Kindererziehung
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Respekt, was für eine Leistung!

Lisa und Felix sind 6 und 8 Jahre alt. Ihre Mutter Frau M. (alle Namen geändert) kommt mit ihnen zu uns zur Kontrolle wegen eines fieberhaften Infekts der oberen Luftwege, der die Geschwister seit 2 Tagen plagt. An sich ein Routinetermin. Darauf angesprochen, dass sie etwas müde aussieht, bricht die Mutter fast in Tränen aus. Als sie sich etwas gefasst hat, berichtet sie den Grund. Aus finanziellen Gründen müssen beide Eltern arbeiten. Da die Familie aber über keine Kinderbetreuungsmöglichkeiten verfügen kann und es für die Mutter auch sehr schwer war, überhaupt eine Arbeitsstelle zu finden, arbeitet die Mutter immer nachts. Wenn Sie heimkommt, ist es Zeit, die Kinder zu wecken und das Frühstück vorzubereiten, damit Lisa und Felix dann in die Schule gehen können.
Dieser Zustand dauert nun schon über ein Jahr und hat Frau M. an den Rand ihrer Kräfte gebracht.
Zufällig berichtete in der gleichen Woche ein Vater praktisch die identische Geschichte aus seiner Familie.
Es ist mehr als nur ein Spagat zwischen Familie und Beruf, den diese Menschen bewerkstelligen, die meinen höchsten Respekt haben. Es ist ein Zustand, der auf Dauer jede Familie an die Leistungsgrenze bringen wird. Und offensichtlich ist so etwas auch kein Einzelfall.
Wann wird die Politik hier endlich tätig? Junge Familien brauchen mehr Unterstützung und der Ausbau der Kinderbetreuung und die Verbesserung des Zugangs zur selbigen tut meiner Meinung nach dringend Not.

Kategorie: Kindererziehung

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

2 Kommentare

  1. Silvia sagt

    Nein das ist kein Einzefall. Ich arbeite Nachts. Mache um 7 Uhr Feierabend. Dann wird gefrühstückt. Der Kleine fertig gemacht und in die Kita gebracht. Um 15 Uhr hole ich ihn wieder ab. Betreue ihn bis 19:30 Uhr, dann kommt mein Mann heim und ich muss sofort zur Arbeit. Wenn man krank wird, wird einem mit Kündigung gedroht. Also geht man immer weiter, auch wenn es eigentlich nicht mehr geht.

    • Dr. Stefan Schwarz

      Sie haben unseren ehrlichen Respekt für Ihre enorme Leistung. So wie in Ihrem Fall nehmen wir das auch wahr in den Gesprächen mit unseren anderen Patienteneltern. Die Leistung, die Eltern wie Sie heutzutage erbringen, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden und wird viel zu wenig anerkannt. Hier sollte sich die Gesellschaft und eine neue Bundesregierung in großem Umfang langfristig engagieren!

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