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Dieselskandal, Feinstaub und kranke Kinder – und die Mitschuld der Politik

Als Kinderpneumologe bin ich kürzlich zum Thema Dieselskandal und Feinstaub von der HuffingtonPost interviewt worden. Die Essentials möchte ich Ihnen auch im Blog nicht vorenthalten – hier als kurze Zusammenfassung:

Wir müssen bei den Autoabgasen die gasförmigen Substanzen und den Feinstaub unterscheiden.

Gase können zwar kurzfristig sehr schädlich sein, werden aber in der Regel rascher neutralisiert bzw. abgeatmet. Risiken bestehen allerdings auch hier etwa für Asthmatiker, die in belasteter Luft häufiger Asthma-Anfälle erleiden. Die Gase reizen die Schleimhäute der Atemwege nämlich. Außerdem könne sie Kopfschmerzen und Krupphusten begünstigen.

Aus Sicht des Kinderpneumologen  und -kardiologen ist der Feinstaub schlimmer als die Gase. Denn diese ultrafeine Partikel, die einen Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer haben, werden in der Lunge nicht mehr gefiltert und können in den Körper aufgenommen werden. Dort werden sie abgelagert und erhöhen das Krebsrisiko und/oder das Risiko für Arteriosklerose. Außerdem kann der Feinstaub in der kindlichen Lunge abgelagert werden, ähnlich wie Asbest.

Dies geschieht bereits im Kindesalter, wenn der Aufenthaltsort in belasteter Luft ist, also eben vor allem an den Brennpunktstraßen der Großstädte. Der Ruß aus einem Diesel-Fahrzeug hat nämlich (wenn unzureichend gefiltert) diese besonders kleine Partikel.

Die Bemühungen, die Feinstaubbelastung mit allen Mitteln zu senken, sind aus dieser Sicht absolut gerechtfertigt. Und bis dahin gilt die dringende Empfehlung, sich für die Kinder einen Wohnort mit niedriger Schadstoffbelastung zu suchen.

Ein Wort zum politischen Umgang mit der Diesel-Affäre: Die Verantwortlichen der Dieselaffäre haben wissentlich millionenfache Körperverletzung begangen. Dass die Politik offensichtlich die Hand über diese Verantwortungslosigkeit hält, ist für mich ein Tiefpunkt in der deutschen Demokratie.

Wer das Interview im Einzelnen nachlesen möchte:

Interview HuffPost Dr. Gerald Hofner

Die Politik ist vielmehr aufgerufen, nicht nur die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sondern auch, alle Bemühungen zu ergreifen, um dem Problembereich „Individualverkehr“ Herr zu werden.

 

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von

Dr. med. Gerald Hofner

Dr. Gerald Hofner war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberarzt der Universitätskinderklinik Erlangen-Nürnberg, bevor er seit 2003 in der von ihm gegründeten Praxis für Kinder und Jugendliche in Neudrossenfeld und Bayreuth tätig wurde. Sein Fokus liegt auf der Schwerpunktversorgung für Kinderkardiologie, Kinderpneumologie und Jugendsportmedizin, sowie auf der Prävention. Ihm ist dabei wichtig, die Erkenntnisse der Wissenschaft verständlich zu den Patienten und ihren Familien zu bringen. Als Vater von zwei Töchtern weiß er um die Probleme von Familie.

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