Dossier
Kommentare 2

Fridays for future

Fridays for future – die Bewegung ist in aller Munde. Wie stehen Sie zu den Demonstrationen der Schülerinnen und Schüler?
Als Kinder- und Jugendarzt beziehe ich klar Position: ich unterstütze die Jugendlichen in ihren Anliegen!
Ein Blick auf die aktuelle Lage ernüchtert. Der Klimawandel, die Umweltverschmutzung, das Artensterben sowie die Vermüllung der Meere sind Tatsachen. Schlagworte, die jeder im Ohr hat. Hinter diesen Schlagworten stehen aber Probleme immensen Ausmaßes. Fakt ist, dass die durchaus kritische Lage des Planeten sich immer weiter verschlechtert und die internationale Politik ein gemeinsames, nachhaltiges und in akzeptablem Zeitraum wirksames Vorgehen nicht wirklich erreicht. Die entstehenden Probleme werden unsere Kinder und Enkel aushalten und lösen müssen. Ein Armutszeugnis für unsere Generation, dass wir unseren Kindern den Planeten nicht in besserem Zustand hinterlassen.
Ich frage mich deshalb: Was bleibt den Jugendlichen denn übrig, als zu versuchen, die Problematik in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken? Sie denken natürlich an ihre Zukunft und an das, was sie angesichts des Klimawandels und der Umweltverschmutzung erwarten wird. Sie handeln engagiert und – wenn man die Daten anschaut – doch völlig folgerichtig. Wir kritisieren mangelndes Engagement und Null-Bock-Mentalität – hier zeigen die Jugendlichen das Gegenteil! Man muss anerkennen, dass die Jugendlichen bereits etwas bewegt haben. Ihre Themen werden wahrgenommen und diskutiert.
Medizin, besonders Kinder- und Jugendmedizin, muss immer auch politisch sein. Ich sehe die freitäglichen Demonstrationen meiner Patientengruppe als berechtigt an. Wohlgemerkt: die Schulpflicht halte ich für richtig und wichtig, aber eben auch die Anliegen der Jugendlichen. Übrigens sind viele Schüler der Auffassung, man sollte die Demonstrationen außerhalb der Schulzeit machen, um zu verhindern, daß Schulpflichtige unter dem Vorwand des Klimaschutzes nur die Schule schwänzen wollen oder dieser Eindruck zumindest entsteht. Viele Jugendliche sind der Meinung, viel überzeugender wäre es doch, wenn die Demonstranten dafür ihre Freizeit opfern würden – hier sehe ich einen interessanten Einblick in die Sicht der Betroffenen, die das Ganze offensichtlich doch sehr differenziert betrachten.
Zusammenfassend kann ich als Kinderarzt die Jugendlichen nur unterstützen und Ihnen viel Erfolg wünschen. Denn ich will für meine Patienten, auch die zukünftigen, gute Lebensbedingungen.

Kategorie: Dossier

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

2 Kommentare

  1. Ich habe ein großes Bild von Greta Thunberg mit einem Ihrer klaren Zitate in meinem Wartezimmer aufgehängt …. ich denke unsere Aufgabe als Kinderärzte sollte deutlich politischer präventiv sein als Vorsorgeuntersuchungen alleine vorzunehmen, sondern unsere Vorsorge sollte deutlich weiter gehen….

    • Dr. Stefan Schwarz

      Danke für Ihren Beitrag. In unserer Praxis haben wir in fast allen Räumen die tiefgründigen, zeitlosen Zitate und Bilder aus dem kleinen Prinzen von Saint-Exupéry. Im Alltag einer Praxissprechstunde ist es schon eine echte Herausforderung, neben der Behandlung auch Werte und politische oder philosophische Ansätze zu vermitteln. Aber ja, es gelingt durchaus immer wieder, einem jungen Menschen in der Sprechstunde in dieser Richtung etwas mitzugeben. Das sind die Tage, an denen man zufriedener als sonst heimgeht und an denen man ja vielleicht für die Zukunft der nächsten Generation etwas Positives erreicht hat. Sicher erleben Sie das ebenso!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.