Kindererziehung
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Mama, schau mich an!

Erik, 4 Jahre, quengelt. Seine Mutter checkt gerade ihre Mails und Whatsapp-Nachrichten. Aber sie reagiert nicht auf Eriks Äußerungen. Erik hopst herum, schreit schließlich und schmeißt sich auf den Boden. Nach kurzer Ermahnung setzt die Mama ihre Tätigkeit fort. Erik schmollt resigniert, setzt sich in sein Zimmer und starrt die Decke an.

Branson McDaniel zeigte in einer Studie, dass Kinder mit Frust, Hyperaktivität, Wut und verschiedenen anderen Auffälligkeiten reagieren, wenn Eltern dauernd auf das Handy starren. Kinder eskalieren ihr Verhalten, wenn sie die Aufmerksamkeit ihrer ins Handy versunkenen Eltern erreichen wollen.
Oft wird nur diskutiert, dass das Kind nicht zuviel Zeit mit dem Handy verbringen soll. Dabei müssten auch die Eltern ihren Medien- und Smartphonegebrauch hinterfragen. Eltern geben außerdem in McDaniels Studie an, das Handy gerade dann hervorzuholen, wenn der Nachwuchs sie nervt. Auch eine mögliche Ausrede vor sich selbst: schon wieder eine wichtige Nachricht aus der Arbeit, da kann man nicht aus… So entsteht aber ein Teufelskreis. Denn es verstärkt sich genau das Verhalten der Kinder, dem die Eltern gerade entkommen wollten: die Kinder quengeln oder schreien immer mehr. Dies geschieht besonders auch dann, wenn Mama plötzlich und ohne Erklärung auf das Smartphone starrt. Und das tun Eltern oft, denn die Smartphones geben ja dauernd einen Benachrichtigungston. Und man hat es ja ständig bei sich. Mal Hand aufs Herz- wie sieht es nun mit der Selbstkontrolle der Eltern aus? Noch ein Punkt, der zu beachten ist: Studien zeigen, dass die Eltern ihre Kinder in ihrer Stimmung oder ihren Absichten immer schwerer verstehen, je mehr sie das Smartphone gebrauchen. Dabei ist es gerade wichtig nachzuvollziehen, dass die Kinder mit ihrem Verhalten ja etwas sagen wollen.

Smartphone ja – aber alles zu seiner Zeit. Es braucht Eltern, die Zeit mit ihren Kindern verbringen und dabei emotional auch für die Kinder präsent sind. Das ist wichtig, denn die Kinder brauchen ungeteilte Aufmerksamkeit.

Kategorie: Kindererziehung

von

Dr. Stefan Schwarz

Dr. Stefan Schwarz ging in Augsburg zur Schule. Er machte nach dem Zivildienst eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger. Das Studium schloss er in München ab. Nach der Ausbildung in verschiedenen, renommierten Kinderkliniken arbeitet er als niedergelassener Kinderarzt. Dr. Schwarz ist Vater von 4 aufgeweckten Kindern und kennt den Alltag, die Freuden und die Sorgen von Familien dadurch sehr gut.

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