Alle Artikel in: Erziehung

Themen rund um die Erziehung von Kindern und Jugendlichen

Den Kindern zuhören

Viel ist auf diesem Blog die Rede von Eltern und den Themen und Fragen, die eben Eltern bewegen. Aber es lohnt sich sehr, auch die elterlichen Belange immer wieder einmal beiseite zu legen und den Kinder genau zuzuhören. Es ist uns Eltern ja bewusst, wie wichtig es ist, sie ernst zu nehmen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Dennoch ist es oft erstaunlich, was Kinder wahrnehmen und äußern. Durchaus geht es dann nicht nur um mehr Süsses und mehr Fernsehzeit! Provokant könnte man formulieren: Manchmal haben die Kinder ja zu allem Überfluss sogar recht mit dem, was sie sagen. Wir hören in unserer Praxis nicht selten Äußerungen von Kindern zu verschiedensten Themen. Es geht dabei recht oft um das Ausmaß an Selbstbestimmung, den Wunsch danach, ernst genommen zu werden, aber auch um den expliziten Wunsch nach Anleitung und Sicherheit. Und immer wieder hören wir, wie genau die Kinder das elterliche Verhalten analysieren. „Das machst Du doch auch!“ ist dann ein immer wieder gehörter Satz. Wir nehmen für uns immer wieder mit, dass man von den …

Vertrauen Sie Ihrer gesunden Einschätzung!

Die Grippewelle rollt, Kinder wie Eltern sind von all den Infekten der zurückliegenden Wochen und Monate geschwächt und genervt und warten sehnsüchtig auf den Frühsommer, wenn die Infektsaison abebbt. Ein 4-jähriges, vergnügtes Mädchen wird uns vorgestellt, zur Kontrolle wegen eines Infektes der oberen Luftwege mit Schnupfen und Husten ohne Fieber bei gutem Allgemeinzustand. Die Großeltern und auch eine Tante hatten die Eltern dazu gedrängt, da ja eventuell eine Lungenentzündung vorliegen könnte. Die Mutter war zuvor eigentlich nicht beunruhigt gewesen. Die Untersuchung ergab völlig freie Lungen und keinen Hinweis auf ein schwerwiegendes Problem, was auch der gute Allgemeinzustand widerspiegelte. Unserer Erläuterung diesbezüglich entgegnete die Mutter: „Das hab ich mir gleich gedacht, dass das nix Schlimmes ist!“ Was erwidern? Die Mutter wurde ja von der Umgebung in ihrer Einschätzung verunsichert. Und sie und ihr Kind stecken noch in der anstrengenden Infektsaison. Wir haben die Patientenmutter dennoch dahingehend beraten, auf ihren Mutterinstinkt ruhig zu hören und zu vertrauen. Ihre Einschätzung war richtig und die Vorstellung war nicht zwingend notwendig. So kräftezehrend und auch nervtötend die Infekte im Kleinkindalter …

Was wirklich glücklich macht….

Was wirklich glücklich macht? Hmmmmm…. dazu gibt es wohl keine allgemeingültige Antwort. Aber es lohnt sich sicher, darüber einmal nachzudenken. Auch und gerade, wenn man seinen Kindern gute Voraussetzungen für Lebensglück mitgeben möchte. Den Deutschen sagt man ja etwa eine Tendenz zu materieller Sicherheit nach. Und vielleicht ist da auch etwas Wahres daran. Allerdings ist auch nicht jeder Deutsche gleich. In jedem Fall lohnt es sich, sich im Bezug auf die Werte, die man seinen Kindern vorlebt, zu hinterfragen. Und das meine ich jetzt gar nicht ethisch-moralisch oder gar religiös. Sondern alleine aus dem Blickwinkel des Lebensglücks. Menschen, die von früh auf gelernt haben (etwa durch das Vorbild der Eltern), materielle Sicherheiten oder materielle Ziele als hohe Priorität zu sehen, verpassen oft, sich in anderen Bereichen des Lebens weiter zu entwickeln, da sie sehr einseitig ausgerichtet sind. Nicht messbare Fähigkeiten wie Musikalität, Kontaktfähigkeit, Kreativität oder andere Talente rücken dann zu sehr in den Hintergrund – Fähigkeiten, die aber entscheidend sind für das Erleben von Lebensglück. Rein materielle Ausrichtung macht außerdem starr und unflexibel und damit …

Schulvorbereitung im Alltag

Die Einschulung naht und viele Eltern überlegen, wie sie ihre Kinder diesbezüglich fördern können. Dabei geht es auf der einen Seite um gute Ideen, wie und mit welchen Maßnahmen die tägliche Förderung abwechslungsreich erfolgen kann. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, sich die Bereiche und Fähigkeiten zu verdeutlichen, die die Kinder im Schulalltag bewältigen bzw. aufweisen müssen. Und dann ist das ja nicht die einzige Aufgabe, der sich Mama und Papa gegenüber sehen. Kinder in den Kindergarten, Arbeit, Einkauf, Hausputz, Essen kochen, Hausaufgaben mit dem Großen, Steuererklärung noch machen und den verstopften Abfluss reparieren sind ja auch noch Alltagsaufgaben, die so anfallen in der Familie. Uff! Wie also alles unter einen Hut bringen? Es liegt der Gedanke nahe, die Förderung eines Kindes im Kindergarten- und Grundschulalter auch in den Familienalltag mit all seinen Aufgaben einzubauen. Es gibt dazu ein etabliertes Konzept, das von dem Kinderarzt Dr. R. Dernick erarbeitet und unter dem Namen „Familienergo“ bekannt wurde. Es kostet wenig Zeit und kein Geld. Gerne beraten wir Sie dazu in unserer Praxis, vereinbaren Sie …

Wenn Kinder nicht verlieren können…

Um es vorweg zu nehmen: Es geht um Perfektionismus. Dass große Motivation auch einmal zu Enttäuschungen führen kann, ist allen Eltern klar. Zum Beispiel wenn ein Jugendfußballspiel verloren geht. Darüber darf man sich dann schon auch mal ärgern, vor allem, wenn viel trainiert wurde dafür und große Hoffnungen in den kleinen Köpfen saßen. Was ist aber mit Kindern, die nie verlieren können? Egal, ob es um ein Brettspiel geht, um eine Wette oder um den Fensterplatz im Bus? Häufig ist das Ausdruck von Perfektionismus. Es steht der unbewusste Gedanke dahinter: „Nur, wenn alles so perfekt ist, wie ich mir das vorstelle, läuft es gut.“ Oder sogar: „Nur, wenn alles so perfekt ist, wie ich mir das gesetzt habe, ist mein Leben etwas wert.“ Deshalb „müssen“ Sie um jeden Preis gewinnen, immer, weil es den Wert ihres Lebens bestimmt. Kennen Sie das bei Ihrem Kind? Dann müssen Sie dringend etwas gegen den Perfektionismus tun. Was da psychologisch passiert: Perfektion gibt es in der Welt nicht. Nachdem das „perfekte“ Ergebnis also nie zu erzielen ist, laufen „perfekte“ …

Hausaufgabenstress muss nicht sein! Teil 1

Fast zwei Drittel der in einer Studie befragten Eltern gaben an, dass es wegen der Hausaufgaben regelmäßig zu Konflikten mit ihren Kindern kommt. Hausaufgaben belasten also offensichtlich häufig das Verhältnis von Eltern und Kindern. Beachtet man einige grundlegende Dinge, so kann der Stress deutlich vermindert werden. • Terminwahl: Man sollte zwar zunächst die Kinder bei der Frage nach einem geeigneten Zeitpunkt einbeziehen, stellt man jedoch fest, dass es nur zu einer Verschiebetaktik von Seiten der Kinder kommt, ist es besser, wenn die Eltern den Zeitpunkt nach einer ausreichenden Erholungsphase nach der Schule festlegen. • Arbeitsplatz: Hausaufgaben sollten immer am gleichen Ort – idealerweise an einem Schreibtisch, auf dem alle notwendigen Arbeitsutensilien immer vorhanden sind – gemacht werden. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass keine weiteren äußeren Reize (z.B. Spielsachen, Handy) von der Arbeit ablenken und dass genügend Licht vorhanden ist. Wir danken unserer Gastautorin B. Ehlenberger für diesen Beitrag!

Vom Nutzen des Internets

In der BRD sind laut Familienministerium 1,2 Mio. 3-8 Jährige regelmäßig im Internet unterwegs. Allerdings hängt es stark von den Eltern ab, ob und wie sehr die Kinder von den digitalen Angeboten profitieren. Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet hat im Rahmen einer großen Umfrage festgestellt, wie selbstverständlich Kinder mit digitalen Medien umgehen – und wie unsicher Eltern dagegen oft sind und doch häufig Unterstützung bräuchten, um den Kindern den sinnvollen Umgang zum Beispiel mit dem Internet beizubringen. 18% der Eltern stellten zum Beispiel keine Surf-Regeln auf. Nur etwa 25% der Eltern schätzen sich laut Umfrageergebnis als „digital souverän“ ein und können die Kinder gut im Internet begleiten. Anders ausgedrückt: Wir Eltern sollten uns im Bereich der Medienkompetenz informieren und eventuell auch beraten oder schulen lassen. Die wichtigste Fähigkeit, die Kinder erwerben müssen, besteht darin, die wertvollen Angebote von nicht sinnvollen Inhalten unterscheiden zu können. Außerdem sollte der Grundsatz gelten, dass sich die Kinder nur von den Eltern begleitet im Internet bewegen. Die Zeit, die vor dem Bildschirm verbracht wird, ist auf …

Ist eine elektronische Überwachung von Kindern gut?

Es gibt es einerseits Ortungsgeräte mit Hilfe-Buttons, mit denen Kinder im Notfall auch die Eltern benachrichtigen können. Andererseits werden aber auch immer mehr Apps angeboten, die einfach auf das Smartphone geladen werden und die Eltern über den Aufenthaltsort informieren. „Oh, dass ist ja toll!“ mag wohl die erste Reaktion vieler Eltern sein, wenn sie erfahren, dass es mittlerweile zahlreiche technische Möglichkeiten gibt, immer über den Aufenthaltsort ihrer Kinder informiert zu sein. Dabei variiert der Grad der Überwachung von der Möglichkeit, sich den Aufenthaltsort des Kindes bei vermeintlichem Bedarf anzeigen zu lassen, bis hin zu einer Art „elektronischen Fußfessel“. Dies bedeutet, dass die Eltern sofort informiert werden, wenn das Kind einen festgelegten Bereich oder z.B. den normalen Schulweg verlässt. Man kann sich auch per Signalton benachrichtigen lassen, wenn das Kind ein zuvor angegebenes Ziel erreicht hat. Auch wenn dies zunächst alles hilfreich erscheinen mag, da Eltern sich sicherlich oftmals Gedanken darüber machen, wo sich ihre Kinder gerade aufhalten, birgt diese Art der Überwachung zahlreiche Risiken für die Entwicklung der Kinder, denn man vermittelt ihnen damit ja, …

Den kindlichen Gerechtigkeitssinn erzieherisch nutzen

Bereits 3-jährige Kinder haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn! Wussten Sie das? In einer Studie hatten Forscher mit Puppen Konfliktsituationen dargestellt. Eine Puppe nahm der anderen beispielsweise etwas weg oder es wurden Gegenständen unfair verteilt. Die Kinder reagierten, indem sie dem richtigen „Besitzer“ den Gegenstand wieder zurückgaben oder protestierten, wenn ein Gegenstand dem falschen „Besitzer“ gegeben wurde. Sie setzten sich für das „Opfer“ ein, als seien sie selbst betroffen. Ein Gerechtigkeitssinn scheint sich also sehr früh zu entwickeln. Bei Vorschulkindern ist es so, dass die Kinder lieber dem Opfer helfen als den „Übeltäter“ zu bestrafen. Das kann man für die Erziehung nutzen. Die Kinder lernen mehr, wenn sie helfen müssen, den Schaden, der aus einer Handlung entsteht, zu beheben. Weniger nehmen sie mit,  wenn sie für ein Fehlverhalten in welcher Form auch immer bestraft werden. Und die Schadensbehebung ist ja auch eine logischere Konsequenz, die Kinder können es einfach besser verstehen.

Keine Angst vor dem Zahnarzt!

Die Kinderärzte sprechen mit Kindern und Eltern oft über die Notwendigkeit zahnärztlicher Prophylaxe, Kontrolle und Behandlung. Oft wird auch gefragt, wie man die Kinder auf Zahnarztbesuche vorbereiten sollte. Dazu gibt es einige Tipps, die übrigens auch für andere Bereiche der Medizin, also auch für den Kinderarztbesuch, gelten: – Der wichtigste Punkt ist, dass die Eltern ein angstfreies Vorbild sind bzw. ihre eigene Angst nicht auf die Kinder übertragen. Kinder nehmen auch nonverbale Signale deutlich wahr! – Gehen Sie nicht erst, wenn eventuell schmerzhafte Behandlungen anstehen. Kontrollen sind medizinisch sinnvoll, machen die Normalität eines Zahnarztbesuches klar, führen zu Gewöhnung und bauen Ängste ab. – Planen Sie ausreichend Zeit für den Zahnarztbesuch ein, Hetzte führt zu Stress und lässt denn Besuch eventuell misslingen. – Machen Sie keine falschen Versprechungen, sondern bereiten Sie das Kind spielerisch, eventuell auch mit einem Buch, auf den Zahnarztbesuch vor. Oder spielen Sie die Situation mit dem Kuscheltier vor. Es sollte aber auch kein Thema sein, das zu breiten Raum einnimmt. – Drohen Sie nicht mit dem Zahnarzt, wenn das Kind zum Beispiel …