Alle Artikel mit dem Schlagwort: Aufmerksamkeit

Mama, schau mich an!

Erik, 4 Jahre, quengelt. Seine Mutter checkt gerade ihre Mails und Whatsapp-Nachrichten. Aber sie reagiert nicht auf Eriks Äußerungen. Erik hopst herum, schreit schließlich und schmeißt sich auf den Boden. Nach kurzer Ermahnung setzt die Mama ihre Tätigkeit fort. Erik schmollt resigniert, setzt sich in sein Zimmer und starrt die Decke an. Branson McDaniel zeigte in einer Studie, dass Kinder mit Frust, Hyperaktivität, Wut und verschiedenen anderen Auffälligkeiten reagieren, wenn Eltern dauernd auf das Handy starren. Kinder eskalieren ihr Verhalten, wenn sie die Aufmerksamkeit ihrer ins Handy versunkenen Eltern erreichen wollen. Oft wird nur diskutiert, dass das Kind nicht zuviel Zeit mit dem Handy verbringen soll. Dabei müssten auch die Eltern ihren Medien- und Smartphonegebrauch hinterfragen. Eltern geben außerdem in McDaniels Studie an, das Handy gerade dann hervorzuholen, wenn der Nachwuchs sie nervt. Auch eine mögliche Ausrede vor sich selbst: schon wieder eine wichtige Nachricht aus der Arbeit, da kann man nicht aus… So entsteht aber ein Teufelskreis. Denn es verstärkt sich genau das Verhalten der Kinder, dem die Eltern gerade entkommen wollten: die Kinder …

Ist AD(H)S überhaupt eine Krankheit? Eine Gesellschaftskritik

Aufmerksamkeitsprobleme sind ein regelmäßiger Grund für eine Vorstellung beim Kinderarzt. Die Verdachtsdiagnose ist dann ADS oder ADHS, je nachdem, ob es sich um begleitende Hyperaktivität handelt oder nicht. Die Häufigkeit dieser „Störung“ wird mit rund 10% aller Kinder angegeben. Aber!!!!! Ist es denn überhaupt eine Störung? Ist es nicht viel mehr eine Persönlichkeitseigenschaft, die nur nicht besonders gut zu den Anforderungen in Schule und Gesellschaft passt? Und hat diese „Störung“ nicht sogar positive Seiten? Klar ist – diese „Störung“ bekommt erst durch den Bezug zu Schule und Gesellschaft den Wert einer Krankheit. Meist wird die Therapie angefragt durch das „Nicht-passen“ mit den schulischen Anforderungen, aber nicht wegen einer davon unabhängigen Symptomatik. Unser Schulsystem ist gut, aber es ist ein Mainstream-Schulsystem. Das heisst, es passt für viele ganz gut, aber die Kinder am oberen oder am unteren Ende des Mainstreams fallen häufig heraus. Darunter sind aber eben auch geniale Kinder, deren Kapazitäten erhebliches Potenzial aufweist! Warum wir dringend über individuell zugeschnittene Beschulung nachdenken sollten: wir können uns nicht leisten, diese Genies in den Bereich der Sonderschule …