Alle Artikel in: Prävention

Ein präventiver Lebensstil vermindert Risiken

Tipp der Woche: Blutdruckmessen auch bei Kindern

Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen gibt es, und zwar meist ohne Symptome. Und er kann sich auch erst über die Jahre entwickeln. Unser Tipp: Messen Sie wenigstens einmal im Jahr (etwa immer zum Schulanfang) den Blutdruck. Gemessen wird immer am gleichen Arm (am besten rechts) und zwar nach 10 Minuten Ruhen im Sitzen oder Liegen. Die Manschette muss dazu etwa in Höhe der Brustwarzen anliegen. Die Normalwerte sind abhängig von der Körpergröße, liegen aber immer unter 130/85 mmHg.

Das qualmende Ungeborene

Es ist unstrittig: Rauchen in der Schwangerschaft ist schädlich für das Baby. Wie schlimm sich der Nikotinmissbrauch aber in genetischer Hinsicht auf das Baby auswirkt, zeigte nun ein internationales Forscherteam um Stephanie London. Es wurden über 6.000 rauchende Mütter und ihre gerade geborenen Babys untersucht. Die Forscher wiesen nach, dass sich durch den Tabakrauch chemische – sogenannte epigenetische – Verbindungen auf der DNA der ungeborenen Kinder in vergleichbarer Weise wie bei den rauchenden Erwachsenen selbst verändern! Und dies, obwohl die Kinder die Schadstoffe ja nicht inhalierten, sondern über den Blutweg abbekamen. Es konnten bei den Neugeborenen tatsächlich etwa 3.000 veränderte Erbgutstellen nachgewiesen werden. Diese Veränderungen sind zum Teil auch für die Entwicklung des Körpers zuständig, was beispielsweise in der Lunge und im Nervensystem Auswirkungen haben kann. Es könnte auch häufiger zu Fehlbildungen und Tumoren kommen. Rauchen in der Schwangerschaft ist schädlich, das ist schon lange klar. Die nun neu entdeckten epigenetischen Veränderungen lassen dennoch aufhorchen, weil sie ein bisher ungeahntes Ausmaß und außerdem eine bislang nicht so eindeutig nachgewiesene Art der Schädigung aufzeigen. Unser Körper …

Bauchlage bei Säuglingen

Die Empfehlung ist eindeutig – Säuglinge sollten wegen des reduzierten Risikos bezüglich des plötzlichen Kindstodes im Schlaf grundsätzlich in Rückenlage gelagert werden. Wie ist das aber im Wachzustand? Die kleine Nele ist 3 Monate alt. Im Rahmen der U4 untersucht der Kinderarzt das Kind und sieht einen abgeflachten Hinterkopf. In Bauchlage schafft Nele es kaum, den Kopf zu heben. Die Eltern berichten dann auf Nachfrage, dass Nele im Wachzustand fast nicht in Bauchlage gebracht wird. Das Kind mag es nicht und fängt rasch an zu weinen. Darum vermeiden Neles Eltern sogar inzwischen aktiv die Bauchlage! Der Kinderarzt rät hier einzugreifen. Wenn sie wach ist, muss Nele die Bauchlage üben, am besten mehrere Male täglich. Mit der Zeit sollte Nele die Bauchlage zunehmend länger tolerieren, am besten mit entsprechender Beschäftigung und Ablenkung durch die Eltern. Ob sie das Kind mit einem Spielzeug beschäftigen oder mit einem Lied, einem Fingerspiel oder mit dem Geschwisterchen, das das Kuscheltier bringt, die Laune heben – wichtig ist nur, dass Nele immer längere Zeiten aushält. Irgendwann wird sie entdecken, dass die …

Ein Plädoyer – Vorsorgen sind wichtig

In Bayern nehmen dem Arztreport der Barmer GEK nur 83,5% der Kinder an der Vorsorge U7a teil (diese wird mit etwa 3 Jahren duchgeführt). Dabei geht es um die Erkennung von körperlichen Störungen, aber auch von Sozialisations-, Verhaltens- und Entwicklungsproblemen. Dies erscheint umso wichtiger, als laut Statistik bis zu 29% der Buben und 24% der Mädchen im Alter von 1-4 Jahren psychische- bzw. Verhaltensstörungen aufweisen. Je früher hier etwas geschieht, desto besser für das betroffene Kind. Leider wird aber nur rund die Hälfte der Kinder entsprechend behandelt. Im Mai 2016 wird Gesundheitsministerin Huml in Bayern eine Kampagne zur psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen starten. Damit sollen Eltern und andere Bezugspersonen über das wichtige Thema informiert werden. Unser Rat: Vorsorgen sind wichtig. Nutzen wir die Chance, die das Gesundheitssystem bietet, zum Wohl unserer Kinder und Jugendlichen. Denn im Alltag entgehen manche Themen oder einige sich langsam entwickelnde gesundheitliche oder psychische Probleme auch der Aufmerksamkeit der besten Eltern!

Bluthochdruck bei Kindern – die stille Gefahr

Man war ja lange der Meinung, Bluthochdruck gäbe es bei Kindern noch nicht. Falsch gedacht! Insbesondere bei Bluthochdruck in der Familie können Kinder bereits im Schul- oder Jugendalter erhöhte Blutdruckwerte entwickeln. Symptome für Bluthochdruck können sein: Nasenbluten oder Kopfschmerzen (vor allem nach Sport). Meist fehlen die Symptome bei Kindern und Jugendlichen aber. Und dennoch kann die wichtigste Folge des Bluthochdrucks bereits unmerkbar begonnen haben – nämlich die Gefäßschädigung und die Herzveränderung. Und das schleicht unbemerkt voran. Ab dem Schulalter sollte beim Nachwuchs deshalb regelmäßig der Blutdruck gemessen werden, vor allem, wenn es in der Familie Bluthochdruck gibt. Meine Empfehlung: Messen Sie wenigstens einmal im Jahr (wenn es nicht sowieso bei den Schüler- oder Jugendvorsorgen geschieht). Die Normalwerte sind bei Kindern und Jugendlichen abhängig von der Körpergröße und liegen unterhalb der Erwachsenenwerte. Gemessen wird immer am gleichen Arm (am besten rechts) und zwar nach 10 Minuten Ruhen im Sitzen oder Liegen. Lesen Sie hier, warum bei ADHS der Blutdruck häufig erhöht ist.

Warum wir Neugeborenen ein Screening auf angeborene Herzfehler empfehlen

Knapp 1% der Kinder kommt mit einem fehlgebildeten Herzen oder Fehlern der großen Gefäße am Herzen, also vor allem der Aorta (Hauptschlagader), auf die Welt. Gottseidank sind viele dieser Herzfehler trotzdem gut mit dem Leben vereinbar. Und ein Teil kann sich sogar von selbst normalisieren. Es bleiben dennoch einige Fehler, die Relevanz haben. Weil sie die Umstellung des Kreislaufs nach der Geburt behindern und damit die Reifung der Lungengefäße. Weil sie Bluthochdruck begünstigen können (mit allen Folgen). Weil sie ein Risiko bei körperlicher Belastung darstellen. Weil sie das Herz schwächen. Weil sie die körperliche Entwicklung behindern. Oder noch aus anderen Gründen im Einzelfall. Wie läuft das Screening ab?  Es reicht in der Regel eine Ultraschalluntersuchung und ein EKG. Wann sollte das Screening erfolgen? Um schwere Herzfehler zu erkennen, die eine rasche Behandlung erfordern, wäre ein möglichst frühzeitiges Screening sinnvoll. Allerdings können direkt nach der Geburt manche vermeintliche Veränderungen am Herzen noch normal sein. Ein guter Kompromiss ist deshalb das Alter von 3-4 Monaten. Immer vorausgesetzt, es gibt keine Auffälligkeiten (dann natürlich sofort). In jedem Fall …

Vorsicht: Kindersitz als Todesfalle – kein Einzelfall!

Säuglinge und Kleinkinder sollten auch in Kindersitzen und Babywippen nicht unbeaufsichtigt sein. Denn die Gurte zur Fixierung der Kleinen können Strangulationen auslösen und damit zum tödlichen Ersticken führen. Eine aktuelle Statistik aus den USA untersuchte den Tod von 47 Kindern, die in verschiedenen Sitz- und Liegekonstruktionen oder in Tragetüchern auf diese Weise erstickten. Die Zahl aller so verstorbenen Kinder ist sicher höher. Als großer Risikofaktor gilt, wenn die Kinder lange Zeit unbeaufsichtigt darin lagen. Die Empfehlungen für Säuglinge und Kleinkinder, die sich ableiten: Schauen Sie regelmäßig nach dem Kind im Sitz oder im Tragetuch Autokindersitze haben ihren Zweck im Auto, und nicht als Ersatzbett außerhalb des Autos Kinder sollten insbesondere nicht in Autokindersitzen oder anderen Sitz- oder Liegeschalen unbeaufsichtigt schlafen Die Haltegurte sollten richtig und vollständig festgemacht sein Der Kopf sollte stets sichtbar und nicht abgedeckt sein (das gilt auch für Tragetücher) Das Kinn sollte auch im Schlaf nicht auf den Brustkorb sacken Die Originalstudie aus den USA finden Sie hier.

7 Punkte, die Zahnpflege so bedeutsam machen

Gesunde Zähne weisen nicht nur bei Gäulen auf einen gesunden Körper hin. Nicht umsonst gibt es fast genauso viele niedergelassene „Ärzte“ für diesen kleinen Bereich des Körpers wie für den ganzen anderen Rest – nämlich Zahnärzte. Richtige Zahnpflege ist deshalb ein Muss. Bei Kindern sollte sie früh geübt werden und spätestens mit 2 Jahren etabliert sein. Was Zahnpflege so bedeutsam macht: Karies, wenn sie erst einmal da ist, schreitet fort Faule Ecken an den Zähnen sind ein Zuhause für Bakterien, die dann auch in den Körper eindringen können, sich im Extremfall sogar in den Knochen oder am Herz festsetzen und große Schäden verursachen können Ein Zahn ist etwas sehr wertvolles. Wir Menschen haben nur ein begrenztes Kontingent an Zähnen bekommen. Zähne, die einmal gezogen sind, wachsen nicht mehr nach (dies gilt natürlich nicht für Milchzähne) Zahnbehandlung ist unsexy. Kein Mensch liebt Zahnbehandlung, da unangenehm, insbesondere für Kinder. Zahnbehandlungen können vermieden werden Makellose Zähne gelten als einer der wichtigsten ästhetischen Faktoren, und sind wie viele andere ästhetische Faktoren mit Selbstsicherheit und Lebenserfolg verbunden Eine gute und …

Erkennen wir überhaupt, wenn unsere Kinder Stress haben?

Ein Artikel, bewusst kurz vor den Zwischenzeugnissen. Die Forscher sind sich einig: Kinder waren körperlich noch nie so gesund und so gut medizinisch überwacht wie heute. Die psychische und emotionale Gesundheit zeichnet da leider ein anderes Bild. Kinder waren leider auch noch nie so gestresst wie heute. Die Anforderungen, die die Schule, das ambitionierte Elternhaus oder der Kreis der Freunde und Klassenkameraden an sie stellen, waren noch nie so groß. Die Folge: Stress! Leistungsanforderungen machen Stress. Für das mit Leistungsanforderungen unerfahrene Kind noch mehr als für abgeklärte Erwachsene. Und Stress ist langfristig tödlich: Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt. Und noch vieles mehr. Die Resistenz dagegen muss bereits in der Kindheit aufgebaut werden. Und nachweislich sind die Resistenzfaktoren heute schwächer geworden als noch vor 10 oder 20 Jahren. Aber erkennen wir das überhaupt, wenn ein Kind Stress hat? Es ist schwierig. Es gibt schon Zeichen –  wie Rückzug, Gereiztheit, Kopfschmerzen, andere körperliche Symptome oder Schlafstörungen, aber diese können natürlich auch andere Gründe haben. Und viele Kinder erleben ihr Leben einfach als normal, auch wenn es hohe Stresslevel hat. …

Brauchen Säuglinge eine Vitamin D-Prophylaxe?

Häufig werden die Kinderärzte gefragt, ob Säuglinge wirklich täglich eine Vitamin D-Tablette bekommen sollten. Und ja, dies ist dringend anzuraten. Vitamin D ist für die Regulation des Calcium- und Phosphathaushaltes verantwortlich. Es bewirkt die Härtung der kindlichen Knochen. Vitamin D wird über die Nahrung zugeführt und unter Sonnenbestrahlung in der Haut gebildet. Da Säuglinge durch die Nahrung nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt sind und generell der Sonne nicht direkt ausgesetzt werden dürfen, empfiehlt das Netzwerk „Gesund ins Leben“ (eine Initiative des Bundesgesundheitsministeriums, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und des Forschungsinstituts für Kinderernährung) die Gabe von 400-500IE Vitamin D pro Tag für das erste Lebensjahr. Bei einem Geburtstermin im Winter sollte die Gabe bis zum zweiten erlebten Sommer des Kindes, also bis zu 1,5 Jahren, erfolgen. Eine Überdosierung ist mit der empfohlenen Dosis nicht möglich. Vitamin D-Mangel macht sich als Rachitis mit Knochenverformungen, Muskelschwäche und Infektneigung bemerkbar. Es kann auch zu Krampfanfällen kommen. Wir als Kinderärzte haben wiederholt erlebt, dass die fehlende Prophylaxe mit Vitamin D (aus welchen …