Leben
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„Eine Autofahrt, die ist lustig… „

„Unser Kind schläft beim Autofahren immer!“ – Es gibt viele Eltern, die durch diesen Satz frustriert werden, da der eigene Nachwuchs mitnichten zu den Autoschläfern gehört, sodass eine Fahrt in den Urlaub durchaus zu einem Erlebnis der besonderen Art werden kann:
Abfahrt 5 Uhr (obwohl Papa und Mama schon noch etwas Schlaf vertragen hätten, da das Auto erst um Mitternacht fertig gepackt war), in der Hoffnung, dass von der Rücksitzbank höchstens leise Schnarchgeräusche zu vernehmen sind, aber weit gefehlt.
• Kilometer 5 von 525: Wann sind wir denn da? – Es dauert schon noch, wir sind doch gerade erst losgefahren! Papa lächelt: So wars bei uns damals auch, gell Schatz?
• Kilometer 15 von 525: Papa, ich muss mal…
• Kilometer 27 von 525: Papa, jetzt muss ich wirklich mal… Papa hilft ein Liedchen summend, die Hose zuzuknöpfen.
• Kilometer 35 von 525: Wir haben Hunger! – Also gut, frühstücken wir heute eben etwas eher. Mama seufzt, der Nachwuchs wischt die Schokoschnute… natürlich am Ärmel ab.
• Kilometer 51 von 525: Vielleicht war das Schokohörnchen doch nicht die beste Idee…- kurzer Stopp zum Putzen.
• Kilometer 63 von 525: Sind wir jetzt endlich bald da? Jetzt seufzt Papa, ganz leise.
• Kilometer 143 von 525: Zwei Folgen „Wickie“ sind genug, uns ist langweilig!
• Kilometer 152 von 525: Jetzt sind wir aber doch bald da, oder? Mama und Papa unterdrücken den nächsten Seufzer. Hast Du an den Rätselblock gedacht?
• Kilometer 176 von 525: Zoff auf der Rücksitzbank – das einzige tolle der etwa 83 eingepackten Spielzeugautos wird von beiden Mitfahrern heiß begehrt.
• Kilometer 203 von 525: Ich hab Durst! Oh, jetzt ist mir die Flasche umgefallen. – Es ist sowieso Zeit für eine Pause, da kann man ja gleich nochmal das Auto trockenlegen.
• Kilometer 213 von 525: Wir feiern Bergfest – die Hälfte ist geschafft! Mama bemüht sich, Feierlaune zu verbreiten.
• Kilometer 256 von 525: Herrje – Vor lauter „Biene Maja“ den Verkehrsfunk verpasst und mitten im Stau gelandet. „Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst“ wird nach 17 Runden auch langweilig, also Kuscheltiertheater – die Rückenlehne des Beifahrersitzes eignet sich prima als Bühne, erfordert jedoch gewisse gymnastische Fähigkeiten.
• Kilometer 289 von 525: Wie lange dauert es denn noch? Papas und Mamas „Oooch, nicht so lange!“ wird offensichtlich angezweifelt.
• Kilometer 301 von 525: Wir haben Hunger!!! – Also frühzeitige Mittagspause (Diesmal bitte leichtverträgliche Kost!).
• Kilometer 323 von 525: gespenstische Ruhe auf der Rücksitzbank – ein kleines Mittagsschläfchen tut allen Beteiligten gut. Mama und Papa seufzen wieder, diesmal vor Erleichterung.
• Kilometer 403 von 525: Meine Füße bitzeln! – Kurz anhalten und den improvisierten Fußtritt wieder aufbauen.
• Kilometer 428 von 525: Vielleicht doch noch eine Folge „Wickie“!?!
• Kilometer 500 von 525: Jetzt dauert es nicht mehr lange! Mama kommt sich wie eine Daueransage vom Band vor, als sie diesen Satz mit besonderer Überzeugungskraft und Fröhlichkeit das 322. Mal sagt….
• Kilometer 511 von 525: Zu früh gefreut – Autobahnausfahrt gesperrt, 20 km Umweg. Papas Blick wird starr! Mama kämpft einen klitzekleinen Anflug von Verzweiflung nieder.
• Kilometer 525 von 545: Wir können es gar nicht mehr aushalten!! Mama und Papa denken insgeheim das Gleiche.
• Kilometer 525 von 545: Wie wäre es mit ein paar lustigen Kinderliedern? Mama wirkt nicht ganz so spritzig wie sonst, warum nur?
• Kilometer 540 von 545: resignierte Stille von hinten
• Kilometer 545 von 545: Willkommen im Urlaub! Und jetzt bitte zwei Wochen gut erholen, damit man für die Heimfahrt gerüstet ist… Während die Kinder mit einem “ Jippie, die Fahrt war gar nicht schlimm!“ zum Schaukelgestell sausen, sehen sich Mama und Papa völlig urlaubsreif stumm an, seufzen – erleichtert – und tragen dann erst mal die Koffer ins Ferienhaus.

B. Ehlenberger, DrS

Kategorie: Leben

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Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

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