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Kindererziehung – Wie wichtig sind feste Regeln?

Das Schwierige an Erziehung ist, dass Kinder auf der einen Seite bestimmte Verhaltensweisen erlernen sollen, die für ein Leben in ihrer Umgebung (erst in der Familie, dann im Freundeskreis, später in Schule, Ausbildung und Gesellschaft) unabdingbar sind, sich auf der anderen Seite aber auch ihre eigene Persönlichkeit herausbilden können muss. Nichts ist unnatürlicher als ängstlich angepasste Kinder, die zwar aufs Wort hören, aber in erlernten Regeln so gefangen sind, dass sie ihre Persönlichkeit kaum entwickeln können und damit auch die Möglichkeiten, die sie hätten, nicht nutzen können. Und sind uns allen nicht die „Unerzogenen“ lieber, die sagen und tun, was sie denken? Aber auch das geht natürlich nur bis zu einer gewissen Grenze.

Wie viele Regeln braucht also ein Kind?

Es gibt zwei grundlegende Dilemmas bei der Entwicklung von Regeln in der Kindererziehung:

  1. Das Kind muss es selbst bleiben dürfen, sogar in seiner Art und Weise gefördert werden. Regeln, die dies antasten, zerstören nur.
  2. Jedes Kind ist anders als das nächste. Genetisch ist jedes Kind sogar nur zu 50% das Elternteil, das gerade erzieht.

Regeln können diese Dilemmas lösen, wenn sie sich nur auf Situationen beziehen, in denen ein Verhalten gewünscht ist, das für alle gleich gilt. Regeln sind damit die kleinste gemeinsame Schnittmenge für alle Beteiligten und vereinbaren ein Minimum an gemeinsam gewünschtem Verhalten. Solche Regeln wären z.B. „der Körper bleibt auch bei Konflikten unangetastet, es wird nicht gehauen“ oder „beim gemeinsamen Essen bleibt das Handy in der Tasche“

Zu enge Regeln beinhalten dagegen das Risiko, bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen Ihres Kindes nicht gerecht zu werden. So ist die Regel „es wird immer um 19:30h geschlafen“ meist unsinnig. Denn müde Kinder schlafen eh, und wenn Ihr Kind weniger Schlaf braucht kann die Regel sogar schädlich sein.

Regeln, die in Widerspruch mit anderen Erziehungstechniken stehen, können sogar das Gegenteil bewirken. So kann die an sich sehr sinnvolle Regel „es gibt jeden Tag nur eine Hand voll Süßigkeiten am Tag“ die gesamte Süßigkeiten-Erziehung auslöschen, wenn Ihr Kind regelmäßig eine von Ihnen geleerte Gummibärchen-Tüte findet.

Regeln sollten:

  • Klar formuliert sein
  • Immer, überall und für alle Beteiligte gelten
  • Immer einfach und konfliktarm einzufordern sein
  • Von Regelempfängern (also den Kindern) wie von Regelerlassern (also z.B. den Eltern) gleichermaßen befolgt werden
  • Bei Missachten eine regelmäßige Konsequenz haben, idealerweise eine natürliche oder logische

Regeln müssen, um wirksam zu sein, immer wieder formuliert und eingefordert werden und von allen konsequent umgesetzt werden, manchmal sogar durchgesetzt werden. Regeln sind damit immer weniger stark wirksam als Vorbilder. Denn bei Vorbild-Verhalten der Bezugspersonen geschieht vieles automatisch was bei Regelwerken mühsam durchgesetzt werden muss. Ganz egal welche Regeln Sie also einführen, Ihr Vorbild ist immer wichtiger für die Erziehung.

Die Kinderärzte erinnern deshalb:

  1. Arbeiten Sie nur mit Regeln, die eindeutig, notwendig und allgemeingültig sind
  2. Eine Regel, die nicht kindgerecht erklärt werden kann, ist immer verzichtbar
  3. die Liebe und das Vorbild sind immer wichtiger
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von

Dr. med. Gerald Hofner

Dr. Gerald Hofner war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberarzt der Universitätskinderklinik Erlangen-Nürnberg, bevor er seit 2003 in der von ihm gegründeten Praxis für Kinder und Jugendliche in Neudrossenfeld und Bayreuth tätig wurde. Sein Fokus liegt auf der Schwerpunktversorgung für Kinderkardiologie, Kinderpneumologie und Jugendsportmedizin, sowie auf der Prävention. Ihm ist dabei wichtig, die Erkenntnisse der Wissenschaft verständlich zu den Patienten und ihren Familien zu bringen. Als Vater von zwei Töchtern weiß er um die Probleme von Familie. Seit Ende 2018 ist er außerdem verantwortlich für die Markteinführung der beiden neuen Medizinprodukte FrioQuick® Kühlpflaster und RhinoQuick® Schnupfenpflaster (www.gingerpharm.de).

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