Alle Artikel in: Praxis

Gelassenes Zuwarten

Leni kommt wegen eines akuten Infektes der oberen Luftwege, der seit einigen Tagen besteht, zum Arzt. Seit 4 Tagen hat das Kind hohes Fieber. Der Kinderarzt findet nur Zeichen für einen vitalen Infekt, er verschreibt kein Antibiotikum. Lenis Mutter zweifelt zunächst, ob dies die richtige Entscheidung ist. Nach 2 Tagen sinkt jedoch das Fieber, dem Kind geht es besser, das Zuwarten war auch rückblickend richtig. Hätte der Doktor das Antibiotikum allerdings doch verschrieben, hätten Lenis Eltern die Entfieberung wohl auf die Wirkung des Medikaments zurückgeführt – verständlich, aber fälschlicherweise. Wir Menschen nehmen einen zeitlichen Zusammenhang meist auch als ursächlichen Zusammenhang wahr. Das ist aber natürlich nicht immer richtig. Außerdem ist gerade in der Medizin Aktionismus nicht angebracht. Die Wirkung therapeutischer Maßnahmen oder von Medikamenten wird oft überschätzt, das belegen zahlreiche Studien. Man spricht auch von therapeutischer Illusion. Insofern ist der Rat zum Abwarten mit Augenmaß bei einem erfahrenen Arzt durchaus auch Zeichen einer guten Behandlung! Man darf und soll auch der Natur und den Selbstheilungskräften vertrauen. In der Kinderheilkunde mit ein erzieherisch wichtiger Aspekt hinzu, …

Die perfekte Mutter!

Gelegentlich lacht das Kinderarztherz, weil mitten in der Sprechstunde der Schimmer einer perfekten Mutter aufleuchtet. (Gender-korrekte Anmerkung: Es war im folgenden Fall eine Mutter. Es hätte auch ein Vater sein können.) Was hat das Kinderarztherz erfreuen lassen? Eine junge Mutter (19) erzählt im beiläufigen Smalltalk während einer Routineuntersuchung, dass ihr erstes Kind, ihr 5 Wochen alter Säugling, schon eine Nacht komplett durchgeschlafen hat. Als ob das das Selbstverständlichste wäre (was es natürlich nicht ist). Als Begründung lieferte sie: „Sie war einfach fertig. Wir waren gestern den ganzen Tag unterwegs.“ Nimmt das ruhige und entspannte Kind sicher hoch und zieht es mit der Selbstverständlichkeit einer erfahrenen Mutter an. Eigentlich nichts Besonderes. Und dennoch etwas Besonderes! Keine Spur von Bedenken, ob es vielleicht unnormal sein könnte, dass der Säugling 10 Stunden durchschläft. Keine Spur von Bedenken, ob es vielleicht schädlich sein könnte, das Neugeborene einen ganzen Tag auf Unternehmungen mitzunehmen. Die jugendliche Unbekümmertheit der Mutter war noch nicht überfrachtet von Tausenden von Empfehlungen, die auf Eltern hereinprasseln. Sie hat einfach auf ihr Bauchgefühl gehört. Alles gut mit …

Zitat der Woche – jetzt sind Sie mal daran!!!

Wir haben uns jetzt lange genug zusammen mit unseren Freunden Erich Kästner, Sokrates, Khalil Gibran oder Manuel Neuer Zitate aus den Fingern gesaugt…:) Jetzt sind Sie mal daran! Senden Sie uns Ihre lustigsten, wahrsten oder tiefgründigten – oder einfach nur Ihre Lieblingszitate. Über Kinder. Von Kindern. Oder von Ihnen. Die coolsten 12 werden wir im Jahresverlauf 2016 hier veröffentlichen, und zwar jeweils mit einem der begehrten Doc Schwarz-Cartoons. Einsendungen bitte an blog@kinderarztmitherz.de! Oder einfach als Kommentar hier! Daaaaaanke! Ihre Docs vom Kinderarztblog!

Auf ein ehrliches Wort!

Die Kinderärzte berichten: Als Kinderarzt muss man immer wieder auch einmal für die Kinder und Jugendlichen bzw. ihre Eltern unangenehme Themen anschneiden. Wenn wir beraten – ob zu gesundheitlichen oder zu psychologischen Themen oder zu Erziehungsfragen – werden wir auch einmal sachliche Kritik üben und den Rat zu Verhaltensänderung geben müssen. Dabei muß das Kind kindgerecht und ermutigend angesprochen werden. Nicht immer wird ein Arzt nur das sagen können, was Patienten oder deren Eltern gerne hören. Hierbei wird ein Arzt dies nicht als persönliche Kritik meinen, die grundsätzliche Wertschätzung für die Person ist von der Kritik ja unabhängig. Aber: konstruktive Kritik muss ja auch einmal sein, sonst würden wir unsere Patienten und Ihre Eltern ja sogar schlecht beraten und sie nicht ernst nehmen. Das ist wie im privaten Leben: Ein wirklich guter Freund sagt ehrlich auch einmal Dinge, die uns helfen, die wir aber zunächst vielleicht nicht gerne hören. Dinge, die uns kritisieren oder uns den Spiegel vorhalten und auf Fehler aufmerksam machen. Die Menschen, die uns wirklich mögen und uns zutrauen, sinnvolle Kritik auszuhalten, …