Bluthochdruck begünstigen können (mit allen Folgen). Weil sie ein Risiko bei körperlicher Belastung darstellen. Weil sie das Herz schwächen. Weil sie die körperliche Entwicklung behindern.

Ich empfehle deshalb immer,  einen Herzfehler per Ultraschalluntersuchung auszuschließen. Vor allem natürlich, wenn es solche Herzerkrankungen in der Familie gibt.

Und wann? Im Prinzip in jedem Lebensalter, am besten allerdings in den ersten Lebensmonaten. So wie es in vielen Geburtskliniken bereits durchgeführt wird.

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von

Dr. med. Gerald Hofner

Dr. Gerald Hofner war kinderkardiologischer Oberarzt der Universitätskinderklinik Erlangen-Nürnberg, bevor er 2003 in eine neue Praxis in Neudrossenfeld und Bayreuth wechselte. Sein Fokus liegt auch dort auf der Schwerpunktversorgung für Kinderkardiologie, Kinderpneumologie, Jugendsportmedizin und Ernährungsmedizin, besonders unter dem Aspekt der Prävention. Ihm ist dabei wichtig, die Erkenntnisse der Wissenschaft praktisch und verständlich zu den Patienten und ihren Familien zu bringen. Als Vater von zwei Töchtern weiß er um die Probleme von Familie. Seit 2019 ist er außerdem verantwortlich für die beiden neuen Medizinprodukte FrioQuick® Kühlpflaster und RhinoQuick® Schnupfenpflaster in Deutschland - sanfte und effektive Therapie. Dr. Gerald Hofner hat einen Lehrauftrag der Universität Bayreuth angenommen.

2 Kommentare

  1. Sabrina sagt

    Bei unsrer Pflegetochter wurde durch Zufall ein angeborener Herzfehler festgestellt. Dieser seltene Fehler hätte später zu einem Herzinfarkt oder sogar zum plötzlichen Herztod führen können – dies wurde mir von mehreren Fachärzten bestätigt. Zum Glück konnte er in einer zwar langen, aber komplikationslosen OP korrigiert werden.
    Mir hat sich in dieser sehr schwierigen Zeit die Frage gestellt, warum ein Herz-Ultraschall nicht automatisch nach einer Geburt erfolgt. Warum U-Schall der Hüfte, aber nicht des Herzens?

    • Dr. Stefan Schwarz

      Sie sprechen uns aus dem Herzen!!! Wir raten beispielsweise allen Eltern zu einem Ultraschall des Herzens, der Niere und zu einem Ultraschallscreening bzgl. des plötzlichen Kindstodes. Oder auch zu augenärztlichen Vorsorgen. Aber: die Krankenkassen haben das alles nicht ins Vorsorgeprogramm aufgenommen. Es ist schlicht nicht vorgesehen (natürlich spielt der Kostenfaktor hier die wichtigste Rolle) und auch nicht in Sicht – bis auf einige Krankenkassen, die (für in das Hausarztmodell eingeschriebene) Kinder wenigstens den Nierenultraschall zahlen. Ich kann den Eltern nur dringend zu solchen präventiven Maßnahmen raten, weil es, wie Sie es aus eigener leidvoller Erfahrung beschreiben, medizinisch wirklich sinnvoll ist. Die Daten gibt es ja. Die Kosten werden die Krankenkassen aber nicht bezahlen. Die Gesundheitsversorgung der Menschen in Deutschland ist im internationalen Vergleich nicht schlecht. Sinnvolle Prävention wird dennoch viel zu wenig in der Gesundheitsversorgung betrieben. Leider gerade auch bei den Kindern.

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