Entwicklung, Familie
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Körperlichkeit – ein Erziehungsauftrag (Teil 2: Sexualität vorbereiten)

Seinen Körper selbst wahrzunehmen, ist unheimlich wichtig. Das hatte ich in unserem letzten Blogartikel bereits mitgegeben. Es hat Bedeutung in der Vorbeugung und Früherkennung von Krankheiten und für Selbstbewusstsein und Entspannung.

Neben Sport und körperlicher Anstrengung ist das zweite große Feld, in der der Mensch Körperlichkeit erlebt, die Sexualität. Und die beginnt natürlich schon im Kindesalter. Noch nicht als vollendete sexuelle Erfahrung, aber als Wahrnehmung beglückender körperlicher Nähe.

Fachleute beklagen, dass beglückende sexuelle Erfahrungen seltener geworden sind –  trotz oder gerade wegen der moralischen Freizügigkeit und der stets verfügbaren Darstellung von sexuellen Inhalten in den Medien. Mit welch krassen pornographischen Inhalten Kinder und Jugendliche bereits früh konfrontiert werden, macht einem Angst. Medienpädagogen berichten schon seit Jahren über die Flut von sexuellen Inhalten, die etwa in der Schule verbreitet werden. Es sind Darstellungen, die Kinder überfordern, gerade, weil sie ihre eigentliche Körperlichkeit noch nicht entwickelt haben.

Wie kann man sein Kind nun „vorbereiten“, einmal erfüllte sexuelle Erfahrungen zu machen?

  1. Körperliche Handlungen nicht tabuisieren (etwa die frühkindliche Neugier bei der Erforschung des eigenen Körpers)
  2. Sexuelle Themen altersgerecht und in natürlicher Art und Weise ansprechen (Kinder sind von Natur aus neugierig und ein Nicht-Ansprechen wird fast als Tabuisierung wahrgenommen)
  3. Körperlichkeit mit dem Kind nicht scheuen – zu streicheln, zu kuscheln und das Kind in den Arm zu nehmen sollte in jedem Alter normal sein (der erste enge Körperkontakt beginnt ja bereits beim Stillen)

Körperkontakt setzt Oxytocin frei, das Bindungshormon, das gleichzeitig Glücksgefühle vermittelt.  Deshalb ist der Körperkontakt so wichtig. Er findet seine Fortsetzung in der Paarbildung des Kindes ab der Pubertät und in einer erfüllten erwachsenen Sexualität.

Klasse, dass man das als Eltern vorbereiten kann. Und sich dabei sogar selbst etwas Gutes tut (auch bei Muttis und Papis setzt Hautkontakt das „Glückshormon“ Oxytocin frei).

Kategorie: Entwicklung, Familie

von

Dr. med. Gerald Hofner

Dr. Gerald Hofner war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberarzt der Universitätskinderklinik Erlangen-Nürnberg, bevor er seit 2003 in der von ihm gegründeten Praxis für Kinder und Jugendliche in Neudrossenfeld und Bayreuth tätig wurde. Sein Fokus liegt auf der Schwerpunktversorgung für Kinderkardiologie, Kinderpneumologie, Jugendsportmedizin und Ernährungsmedizin, sowie auf der Prävention. Ihm ist dabei wichtig, die Erkenntnisse der Wissenschaft verständlich zu den Patienten und ihren Familien zu bringen. Als Vater von zwei Töchtern weiß er um die Probleme von Familie. Seit Ende 2018 ist er außerdem verantwortlich für die Markteinführung der beiden neuen Medizinprodukte FrioQuick® Kühlpflaster und RhinoQuick® Schnupfenpflaster.

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