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COVID19 & Kinder – eine aktualisierte Einschätzung

Ich werde oft gefragt, wie es nun weitergeht in der Corona-Krise. Natürlich aus Sicht der Kinder und Familien. Ich möchte Ihnen deshalb hier ein paar Einschätzungen von mir – auf Basis der verfügbaren Daten – mitgeben. Insbesondere auch aktuell zu der gestrigen Lockerung der gesetzlichen Beschränkungen.

Was wissen wir über den Verlauf von COVID19 bei Kindern inzwischen?

Kinder können ähnlich häufig erkranken, aber meist mit wenigen Symptomen. Meist stecken sie sich bei Erwachsenen (v.a. bei den Eltern und Betreuern) an. Aber Kinder können auch umgekehrt Erwachsene anstecken. Das sieht man in den Ergebnissen der viel beachteten Heinsberg-Studie.

In den ersten zwei Lebensjahren können Kinder auch schwerer erkranken. Unabhängig von Grunderkrankungen. Ab dem 3. Lebensjahr werden schwerere Erkrankungen seltener. Grunderkrankungen können den Verlauf von COVID19 zwar schwerer machen, aber nicht in einem ähnlichen Ausmaß wie bei Erwachsenen. Das bedeutet, dass bei Kindern selbst Herzfehler oder ein gut eingestelltes Asthma bronchiale (um bei meinen Schwerpunktpatienten zu bleiben) den Verlauf nicht prinzipiell als Risiko anzusehen sind. Im Einzelfall kann diese Einschätzung bei besonderen Grunderkrankungen natürlich anders ausfallen. Fragen Sie Ihren Kinderarzt.

Möglicherweise sind Kinder (und vielleicht auch ihre Familien) deshalb etwas geschützter, weil sie im engen Kontakt miteinander, z.B. in der KiTa, auch in den letzten Jahren immer schon die einfachen Erkältungs-Coronaviren ausgetauscht haben und diese einen gewissen Schutz geben können. Das verliert sich aber nach einigen Jahren.

Kann eine neue Welle beginnen, nachdem die Infektionszahlen nun so stark zurückgegangen sind?

Ich persönlich denke, dass auch COVID19 einen zyklischen Verlauf nehmen wird, wie wir das von der Virusgrippe kennen. Das heisst, dass die Epidemie erst einmal zurückgeht. Mathematische Modelle sprechen dafür. Insofern sind aktuell Lockerungen im Infektionsschutz auch nachvollziehbar.

Allerdings besteht in Deutschland bisher nur in ausgewählten Gegenden eine Durchseuchung von über 10%, in den allermeisten liegt die Durchseuchung weit darunter. Das bedeutet, dass der SARS2-Coronavirus noch genug Futter vorfindet, um sich wieder auszubreiten. Das wird als sogenannte zweite Welle erwartet, wahrscheinlich im Herbst.

Die Vorsichtsmaßnahmen werden uns deshalb noch lange begleiten.

Was können wir alle tun, um eine erneute Ausbreitung zu verhindern?

Die allgemeinen hygienischen Maßnahmen sind inzwischen aus der Presse bekannt. Vielleicht das Wichtigste die zuverlässige Handhygiene (waschen, waschen, waschen, evtl. desinfizieren).

Kranke oder verdächtige Kinder sollten keinen Kontakt mit anderen (Schule, privates Umfeld) haben. Wir Ärzte sind hier gehalten, die Testkapazitäten zu nutzen. Das heißt, lieber einen COVID19-Test zu viel als zu wenig.

In der Praxis können wir nun auch Antikörper bestimmen, die auf eine durchlaufene COVID19-Infektion hinweisen und damit eine Immunität belegen können.

Welche anderen Aspekte sind mit wichtig?

Mit der gestrigen Lockerung beginnen nun wieder Kontakte. Das ist aus Sicht der Kinder und Familien gut. Eine Isolation der Kinder ist sicherlich der Entwicklung langfristig nicht zugänglich. Obwohl wir in der Praxis den Eindruck hatten, dass Kinder bisher nicht so sehr gelitten haben – immerhin gab es keinen Schulstress und auch keine (oft unliebsamen) Freizeitverpflichtungen. Das mag aber in Großstädten und beengten Wohnräumen anders sein. Doch davon bald mehr.

Bei allen politischen Entscheidungen darf nicht nur das Infektionsrisiko der Kinder (oder durch Kinder) gesehen werden. Es muss auch gesehen werden, was Kinder für ihre Entwicklung langfristig brauchen: Stabile Verhältnisse ohne Angst, Bewegung und Sport, Unterricht ohne Stress, aber mit Chancen für alle, und Eltern, die nicht auf dem Zahnfleisch gehen, weil sie neben dem Homeoffice einen Vollzeitlehrer ersetzen müssen.

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Dr. med. Gerald Hofner

Dr. Gerald Hofner war kinderkardiologischer Oberarzt der Universitätskinderklinik Erlangen-Nürnberg, bevor er 2003 in eine neue Praxis in Neudrossenfeld und Bayreuth wechselte. Sein Fokus liegt auch dort auf der Schwerpunktversorgung für Kinderkardiologie, Kinderpneumologie, Jugendsportmedizin und Ernährungsmedizin, besonders unter dem Aspekt der Prävention. Ihm ist dabei wichtig, die Erkenntnisse der Wissenschaft praktisch und verständlich zu den Patienten und ihren Familien zu bringen. Als Vater von zwei Töchtern weiß er um die Probleme von Familie. Seit 2019 ist er außerdem verantwortlich für die beiden neuen Medizinprodukte FrioQuick® Kühlpflaster und RhinoQuick® Schnupfenpflaster in Deutschland - sanfte und effektive Therapie. Dr. Gerald Hofner hat einen Lehrauftrag der Universität Bayreuth angenommen.

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